Kultur

„Frauenfeindlichkeit ist überall“

Sie ist eine Ikone des europäischen Kinos und ein Dauergast der Berlinale: Isabelle Huppert über ihre Rolle als Edelprostituierte und #MeToo

Isabelle Huppert ist eine Ikone des französischen Kinos und seit Paul Verhoevens Skandalfilm „Elle“ auch ein Gesicht Hollywoods. Im Film „Eva“, der auf der Berlinale im Wettbewerb lief, spielt sie die Edelprostituierte Eva, ein Stoff, der vor über 50 Jahren auch schon mit Jeanne Moreau verfilmt wurde. Wir haben die 64-Jährige getroffen.

Sie haben den Originalfilm in der Vorbereitung auf Ihre Rolle nicht gesehen. Werden Sie es jetzt tun?

Isabelle Huppert: Stimmt, ich habe ihn nicht angeschaut. Ob absichtlich oder nicht absichtlich – geschenkt! Ich habe mich treiben lassen. Aber ich werde ihn sehen, das würde mich sehr amüsieren. Es war schon so, dass mich der Stoff gereizt hat, aber vor allem wollte ich wieder mit Benoît Jacquot arbeiten. Es war unser sechster gemeinsamer Film.

Es gibt durchaus Parallelen zwischen Ihren Rollen in „Elle“ und „Eva“. Beide Frauen bleiben relativ unbeeindruckt von ihrem schweren Schicksal und strahlen Kälte aus.

Ich finde nicht, dass sie Kälte ausstrahlen. Ihre Gefühle sind nicht auf eine hysterisch laute Art dargestellt, das heißt aber nicht, dass sie nichts durchmachen. Aber sie lassen sich nicht von ihrem Schicksal unterdrücken. Sie übernehmen die Verantwortung für das, was ihnen widerfahren ist.

Die Berlinale steht unter dem Zeichen von #MeToo. Bei den Golden Globes hatten Sie aus Solidarität ein schwarzes Kleid an. Wie stehen Sie zu der ganzen Debatte?

Die Debatte war überfällig und sehr nötig. Frauenfeindlichkeit ist überall. Allerdings muss die Debatte jetzt auch dahingehen, dass wir über die Unterschiede, die zwischen Männer und Frauen gemacht werden, sprechen. Vor allem über die Gehälter. Dass Frauen immer noch weniger verdienen.

Waren Sie schon mit dieser Frauenfeindlichkeit konfrontiert?

Frauenfeindlichkeit habe ich immer gespürt. Und die geht nicht nur von Männern aus. Ich habe in meinem Leben genauso viele Anfeindungen von Frauen wie von Männern erfahren. Bei Frauen sind es die kleinen indirekten Dinge. Unterschwellige Angriffe, Gesten, Verhaltensweisen. Als Schauspielerin habe ich mich durch die Auswahl meiner Rollen dagegengestellt. Ich spiele Frauenrollen, die nicht hinter der männlichen Hauptrolle verschwinden.

In der Zeitung „Le Monde“ haben Catherine Deneuve und mehr als 100 weitere Frauen einen neuen „Puritanismus“ durch die #MeToo-Debatte beklagt. Nach dem Motto, Flirten sollte erlaubt bleiben.

In dieser Debatte erfordert jeder Beitrag Mut und sollte respektiert werden. Ich würde mich deshalb nicht gerne auf eine Seite schlagen.