Konzertkritik

The Vibrators ziehen junges Publikum ins Quasimodo

Mit berserkerhaften Exaktheit gibt Eddie Edwards bei den Vibrators in Berlin das Tempo vor. Beweisen muss sich die Gruppe nichts mehr.

The Vibrators auf der Bühne (Archivbild)

The Vibrators auf der Bühne (Archivbild)

Foto: pa/jazzarchiv

Die aufbegehrenden Do-It-Yourself-Revolutionäre des 70er-Jahre-Punk sind längst Geschichte. Sie haben zu ihrer Zeit viel bewegt. Ob The Clash oder die Sex Pistols. Sie haben dem damals zwischen Behäbigkeit und Bombast mäandernden Rock einen gehörigen Adrenalinschub verpasst. Es war einmal. Aber Halt! Eine der ersten Londoner Punkbands, die 1976 gegründeten Vibrators, halten der rauen Kunst der drei oder auch mal vier Gitarrenakkorde konsequent die Treue, veröffentlichen unermüdlich Platten, sind unentwegt auf Tournee.

Dieses Kraftpaket produziert auch mehr als 40 Jahre später jede Menge pure Energie. Davon konnte man sich am Donnerstagabend zu später Stunde im gut gefüllten Charlottenburger Quasimodo überzeugen. Nur noch Schlagzeuger John „Eddie“ Edwards ist von der Originalbesetzung übrig, der Rest der Musiker wechselte immer wieder über die Jahre. Seit 2003 gehört der finnische Bassist und Sänger Pete Honkamaki (Ex-No Direction) zu den Vibrators. Der ehemalige Members-Gitarrist Nigel Bennett, Anfang der Neunziger schon einmal dabei, ist nun wieder frisch eingestiegen und komplettiert das Power-Trio mit seinem energiegeladenen Spiel.

Eddie Edwards ist die treibende Kraft. Er hält die Vibrators am Leben. Er gibt mit berserkerhafter Exaktheit das Tempo vor. Er macht ordentlich Druck und bearbeitet geradezu athletisch im rotweißen Sportlertrikot sein Instrument. Er singt auch bei dem einen oder anderen Stück. Er saß schon im Februar 1977 im nur ein paar Straßen vom Quasimodo entfernten Kant-Kino auf der Bühne, als die Vibrators den Punkrock von der Insel nach West-Berlin gebracht haben. Wilde Zeiten.

Auch wenn die Band inzwischen in die Jahre gekommen ist: Alter schützt vor Punkrock nicht. Mit „I Need A Slave“, gefolgt vom populären, riffgetriebenen „London Girls“, beide vom 1978 erschienenen zweiten Album, beginnt dieser treibende Abend. Die Band stürmt atemlos machend durch ein vier Dekaden umspannendes Repertoire. Dazu zählen natürlich Klassiker wie „Automatic Lover“, „Troops of Tomorrow“ oder die Ballade „Baby Baby“. Doch auch neue Stücke passen sich stilistisch wunderbar ein.

Ausgelassen Pogo tanzen vor der Bühne

Die Vibrators brauchen niemanden mehr etwas beweisen. Und schon gar nicht erfinden sie den Rock ‘n’ Roll noch einmal neu. Doch sie verstehen es, mit ihren eingängigen, bewegungsintensiven Songs, ihr Publikum zu begeistern. Das ist überrraschend jung an diesem Abend und tanzt ausgelassen Pogo vor der Bühne. Doch auch zahlreiche Fans der frühen Jahre haben sich ins Quasimodo aufgemacht. Für die gab es denn auch einige kleine Überraschungen, wie eine Coverversion des Members-Hits „Sound of The Subburbs“ oder „Have Love Will Travel“ der Sixties-Garagenrock-Legenden The Sonics.

Die Vibrators sind eine Band von bewunderswerter Ausdauer. Gut zwei Dutzend Alben haben sie veröffentlicht, gerade ist mit „Past Present And The Future“ ein neues erschienen. Und so lange „Eddie“ Edwards seine Drumsticks halten kann, werden sie weiter über die Bühnen dieser Welt fegen. Ein Glück, dass es solche Bands noch gibt.