Kultur

Dasselbe Konzert erklingt dreimal nacheinander

26-jährige Shihyun Lee gewinnt den Hochschulwettbewerb

Das Konzerthausorchester begleitet das Finale des Felix Mendelssohn Bartholdy -Hochschulwettbewerbs. Neben der Sparte Klavier gab es auch eine Ausscheidung unter deutschen Kompositionsstudenten, doch bei dieser letzten Klavierrunde am Gendarmenmarkt dreht sich alles um traditionelles Repertoire: Mendelssohns Klavierkonzerte.

Und ganz so traditionell geht es hier dann auch nicht zu: Drei Kandidatinnen und Kandidaten spielen an diesem Nachmittag hintereinander das 1. Mendelssohn-Konzert, jawohl, dreimal erklingt das ganze Konzert mit Orchesterbegleitung. Ungewöhnlich, hochinteressant.

Junhyung Kim, 21-jähriger gebürtiger Südkoreaner und Klavierstudierender an der Hochschule für Musik und Theater München, macht den Anfang. Ein agiler, leichtfüßiger junger Mann – und so spielt er die Musik auch. Man hat das Gefühl, dass Kim kaum die Tasten berührt, alles scheint fast ohne Gewicht. Die hoch virtuosen Passagen gelingen ihm auf diese Art bestens. Als Nächstes Cunmo Yin, der an der Musikhochschule in Hannover studiert. Sein Zugriff ist schwerer, erdiger. Man merkt, was beim Vorgänger fehlte: das Eigengewicht der Musik, das natürliche Driften der Phrasen auf gewichtige Schläge hin. Auch das Orchester kann das nun besser hörbar machen, mit der einzigartigen Möglichkeit des Nochmalspielens unter der gewissenhaften jungen Dirigentin Corinna Niemeyer.

Als wollte sie diese Entwicklung fortsetzen, bringt die 26-jährige Shihyun Lee, ebenfalls aus Südkorea und an der Universität der Künste für Klavier eingeschrieben, einen ausgesprochen kernigen Klang aufs Podium, der sich im Gegensatz zu ihren Vorgängern mühelos gegen das Konzerthausorchester durchsetzen kann. Zu Recht wird die Jury ihr am Ende den ersten Preis zuerkennen.

Konsequent wäre es gewesen, auch die chinesische Finalistin Qian Yong noch einmal das gleiche, das erste Mendelssohn-Konzert spielen zu lassen, doch das meinte man wohl dem Publikum nicht zumuten zu können, also spielt sie das zweite. Es ist ein am ehesten an einer virtuosen, romantischen Klaviertradition orientiertes Spiel, das Qian Yong hier zeigt.

Der Applaus ist groß, für alle vier Teilnehmer. Die Jury freut sich nach so viel Mendelssohn sicherlich schon darauf, einen Tag später auch das neueste Werk des Karlsruher Kompositionsstudenten Marc David Ferrum vorführen zu dürfen: Sein „Sommernachts-Albtraum“, von einem Streichquartett und Sopran wirklich sehr frei nach Mendelssohn komponiert, hat den Preis des Wettbewerbs in der Sparte Komposition gewonnen.