Kultur

Die Botschaft ist eh klar, aber der Drive ist schon cool

Das Mutmach-Musical „Anton macht’s klar“ im Grips Theater

Armut schändet nicht? Das dürften Kinder armer Eltern anders sehen. So wie Anton. Als Einziger in seiner Klasse hat er keine Heelys, also Sneaker mit Rollen an den Hacken. Seine Eltern finden: Man muss nicht jeden Modetrend mitmachen. Dann wird sein Vater arbeitslos, gibt die Waschmaschine ihren Geist auf. Wie kommt Anton jetzt an die 100 Euro?

„Anton macht’s klar“ ist ein wunderbares Jugendbuch von Milena Baisch über einen Fünftklässler, der dazugehören will, deshalb Mist baut und das am Ende einsieht. Aus der lässigen Icherzählung wird in der Grips-Fassung von Boris Pfeiffer ein Mutmach-Musical, in dem wenige mobile Bühnenelemente Schule, Küche und Spielplatz zeigen, während überall im Raum 50er-Scheine herumkleben im Stil der Buchillustrationen. Patrik Ciesliks Anton ist ein zwischen Möchtegern-Coolness und ängstlicher Verschlossenheit pendelnder Junge, den seine Notlügen und ungelösten Probleme anfressen. David Brizzi gelingt der Spagat, Antons Markenfuzzi-Freund Max sympathisch zu zeichnen und den Familien-Retter Ralle so als Kumpeltyp anzulegen, dass man ihm nicht mal die etwas dick aufgetragenen Marx-Verweise übelnimmt. Die Botschaft ist eh klar: Geld allein macht nicht glücklich. Auch toll: Amelie Köder, Nina Reithmeier, Katja Hiller und Christian Giese.

An E-Gitarre und Klavier verleihen Thilo Brandt und Bettina Koch den Songs von Kaspar Föhres und Caspar Hachfeld einen coolen Drive. Nur wenn die manchmal etwas betulichen Texte von Grips-Gründer Volker Ludwig im Schlager enden, wird’s unnötig klebrig. Die Kids aber sind voll dabei – und erjubeln sich eine Zugabe.

Grips Theater, Altonaer Straße 22, Tiergarten. Karten: 39747477.

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