Berliner Museen

Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Ein wenig Show darf sein

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz setzt auf einen Imagewandel. Drei Jubiläen stehen an und mehrere Bauten werden fertig.

Im temorären Ausweichquartier des Pergamonmuseums wird einmal Yadegar Asisis Panorama der antiken Stadt Pergamon zu sehen sein

Im temorären Ausweichquartier des Pergamonmuseums wird einmal Yadegar Asisis Panorama der antiken Stadt Pergamon zu sehen sein

Foto: Photo Tom Schulze Leipzig-German

Berlin. Weg vom gestrengen Blick Bismarcks und hinauf auf die große Freitreppe im Neuen Museum. Im imposanten, jetzt bestuhlten Aufgangsbereich hat Hermann Parzinger erstmals zum Jahresempfang der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) geladen. Etwas Glamour darf schon sein, um Wissenschaft, Forschung und die nächsten Ausstellungen für 2018 anzukündigen. Parzinger sagt, die SPK werde noch mehr dafür tun, „die Faszination unserer Sammlungen und Bestände auch zu vermitteln“. Damit das klappt, darf ein bisschen Show nicht fehlen, und so moderiert den Abend Gert Scobel, bekannt durch die 3sat-Sendung „Kulturzeit“.

Das sieht in etwa folgendermaßen aus: Die Museumsmänner Michael Eissenhauer, Udo Kittelmann und Ralph Gleis treten nach vorne, müssen sich zwei Mikrofone teilen bei der Vorstellung ihrer Ausstellungsprogramme und sehen so aus, als ob sie das etwas komisch finden.

Man setzt auf Imagewandel: Der mächtige Tanker möchte seine Stärke im Verbund seiner einzelnen Partner zeigen. Und da gibt es viele, also sind die Museumschefs der großen Häuser gekommen und die Direktorinnen anderer Institutionen. Wer weiß schon, dass der neuen Direktorin Ulrike Höroldt vom Geheimen Staatsarchiv 25 Regalkilometer Akten unterstehen? Zu den Kooperationspartnern zählt auch das Deutsche Symphonieorchester (DSO), das musikaffine Nachtschwärmer mit der Kammerkonzertreihe „Notturno“ in die verschiedenen Häuser der Stiftung lockt. Seit 2010 läuft dieser Deal.

Diesmal ist die Staatsbi­bliothek dran und die schöne Sammlung Scharf-Gerstenberg am Schloss Charlottenburg. Damit sich alle vorstellen können, wie so ein künstlerisches Tête-à-Tête aussieht, gibt es zwei Intermezzi des DSO. Natürlich ist ein Museum akustisch kein Konzertsaal, doch hier zählt unbedingt das Gesamterlebnis an der semihellen Freitreppe.

Eine Schau zu 100 Jahren Frauenwahlrecht

Beim Blick auf die Steinfriese fühlt man sich hier ein wenig wie in einem antiken Theater. Und ein bisschen ist es auch so. Oben am Treppenende geht die sonst verschlossene mächtige Holztür auf, und aus dem Dunkel schreitet Parzinger mit Scobel langsam die Treppenstufen hinab. Hinter ihnen im hellen Licht leuchtet verheißungsvoll der Xantener Knabe. Mehr Inszenierung geht nicht.

2018 wird ein gutes Jahr. Allein drei Jubiläen gibt es zu feiern: das Kunstgewerbemuseum, die Kunstbi­bliothek, beide am Kulturforum beheimatet, und das Münzkabinett feiern 150. Geburtstag. Einige wichtige Bauprojekte werden abgeschlossen, die James-Simon-Galerie, die Staatsbibliothek Unter den Linden und das temporäre Ausweichquartier für das Pergamonmuseum. Das als Bildungszen­trum geplante Haus Bastian soll Ende des Jahres an die Stiftung übergeben werden. Überhaupt ist die Bildungs- und Vermittlungsarbeit in allen Häusern Kernthema für die kommenden Jahre, genauso auch die digitale Transformation und die Provenienzforschung. Man müsse, sagt Parzinger, bereit sein, Dinge zurückzugeben und Konsequenzen zu ziehen.

Hello World: Revision der eigenen Sammlung

Freuen dürfen sich die Besucher über einige spannende Ausstellungen. Allen voran der Hamburger Bahnhof mit „Hello World. Revision einer Sammlung“, gefördert und initiiert durch die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen ihres „Museum Global“-Programmes. Im Mittelpunkt steht die Beobachtung, dass hierzulande die Museen über die Jahrzehnte einen eurozentrischen, früher einen deutsch-nationalen Blick gepflegt haben. Niedergeschlagen hat sich das im Erwerb von Kunstwerken für die Sammlung.

Wenn man Udo Kittelmann richtig verstanden hat, ging es im ersten Schritt darum, die eigene Kollektion als Quelle für weitere Forschung zu nutzen und ihre Entstehung kritisch zu analysieren. Wie sähe so eine Sammlung heute aus, hätte ein weltoffeneres Verständnis ihren Kunstbegriff geprägt? Hier geht es mit Perspektive auf die Zukunft und die gesellschaftlichen Veränderung um die globale Ausrichtung von Museumsarbeit.

Eine Fallobstwiese am Kulturforum

Interessant werden dürfte die Schau „Food Revolution 5.0. Gestaltung für die Gesellschaft von morgen“ im Kunstgewerbemuseum. Themen wie Klimawandel, Ressourcenmangel und globalisierte Nahrungsproduktion hören sich kaum sinnlich vermittelbar an, doch die Schau setzt auf Effekte. Die öde Piazzetta am Kulturforum soll in eine urbane Fallobstwiese verwandelt werden, verrät Kuratorin Claudia Banz. Mal sehen, wann wir ernten können. Im Museum selbst wird es weitere Möglichkeiten zum selbstbestimmten Farming geben. Denn: „Essen ist politisch“, so die Kuratorin.

Wenn Alice Schwarzer dabei ist, wird es definitiv nicht unpolitisch. In der Staatsbibliothek ist sie „Vorreiterin“ für die Schau „100 Jahre Frauenrecht in Deutschland“. Sind wir heute frauenfreundlich? Frau Schwarzer wird dazu einiges einfallen. Die Staatsbibliothek versammelt eine Reihe von Dokumenten, die zeigen, wie groß die Widerstände gegen das Reichswahlgesetz waren. „Erschreckend“, resümiert Direktorin Barbara Schneider-Kempf. Nach so viel ernsten Themen entlässt Gert Scobel seine Gäste an die weiße Bar. Bei einem Weinchen lässt sich bekanntlich über vieles leichter reden.