Kultur

Märtyrer-Szenarien für Rizzoli & Isles

In Tess Gerritsens „Blutzeuge“ rätseln die Ermittler lange über Täter und Motiv

Sie sind einiges gewöhnt, doch dieser Anblick schlägt auch Ermittlern wie Rizzoli und Isles auf den Magen: Eine junge Frau liegt tot auf ihrem Bett und hält ihre beiden Augen in der Hand. Die Polizistin und die Gerichtsmedizinerin rätseln: Hat dieser Mord etwas mit dem Beruf der Frau zu tun? Immerhin produzierte Cassandra Coyle gruselige Szenarien in ihren Horrorfilmen.

Mit „Blutzeuge“ schickt die 1953 in Kalifornien geborene Amerikanerin Tess Gerritsen ihr prominentes Bostoner Duo Jane Rizzoli und Maura Isles zum zwölften Mal ins Rennen. Und wieder geht es um einen außergewöhnlichen Fall mit außergewöhnlicher Spannung. Wie sich schon bald herausstellt, hat Coyles Tod nichts mit ihrem Beruf zu tun, denn nur wenige Tage später gibt es wieder ein Mordopfer, das ebenfalls nach seinem Tod besonders „dekoriert“ wurde: In der Brust des 25-jährigen Timothy McDougal stecken drei Pfeile.

Diese offensichtlichen Inszenierungen lassen die beiden Frauen nach einer Verbindung zwischen den Toten suchen, was zunächst ergebnislos scheint. Erst der Besuch in einer Kirche bringt Isles auf einen Gedanken. Genauer gesagt war es das Bildnis der Heiligen Lucia, die im vierten Jahrhundert, eben an dem Tag, an dem Coyle umgebracht wurde, als Märtyrerin starb – unter anderem wurden ihr die Augen ausgerissen. McDougal starb am 20. Januar – am Tag des Heiligen Sebastian, der in der Kunst immer als ein von Pfeilen durchbohrter Märtyrer dargestellt wird.

Weitere Nachforschungen bringen noch einen älteren Todesfall ans Licht, der ebenfalls mit der Heiligenlegende verbunden ist, und schließlich die Erkenntnis, dass sich alle Opfer als Kinder im Apple Tree Daycare aufgehalten haben, einer katholischen Kindertagesstätte, an der Furchtbares vorgefallen sein muss. Für Rizzoli und Isles heißt es nun, weitere frühere Insassen der Einrichtung ausfindig zu machen, um sie zu schützen. Vor allem aber auch, um den Täter und ein Motiv für die Morde zu finden. Der Leser fragt sich indes, was es mit der geheimnisvollen Holly auf sich hat, die eingangs und immer wieder mal wieder in Ich-Form von sich und ihrem Leben berichtet.