Kultur

In den Kathedralen der Macht

Ein echtes Serien-Juwel: „Bad Banks“ erzählt die fiesen Machenschaften der Hochfinanz spannend wie ein Krimi

Diese Serie setzt mitten in der Magengrube an. Unruhe in den Straßen, lange Schlangen vor den Banken, Bankautomaten, die kein Geld mehr ausspucken, Wut und Zorn, die sich gegen Polizisten richten, Anarchie, die sich entzündet. Das sind Bilder, die man vielleicht aus Griechenland oder Dritt-Welt-Ländern kennt. Aber diese hier spielen mitten in der Finanz-Metropole Frankfurt. Der Finanzminister beschwichtigt die Bürger im Fernsehen, ihr Geld auf der Bank zu lassen, es sei sicher. Eine Reporterin auf der Straße orakelt dagegen, die Krise sei fünf mal schlimmer als die Lehman-Pleite.

Dem ZDF geht es nicht um Quote, sondern um Prestige

So beginnt „Bad Banks“, eine deutsche Serie, die unter Investment-Bankern spielt. Das ist ein Metier, das den meisten eher fremd und suspekt ist. Die Menschen, die dort arbeiten, möchte man nicht zwingend sympathisch finden, jeder hat da Vorurteile, die sich auch, das ist ja das Schlimme an Klischees, nicht selten bestätigen. Und mit dieser Welt soll man sich über sechs Folgen lang auseinandersetzen?

Die Serien-Macher finden einen einfachen Trick, wie man sich darauf einlassen kann. Im Mittelpunkt steht die junge Assistentin Jana Liekam (Paula Beer). Sie versucht, Karriere und Familie unter einen Hut zu kriegen. Sie ist gut, sie ist ehrgeizig, aber sie ist eine Frau. Und wird von den arroganten Anzugträgern nicht ganz ernst genommen. Sie muss dem Sohn eines Vorstandsvorsitzenden zuarbeiten, und als sie ihn in einer Beratung bloßstellt, weil sie den Kunden kompetenter berät, ist sie ihren Job los. So läuft das.

Sofort steht die strengeSecurity vor ihr, die sie aus dem Büro begleiten soll Aber sie entwischt und hastet empört zur Chefin der Bank, Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch). Die kann ihr auch nicht helfen, vermittelt ihr aber immerhin einen Job in einer Bank in Frankfurt. Von dort aus kann sie sich an dem Vorstandsjunior rächen. Und endlich zeigen, was sie kann. Aber dann steht plötzlich Frau Leblanc vor der Tür. Keine Spur von Frauensolidarität. Sie hat dem Mädel geholfen, jetzt will sie Gegenhilfen. Und keine geringen.So entspinnt sich ein brenzliges Spiel – als sei dies nur „Monopoly“, als ginge es icht um echtes Geld –, bis am Ende das ganze System ins Wanken gerät.

Man muss in finanziellen Dingen nicht bewandert sein, muss die Wirtschaftsseiten der Zeitungen nicht verstehen. Oliver Kienle und seinem Autoren-Team gelingt die Kunst, die komplizierten Fachdetails so zu verein-fachen, dass man das Ganze wie einen spannenden Krimi verfolgen kann. Nur ohne erlösende Kommissare, die da mal ermitteln und ein paar Täter zur Strecke bringen. Alle wollen hier das schnelle Geld. Und Macht, viel Macht. Natürlich ist es ein Klischee, wenn die jungen Banker angetrieben werden: „Seid hungrig, seid aggressiv.“ Natürlich werden auch zahllose Koks-Linien gezogen und Animierdamen beauftragt. Das kennt man schon aus „Wall Street“ mit Michael Douglas, aus „Wolf of Wall Street“ mit Leo DiCaprio. Aber das Image der Herren der Hochfinanz ist stark ramponiert. Die alte Überheblichkeit paart sich gefährlich mit einem neuen Minderwertigkeitskomplex, dass man seit der Krise nicht mehr über seinen Job reden darf.

„Bad Banks“ spielt in den gläsernen Kathedralen des Geldes und springt von einem Hotspot zum nächsten, Frankfurt, Luxemburg, Brüssel, London. Man verhandelt auch mal in Berlin, aber das ist eher marginal, von der Hauptstadt ist in Sachen Geld nicht viel zu holen. Die Serie ist rasant geschnitten und gibt mit mobiler Handkamera ein Tempo vor, das der Atemlosigkeit der Branche wohl nur zu genau entspricht. Immer wieder kommt die junge Protagonistin an einen Moment, wo sie buchstäblich nach Atem ringt und auch mal das Bewusstsein verliert. Ein sinniges Bild für das fragile Finanzwesen. Und die Serie lässt auch keinen Zweifel daran, dass eine Bankenkrise wie 2009 sich jederzeit wiederholen, ja dass die nächste noch viel schlimmer werden könnte.

Regisseur Christian Schwochow („Der Turm“) hat das mit großem Star-Ensemble gedreht, aus dem vor allem die grandiose Paula Beer herausragt, aber auch Désirée Nosbusch, die man seit Jahren nicht mehr und überhaupt noch nie so gut gesehen hat, als finstere Strippenzieherin. Ein echtes Serien-Highlight, mit dem man beweist, dass deutsche Formate mit internationalen Serien durchaus mithalten können.

Dennoch zeigt das ZDF sein Juwel nicht zur Primetime, versteckt es eher im Nachtprogramm. Und wertet es nicht nur wie üblich vorab bei Arte aus, sondern hat es auch schon seit einer Woche in der Mediathek stehen. Das hat man bisher erst einmal, bei der Schirach-Serie „Schuld“ getan. Um Quote geht es dem ZDF hier nicht. Sondern um Prestige. Tatsächlich ist der Sechsteiler bereits in 30 Länder verkauft. Und man schreibt auch schon an der zweiten Staffel. Der Stoff wird um die Welt gehen. Ganz egal, wie das am heimischen Markt ankommen wird.

„Bad Banks“: Arte, 1.–2.3., ab 20.15 Uhr; ZDF, 3.3., 21.45 Uhr, 4.3., 22 Uhr, 5.3., 22.15 Uhr. Außerdem abrufbar in der ZDF-Mediathek