Frühkritik

Sexualität und Lebenssinn bei „Salome“ an der Staatsoper

Nach „künstlerischen Differenzen“ zwischen Dirigent und Regisseur fand in der Berliner Staatsoper die Premiere der Oper „Salome“ statt

Ein Roter Teppich führt zum Eingang der Staatsoper. Nach „künstlerischen Differenzen“ zwischen Dirigent und Regisseur fand in der Berliner Staatsoper die Premiere der Oper „Salome“ statt

Ein Roter Teppich führt zum Eingang der Staatsoper. Nach „künstlerischen Differenzen“ zwischen Dirigent und Regisseur fand in der Berliner Staatsoper die Premiere der Oper „Salome“ statt

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Der Held der neuen „Salome“ an der Staatsoper Unter den Linden heißt Thomas Guggeis. Der gerade mal 24-jährige Assistent von Daniel Barenboim hatte am Donnerstag erfahren, dass er die Premiere am Sonntag dirigieren muss. Nach nur einer Probe wagte er sich also ans Pult der Staatskapelle und dirigierte auf beachtliche Weise die Richard-Strauss-Oper. Dafür erntete er am Ende Jubelstürme. Überraschend heftige Buhs erhielt hingegen die großartige Ausrine Stundyte als Salome, sie füllt diese Partie selbstbewusst aus, was offenbar nicht in das gängige Rollenklischee eines durchgeknallten Männertraums passt.

Der Berliner Skandalregisseur Hans Neuenfels zeigt eine Art Opern-Revue, die von Oscar Wilde, dem die Hoden aus der Hose hängen, präsentiert wird. Der christliche Prophet Jochanaan (eindrucksvoll: Thomas J. Mayer) ist in einem Phallus-Käfig gefangen. Es geht um Sexualität und den Lebenssinn. Der 76-jährige Neuenfels, der sich aus Altersgründen von der Opernbühne zurückzieht, wurde bei seiner letzten Berliner Premiere bejubelt und ausgebuht.

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