Kultur

Gasometer in allerlei Formen sind die Fotostars

Bernd und Hilla Bechers Werke in der Konrad Fischer Galerie

Gasbehälter gibt es in den unterschiedlichsten Formen, als Teleskop-, Schrauben-, Scheiben- und Kugelgasbehälter – so jedenfalls die Bezeichnungen der Fotografielegenden Bernd (1931–2007) und Hilla Becher (2034–2015) für diese Industriekolosse, denen sie eine Serie in Schwarz-Weiß widmeten. In Typologien werden sie nach ihrer Erscheinungsform zusammengefasst, nüchtern aus zuvor festgelegten Blickwinkeln mit einer Plattenkamera aufgenommen und später hübsch minimalistisch zu Neuner-, Zwölfer- und 15er-Serien arrangiert. August Sander mit seiner neusachlichen Typologie der Berufsstände in der Zeit der Weimarer Republik stand hier Pate.

In der Galerie Konrad Fischer in Kreuzberg sind vier Typologien und etliche Einzelfotografien zu sehen, die noch einmal eindrücklich zeigen, wie die Bechers ihre streng formale konzeptuelle Fotografie anlegten. Die Gasometer sind die glanzvollen Stars dieser schlichten Bilder. Erkennbar ist eine durchgängige Systematik: Weitgehend von der Umgebung isoliert, werden die Funktionsbauten meist aus der Zentralperspektive aufgenommen, ohne jede Dramatik und mit enormer Tiefenschärfe. Nur so sind die Objekte vergleichbar, werden zur Serie und zum Kunstwerk – Konzeptkunst und Minimalismus gleichermaßen.

Die Documenta ebnete den Weg in die USA

Die Ausstellung zeigt nicht nur einen Teil der zahlreichen Industriebauten, welche die Bechers so systematisch und schnörkellos fotografiert haben, darunter Förder- und Wassertürme, Hochöfen und Aufbereitungsanlagen, oft Gebäude, die kurz vor dem Abriss standen. Sie führt uns auch in eine Zeit, in der sowohl die beiden Fotografen als auch die Galerie Kunstgeschichte schrieben. Fotografie war in der alten Bundesrepublik als Kunst nicht anerkannt, fast ebenso wenig wie Minimalismus, Konzeptkunst und Land Art. Mit Mut und Engagement verhalf Konrad Fischer allen diesen Kunstformen in Westdeutschland zum Durchbruch. Drei Jahre nach der Galeriegründung in Düsseldorf zeigte er 1970 auch die Arbeiten der Bechers in einer ersten Einzelausstellung. 1972 nahm er sie mit auf die Documenta 5 in Kassel. Schnell war für die Fotografen dann auch der Weg in die USA geebnet – und damit zum internationalen Erfolg.

Konrad Fischer Galerie, Lindenstraße 35, Kreuzberg. Bis 21.4., Di.–Sbd. 11–18 Uhr