Kultur

Im Chor gegen die Ungerechtigkeit

Experimentell, aber etwas angestrengt: Das „Oratorium“ am HAU2

Theaterabende starten meist mit Scheinwerferlicht. Im HAU2 bleibt es erst mal stockdunkel, bevor helle Lettern auf einer großen Leinwand aufscheinen. Eine Aufforderung an das Publikum, abzulesen und sich zum Chor zu formieren. Der unterteilt sich wiederum in viele Chöre. Die der späten Mütter ohne Absicherung, der jungen Männer ohne festes Einkommen, Erben und noch einige mehr. Dann endlich steigen mit „She She Pop“ die Akteure des Abends mit in den Wechselsang ein. Es geht um ungerechte Besitzverhältnisse in unserer Gesellschaft. Um fette Konten auf der einen und Mangel auf der anderen Seite.

Vor rund einem Vierteljahrhundert gegründet, steht das Berliner Performance-Kollektiv für experimentelles Theater, das die Bühne als öffentlichen Raum versteht. Mitmachen ist quasi Pflicht. Auch in der Uraufführung ihrer Performance „Oratorium“. Eine einfache Aufgabe diesmal, denn der dem antiken Theater entliehene Chor macht es den Zuschauern leicht.

Live begleitet von zwei Musikern, positionieren sich die zehn Performer in unterschiedlichen Konstellationen zum Thema Besitz. Etwa, wenn Mietwohnungen in Eigentum verwandelt werden. Ganz im Sinne des Begriffs Oratorium sind die rund 100 Minuten zudem formal in Kapitel unterteilt. Deren Titel wie „Katechismus des Eigentums“ stehen wiederum in der Tradition von Brecht, Weill und Eisler. Obwohl das Thema eigentlich spannend ist, ermüdet die angestrengte Performance. Auch, wenn tief in die historische Theatertrickkiste gegriffen wird, erschöpfen sich die chorischen Rituale rasch. Die Inhalte sind ohnehin sattsam bekannt. Der Abend versteht sich wohl auch als Anregung, über kapitalistische Missstände nachzudenken. Echte Anstöße finden sich aber nicht.

HAU 2, Hallesches Ufer 22, Kreuzberg,
Tel. 25 90 04 27, So., 17 Uhr, Mo., 19 Uhr sowie 23.–25. März, 20 Uhr

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