Unplugged Tour 2018

A-ha-Konzert in Berlin: Das Gefühl will nicht ankommen

Beim Unplugged-Konzert in der Mercedes Benz-Arena erreichen A-ha ihr Publikum selten. Die Band ist mehr mit sich selbst beschäftigt.

Der Sänger der norwegischen Pop-Band a-ha, Morten Harket, beim Tour-Auftakt (Archiv)

Der Sänger der norwegischen Pop-Band a-ha, Morten Harket, beim Tour-Auftakt (Archiv)

Foto: Marijan Murat / dpa

Berlin. Unweigerlich hat man die Melodie von „Take On Me“ im Kopf, wenn man den Namen A-ha auf den Plakaten liest. Zum ersten Mal tourt die norwegische Band mit einem Unplugged-Album durch Deutschland - entsprechend gespannt erwartet man den Auftritt in der Mercedes-Benz Arena, sind die Drei doch eher für elektronische Elemente als akustische bekannt.

Und so sitzen sie in einem weißen Lichtkreis. Morten Harket thront in der Mitte auf einem Barhocker, rechts von ihm wird Magne Furuholmen von Cembalo und Klavier eingerahmt, während Paul Waaktaar-Savoy links von ihm die Akustik-Gitarre spielt. Im Hintergrund: Drei junge Streicherinnen -- die auch für den Background-Gesang zuständig sind – sowie Saxophon, Bass, Schlagwerk und Keyboard.

Mit der aktuellen Ballade „This Is Our Home“ eröffnet die Band das Konzert. Dabei fällt auf: Auch wenn A-ha in einem Kreis steht und sich offiziell zum wiederholten Mal wiedervereint hat, so scheinen sie doch mehr für sich zu musizieren, als miteinander.

A-ha-Sänger Morten Harket lässt einen bei den Songs nicht entspannen

Obwohl Harkets Stimme angenehm sauber, schlicht und weich klingt, kann man sich kaum entspannen. Zwischen den Songs rennt er immer wieder zu den Technikern hinunter, während der Songs friemelt er an seinem In-Ear-Kopfhörer herum. Mal hält er die Hand an sein Ohr, dann gestikuliert er wieder wild nach links, Richtung Technik. „Es ist schwer, ein Auto zu steuern, wenn man nichts hört“, erklärt er später.

Einer der wenigen Momente, in dem er sein Publikum anschaut. So richtig weiß man nicht, ob es Unsicherheit, Lethargie oder Melancholie ist, die den 58-Jährigen umgibt, wenn er nahezu regungslos auf seinem Hocker sitzt und die Augen schließt. Auch wenn eine entspannt-losgelassene Stimmung nicht so ganz aufkommen will, scheint das 8500-köpfige Publikum dem Konzert der Band positiv gesonnen zu sein.

Im Gegensatz zu den gewohnt vorwärtsdrängenden, ganz im Zeichen der 80er-Jahre-Synthie-Pop stehenden Titeln, ist an diesem Montagabend alles sehr zurückhaltend. Dem Motto „unplugged“ entsprechend wird weitestgehend auf Technik verzichtet, einzig der E-Bass fällt aus dem Schema, pathetische Streicher füllen die Stellen, die sonst gerne von quarkigen Piano-Sounds gefüllt werden. Dabei zeichnet „Foot Of the Mountains“ den ersten Höhepunkt, Harkets Stimme trägt die scheinbar vollendeten Harmonien durch die Arena.

A-ha verschenken bei ihrem Konzert eine Chance nach der anderen

Im Laufe ihrer 36-jährigen Karriere hat A-ha immer mal wieder Songs unverstärkt gespielt. Die Akustik-Tour folgt auf das 2017 veröffentlichte MTV-Unplugged-Album "Summer Solstice". Erst zwei Jahre zuvor gab die Band ihr Comeback bekannt. Dabei stellte Morten Harket noch klar: „Wir werden nicht zusammenkommen, um zusammen zu bleiben! Wir haben uns darauf geeinigt, eine bestimmte Zeit wieder zusammen zu sein: für ein Album und für eine Tour." „Eins ist klar", fügte Paul Waaktaar-Savoy hinzu. "Man kann uns nicht vertrauen, wenn wir sagen: Wir machen Schluss."

Mit dieser Ansage hatte er wohl recht, ist das Unplugged-Album bereits das zweite Album seitdem. Ein bisschen fragt man sich, ob die Drei das überhaupt noch nötig haben. Aber vielleicht wird ihnen ohne A-ha auch einfach langweilig. Zehn Top-Ten Singles, fünf Alben - davon allein in Deutschland drei goldene, ein Best-Of-Album, acht MTV-Awards, bis zu 200.000 Zuschauer in einem einzigen Konzert und im Jahr 1987 den Titelsong für den James Bond-Streifen "The Living Daylights“ — Das können sie wohl kaum noch übertrumpfen.

So schön und reizvoll die sparsame Besetzung an diesem Abend auch ist, schleicht sich doch nach gut einer Stunde Konzert ein Gefühl der Eintönigkeit ein. Mit "Lifelines", "I've Been Losing You" und "Manhattan Skyline" plätschert eine verschenkte Chance nach der anderen vorbei, ohne bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Einzelne Zuschauer schunkeln von rechts nach links, aber die Mehrheit, die vor allen Dingen aus Ü40-Paaren besteht, sitzt auf den Stühlen und nickt maximal leicht mit dem Kopf.

Bei "Take on me" denkt man wehmütig zurück

Bis zu „The Sun Always Shines on T.V.“ Da springen plötzlich alle auf, klatschen, liegen sich in den Armen. Als gäb‘ es kein Morgen mehr. „Ich hatte echt Schwierigkeiten mit der Technik, aber ihr seid ein ausgezeichnetes Publikum“ kommentiert Harket den überraschenden Gefühlsausbruch.

Und natürlich darf zum Abschluss des Konzerts ein Song nicht fehlen: „Take on Me“ - ganz ohne Blingbling, ohne den hohen Ton, den alle singen wollen, aber kaum einer sauber erreicht, Harket spart ihn sich. Ein passendes Gute-Nacht-Lied, auch wenn man etwas wehmütig an die 80er-Jahre-Kult-Version zurückdenkt.