Kultur

Was wir heute noch vom großen Meister lernen können

Am Freitag startet in Berlin die erste Lubitsch-Konferenz

Sage keiner, dass Berlin seine Meister nicht hege und pflege. Seit Mitte Dezember und noch bis 31. Januar läuft im Arsenal-Kino am Potsdamer Platz eine große Retrospektive zu Ernst Lubitsch (1892–1947). Noch rechtzeitig gestartet in dessen 70. Todesjahr (und 125. Geburtsjahr) kann man noch einmal die frühen deutschen Stumm- und großen Hollywoodfilme des Kultregisseurs studieren. Der angestammte Platz, den Mann zu ehren, ist aber von jeher das Kino Babylon in Mitte, unweit von Lubitschs Geburtshaus gelegen. Wo immer wieder Lubitsch-Reihen laufen. Wo auch regelmäßig Nicola Lubitsch eingeladen wird und über die Werke und Werte ihres Vaters spricht.

Und hier gibt es nun, quasi als Abschluss zum Jubiläumsjahr 2017 und als Ergänzung zur großen Arsenal-Retro, die erste internationale Konferenz über den Mann, der seine eigene Ästhetik, den Lubitsch-Touch, entwickelte. Eröffnet wird die dreitägige Veranstaltung mit ei­nem Vortrag des US-Filmwissenschaftlers James Harvey, von dem die Studie „Romantic Comedy in Hollywood: From Lubitsch to Sturges“ stammt. Darauf folgt ein Gespräch mit Oscarpreisträger Volker Schlöndorff und dem slowenischen Philosophen Slavoj Zizek. Überhaupt werden das sehr philosophische Tage. Geladen sind auch die slowenischen Philosophen Alenka Zupancic, Mladen Dolar und der österreichische Kollege Robert Pfaller. Sie alle sollen nicht etwa der Frage nachgehen, was Lubitsch uns heute noch bedeutet. Vielmehr sollen seine Klassiker dazu benutzt werden, um unsere heutigen Ideologien und Nöte zu analysieren. Sollen Fragen erörtert werden wie die, was Lubitsch heute angesichts des Erstarkens des Populismus und der Verrohung der Sitten tun würde.

Abgerundet wird die Konferenz durch die Verleihung des Lubitsch-Preises, der in diesem Jahr zum 60. Mal vergeben wird und zwar an Charly Hübner für seine Darstellung in „Magical Mystery“. Und einen Tag danach, am 29. Januar, Lubitschs 126. Geburtstag, werden sowohl die Tochter Nicola als auch die Enkelin Galeen Goodpaster, die Cutterin von „La La Land“, einen ihrer Lubitsch-Lieblingsfilme präsentieren.

Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, den großen Regisseur in seiner Heimatstadt zu ehren und zu rehabilitieren. Und er plant groß. Erste Internationale Konferenz – das meint natürlich auch, dass weitere folgen sollen.

1. Internationale Konferenz zu Lubitsch 26.–28. Januar, Babylon Berlin Mitte.
Tickets: 12 Euro, Tagesticket: 15 Euro.