Kultur

„Dann hilft nur noch eins: Schokolade“

Aus der Audi Lounge hat man einen unverstellten Blick auf den Berlinale-Palast. Da warten seit sechs Uhr Autogrammjäger auf ihren Star

Unten Blitzlichtschauer, freie Schultern, bodenlange Kleider, schlotternde Autogrammjägerinnen und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, der den berühmten Hut lüpft. Oben Kaffee in den klammen Händen und Nasen an der Panoramascheibe. Aus der Audi Lounge, unübersehbar gegenüber des Berlinale-Palasts, hat man einen unverstellten Blick auf den roten Teppich. Wer dort nicht frieren will, um ein Mal den Star aus nächster Nähe zu bewundern, der kann das hier tun. So wie am Freitagnachmittag.

Da staunt man von hier, wie die Schauspielerinnen des Wettbewerb-Films „Las herederas“ aus den weißen Limousinen steigen. Und ein bisschen zitternd für die Fotografen posieren. „Die hat doch morgen sicher eine dicke Grippe“, wird Ana Ivanovas Auftritt kommentiert. Die trägt ein roséfarbenes Seidenkleid und strahlt jetzt so, als wären es 30 Grad und nicht drei. „Wenn man jung ist, geht das eben noch“, wird gekontert. Von hier, in der Wärme, lässt sich halt gut reden. Der Zugang zum Pavillon ist kostenlos und man kommt auch ohne Akkreditierung hinein. Hier trifft sich, wer die Zeit zwischen zwei Filmen überbrücken muss. Oder wer ein bisschen Festivalluft schnuppern will und dann doch keine Tickets erbeutetet hat. Aber die Lounge hat nicht nur Fans. Jedes Jahr wird gespottet, dass der Pavillon den Blick auf den Palast verstellt, und dass er immer größer wird. Wie Anke Engelke. Nächstes Jahr könne man die Eröffnungsgala ja auch hier austragen, witzelte sie am Donnerstagabend.

„Ist das nicht Catherine Deneuve?“, fragt nun einer die Freundin an der Scheibe. Die zuckt mit den Schultern. Von hier oben kommt einem jeder bekannt vor. Denn der rote Teppich macht sie alle zu Stars. Wen die kalt lassen, der ist wegen der Steckdosen hier („Mein Handy-Akku ist schon wieder leer“) und, klar, wegen der anderen Filmliebhaber. Tagsüber ergattert man leicht einen Platz an der Fensterscheibe, bloß abends kann es auch hier eng werden. Wenn Hollywood kommt. So wie wenige Stunden später. Da soll Robert Pattinson seinen Film „Damsel“ vorstellen. Und wer für die Premiere keine Karten erbeuten konnte, der kommt zum roten Teppich oder in den Audi-Pavillon, um dem Vampir näher als an der heimischen Mattscheibe zu sein.

Zwei Dutzend Autogrammjäger warten bereits seit sechs Uhr morgens auf den Schauspieler. Man wusste schließlich, dass es eng wird, wenn er kommt. „Letztes Jahr waren wir sogar noch früher hier“, erzählen die Fans und lachen. Und weil es letztes Jahr eben auch frostig war, so wie jetzt, hat man sich gut vorbereitet: Iso-Matten, Schlafsäcke, Einlegesohlen, Schals und Mützen sollen die Kälte fernhalten. Und wenn die Beine trotzdem einschlafen? „Dann hilft nur noch eins: Schokolade.“