Kultur

Beethoven mit Biss

Rudolf Buchbinder und die Dresdner Staatskapelle boten in der Philharmonie ein geschmeidiges Zusammenspiel

Vielen Klavierkennern galt Rudolf Buchbinder in den 70er- und 80er-Jahren eher als Routinier. Sie empfanden den Musiker, der bereits als Fünfjähriger an der Wiener Musikhochschule aufgenommen wurde, zwar als brillanten Pianisten, vermissten aber in seinem Spiel einen persönlichen Stil. Buchbinder arbeitete an seinem Klang; gerade sein Beethoven-Spiel gewann an Tiefe und Farbe. Wer seine Teldec-Gesamtaufnahme der 32 Klaviersonaten aus den 70ern mit der Sony-Einspielung von 2010 vergleicht, erkennt nicht, dass in beiden Fällen derselbe Pianist zu hören ist. Der identifiziert sich auch gar nicht mehr mit der alten Aufnahme: „Wenn ich die heute anhören müsste, würde ich davonrennen“, glaubt Buchbinder.

Auf die Idee kam in der Philharmonie am Dienstag sicherlich niemand, denn was der Wiener Pianist und die Dresdner Staatskapelle dort boten, war einfach fabelhaft. Über die Jahre haben Buchbinder und das Dresdner Orchester eine Qualität des Zusammenspiels entwickelt, die ihresgleichen sucht. Dazu trug bei, dass Buchbinder selbst vom Flügel aus dirigierte, so entstanden sehr geschmeidige und organische Überleitungen in die Solopassagen.

In diesen setzte er sich mit seinem kernig-klaren Klavierton problemlos gegen das Orchester durch. Wurden vom Flügel hingegen Begleitfiguren verlangt, knüpfte Buchbinder einen samtweichen Teppich, der wunderbar mit den tiefen Streichern und Hörnern verschmilzt.

Beethovens erstes Klavierkonzert op. 15 atmet noch den Geist von Mozart und Haydn, doch einige energische Akzente im dritten Satz verraten bereits, dass hier ein junges Genie nach eigenen Pfaden sucht. Buchbinder wählte für alle drei Sätze flotte Tempi und spielte sehr auf „große Linie“, in weihevollem Gestus interpretierte er den langsamen Satz, mit Schmiss und Paprika stürzte er sich in das folkloristische Rondo.

Auch das fünfte Klavierkonzert gelang sehr überzeugend. Hier glänzten im Orchester vor allem die Hornisten durch klangschöne Solopassagen, und Buchbinder erwies sich im Kopfsatz als Klangzauberer, während er das Finale mit krachender Resolutheit spielte. Als Zugabe gab es den Finalsatz aus Beethovens „Sturmsonate“, schnörkellos brillant und aus einem Guss. Das Publikum bedankte sich mit stürmischem Applaus.