Kultur

Nach der Pause wird der Schalter umgelegt

Mit Alt-Herren-Humor starten Die Prinzen ihr Konzert im Admiralspalast. Die großen Hits kommen erst zum Schluss

„Es bilden sich viele was auf Deutschland ein / Und mancher findet es geil, ein Arschloch zu sein / Es gibt manchen, der sich gern über Kanaken beschwert / Und zum Ficken jedes Jahr nach Thailand fährt“, mit diesen Zeilen eröffnen Die Prinzen ihr Konzert – mutig bis ungeschickt. Ja, es ist ein satirischer Text, aber trotzdem löst es ein unangenehmes Gefühl aus, wenn da fünf Männer auf der Bühne marschieren und immer wieder laut „deutsch“ rufen, mit erhobener Faust. Sogar die E-Gitarre von Wolfgang Lenk ist schwarz-rot-gold. Ironischerweise ist dieser Song, der mittlerweile 17 Jahre alt ist, auch der letzte Chart-Erfolg der Prinzen. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte dieser Song völlig anders gewirkt, vielleicht sogar mal eine angenehme Abwechslung geboten. Aber so sorgt er vor allen Dingen dafür, dass die Stimmung im ausverkauften Admiralspalast erst einmal etwas unterkühlt ist.

Es folgen selbstironische Nummern wie „Unsere besten Zeiten“, aber auch melancholische Liebeslieder wie „Angst, dass du gehst“. Etwas enttäuschend, dass dabei das Orchester der Musikalischen Komödie der Oper Leipzig, das anlässlich des 1000-jährigen Leipziger Stadtjubiläums mit den Prinzen auf Tour ist, mitunter völlig untergeht. „Also man muss ja heutzutage vorsichtig sein, was man sagt. Wegen der #MeToo-Debatte und so“, sagt Tobias Künzel und erzählt, dass sie schon ein paar Tage früher nach Berlin gekommen sind. „Wir wollten gerne Schiff fahren und da war so eine nette Dame mit einer schicken Uniform“, erzählt er. Er habe sie dann gefragt, ob sie die auch privat trage, woraufhin die Dame die Augen verdreht und „vergiss es“ gesagt habe. „Ihr kennt sie doch alle – die kuuugelrunden, blauen Augen“, dabei grinst Künzel und stimmt das Ideal-Cover „Blaue Augen“ an.

Vor 17 Jahren schrieb man in der „FAZ“ noch: „Ihre Lieder haben immer wieder kritisch den Finger am Puls des Zeitgeistes.“ Spätestens jetzt hat man das Gefühl, dass die Band den Anschluss verpasst hat und im Alte-Herren-Humor stecken geblieben ist. Noch dazu vermisst man in ihrer deutlich verlangsamten Version die freche Stimme von Anette Humpe. Das alles wird nur noch verstärkt durch das prollige „Ich will dich haben“, in dem Sebastian Krumbiegel singt: „Ich will dich haben, ganz für mich allein / Ich will dich haben, will dein König sein“ und später seiner finnischen Duett-Partnerin Amanda rät, dass sie zu viel nachdenkt.

Mit diesen Eindrücken ist man ein bisschen besorgt, was wohl noch nach der Pause kommt. Aber es ist, als hätte man einen Schalter umgelegt. Auf einmal wird im Publikum – trotz der sehr gemütlichen Sitze – getanzt, die Songs haben auf einmal Drive, die Texte sind so ironisch und amüsant, dass gelacht wird. Zum Ende regnet es dann auch die großen Hits, auf die man die ganze Zeit gewartet hat: Mit „Millionär“, „Küssen verboten“ und „Alles nur geklaut“ schließen die Leipziger ihr Konzert ab, nach vier Zugaben verabschieden sie sich von einem begeisterten Publikum.