Sixtinische Kapelle

Michelangelos Fresken kommen als Nachdrucke nach Berlin

34 Fresken von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle können als Nachdrucke in einer Ausstellung in Berlin bewundert werden.

"Die Erschaffung Adams" von Michelangelo als Nachdruck in Berlin

"Die Erschaffung Adams" von Michelangelo als Nachdruck in Berlin

Foto: BM

Berlin.  Wer kennt es nicht? Man läuft durch eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst und denkt alle paar Schritte: Das hätte ich auch malen können. Doch natürlich spricht man diesen Gedanken niemals laut aus, man möchte sich ja nicht als Dilettant outen.

Ganz anders geht es einem in der neuen Michelangelo-Ausstellung in Mitte. Wer würde sich schon mit dem berühmten Renaissancekünstler auf eine Stufe stellen? 34 Fresken kann man als Besucher der Parochialkirche ab diesen Sonnabend eingehend betrachten, allesamt Nachdrucke in Originalgröße. Die Idee dazu kam Veranstalter Martin Biallas während eines Besuchs der Sixtinischen Kapelle in Rom: „Dort steht man dicht gedrängt in den Touristenmassen“, sagt Biallas, „außerdem sind die Decken sehr hoch und die Fresken damit weit entfernt. Wir wollten die Bilder dem Besucher näherbringen.“

Und in der Tat: Die Ausstellung macht die großformatigen Fresken ungewohnt erfahrbar, nur zu nah herantreten darf man nicht, das nimmt die Illusion. Denn gerade aus kurzer Distanz wirken die Nachdrucke eher unbelebt, statisch, wie ein Druck eben. Doch dagegen hilft ein Schritt zurück und schon verliert man sich wieder ehrfürchtig in den biblischen Motiven.

Herz der Ausstellung ist die „Erschaffung Adams“, eines der berühmtesten Werke der Kunstgeschichte, das man nicht selten als Kunstdruck in der Nähe eines Billy-Regals findet. Dabei kann das Fresko, auf dem Gottvater einem leger liegenden Adam den Zeigefinger entgegenstreckt, erst im großen Format seine volle Wirkung entfalten.

Gegenüber hängt das „Jüngste Gericht“, ein riesiges Wandgemälde, das die Rückkehr Jesu zur Endzeit darstellt. Noch hängt es hier in seiner nicht restaurierten Fassung, in etwa vier Wochen soll die restaurierte Version hinzukommen und so eine Vergleichsmöglichkeit bieten.

Anders als bei den Originalen werden die Fresken in der Parochialkirche weitgehend einzeln präsentiert. So muss man sich ein wenig anstrengen, um sich den rücklings in ungesunder Haltung auf einem Gerüst kauernden Michelangelo vorzustellen, der in einem Kraftakt die ganze Decke der Sixtinischen Kapelle eigenhändig mit seinen Werken überzieht. Dafür kann man sich hier so umfänglich mit den Einzelwerken auseinandersetzen wie nirgends sonst. Unter anderem in New York und Shanghai war die Ausstellung bereits zu sehen.

In Los Angeles zeigte man sie in einer Shoppingmall, dagegen bietet die Parochialkirche den berüchtigten Werken einen weitaus passenderen Raum.

Parochialkirche, Klosterstraße 67 in Mitte. So.–Do. 10–19.30 Uhr, Fr. u. Sbd. 10–21 Uhr. Bis 16. Mai. Tageskasse: 16,50 Euro.