Kultur

Ein Jazz-Abend, der an Musikgeschichte erinnert

Die Lust am Musikmachen ist unglaublich in der Deutschen Oper: Wieder einmal sitzen ausgewählte Bläser und Schlagwerker des Orchesters einschließlich instrumentaler Gäste als BigBand der Deutschen Oper auf der Bühne. „A Soul Journey“, so hat Jazzposaunist, Dirigent und Arrangeur des Ensembles Manfred Honetschläger den Abend genannt. Wie ein Hohepriester einer bisher unbekannten Jazzkirche tritt mit der BigBand der bekannte Sprecher Christian Brückner auf, der nach der klanglich satten Version des Louis-Armstrong-Klassikers „What a wonderful world“ in die Rolle von Berry Gordy schlüpfen und seine Geschichte erzählen wird. Gordy war und ist der legendäre und mittlerweile uralte Gründer des Jazzlabels Motown Records, der einstigen US-Plattform von Ray Charles, Aretha Franklin und all der schwarzen Größen des Soul.

Gewiss, im derzeitigen postmodernen „anything goes“, wo junge Jazzmusiker oft beeindruckendes Handwerk ohne echte Individualität oder Verletzlichkeit zeigen, ist das Genre des Big-Band-Jazz nur eines von vielen. Und natürlich sieht das Publikum der ausverkauften Deutschen Oper hier einen Abend, der an Musikgeschichte erinnert – es geht vordergründig nicht um Experimente. Nostalgie ist das alles dennoch nicht: die sängerischen Leistungen der wortstarken Amber Schoop im Glitzertop, von Florezelle Amend mit ihrer völlig natürlich herausgearbeiteten dunklen und kehligen Soul-Stimme, vom vielseitigen Worthy Davis, der namentlich bei James Browns Klassiker „Get up sex machine“ vor synkopischem Rhythmus im Körper kaum noch gehen kann. Für klassisch ausgebildete Musiker erfordert die Arbeit an Big-Band-Klassikern jahrelanges Training im Jazz-Gefilde, und die Früchte werden an diesem Abend sichtbar.