Kultur

Psycho-Duell hinter Gittern

Auch in ihrem elften „Tatort“-Fall streiten sich die Dortmunder Ermittler nach Kräften

Der Mann auf der Liege im Gefängnis schreit und tobt, bis er mit Schaum vorm Mund stirbt – an Tollwut. Es gab schon „Tatorte“, die appetitlicher begannen, selbst aus Dortmund. Fall elf von Faber (Jörg Hartmann) und seiner Crew ist der erste ohne den Kollegen Kossik (Stefan Konarske). Er hat zwar den Bombenanschlag der letzten Folge überlebt, ist aber – entnervt von Fabers Psychospielchen und Extratouren – nun zum LKA nach Düsseldorf gewechselt, was dem lange schwelenden Konflikt der beiden endlich ein Ende setzt.

Wer nun aber glaubt, ohne Kossik herrsche eitel Sonnenschein, vergisst, welchen „Tatort“ er eingeschaltet hat. Hier ist Dortmund, nicht Münster oder gar Weimar. Und so dauert es nicht lange, bis sich Faber mit seiner Assistentin Nora Dalay (Aylin Tezel) in die Haare kriegt, die beim jüngsten Fall in eine ganz andere Richtung ermitteln will als ihr Chef. Auch Martina Bönisch (Anna Schudt) hat keinen Grund, Frohsinn zu verbreiten. Denn die Tollwut, die hinter den Knastmauern wütet, hat nicht nur Häftlinge erwischt, sondern auch Jonas Zander (Thomas Arnold), den ehemaligen Rechtsmediziner der Kripo, der mittlerweile als Gefängnisarzt arbeitet.

Zander hat zwar herausgefunden, dass er durch ein mit Tollwut-Viren infiziertes Messer angesteckt wurde, aber keine Ahnung, wer warum so mordet. Dalay und Bönisch verdächtigen die albanische Mafia, die einen der ihren befreien will. Faber hat einen ganz anderen Verdacht. Denn sein alter Erzfeind Markus Graf (Florian Bartholomäi) ist in den Dortmunder Knast verlegt worden. Überhaupt gibt es durch die weitgehend räumliche Begrenzung auf Präsidium und Gefängnis diesmal recht wenig von der Reviermetropole zu sehen.

Graf, das muss man erklären, weil der Film es nur unzureichend macht, ist der Mann, den Faber in Folge vier wegen mehrfachen Mordes ins Gefängnis brachte und von dem er glaubt, dass er auch die Verantwortung für den Tod seiner Familie trägt. Der Psychopath andererseits gibt dem Kommissar die Schuld am Tod seines Vaters, der sich, von Faber als Kinderschänder überführt, einst in seiner Zelle erhängte.

Es sind die Treffen im Gefängnis zwischen diesen beiden Männer, die zu den Höhepunkten dieses „Tatorts“ zählen. Psycho-Duelle auf hohem Niveau, bei denen Hartmann seine ansonsten weitgehend empathielose und zynische Figur mühsam um Beherrschung ringen lässt. Und bei denen Bartholomäi den hochintelligenten und völlig skrupellosen Serienmörder wunderbar provokant gibt. Ansonsten leidet der handwerklich wie immer hochwertig gemachte Film darunter, dass Autor Jürgen Werner so viel ins Drehbuch gepackt hat, dass er zahlreiche Klimmzüge machen muss, um zum Finale zu kommen. Nach 90 Minuten sind dann die Weichen für die kommenden Folgen gestellt. Unter Langeweile, das zeichnet sich ab, wird Peter Faber darin nicht zu leiden haben. Viel Grund zum Lachen aber dürfte es auch nicht geben. Dafür aber allem Anschein nach bald einen neuen Kollegen.

„Tatort: Tollwut“, ARD, heute, 20.15 Uhr