Max-Schmeling-Halle

Kool Savas und Sido machen in Berlin auf dicke Hose

Zwei HipHop-Legenden geben sich die Ehre und lassen sich vom Publikum feiern. Die zum Teil obszönen Texte verderben den Spaß ein wenig.

Kool Savas (l.) und Sido bei ihrem Konzert in der Max-Schmeling-Halle

Kool Savas (l.) und Sido bei ihrem Konzert in der Max-Schmeling-Halle

Foto: Getty Images / Redferns/Getty Images

Berlin. Zwei Hip-Hop-Karrieren ziehen auf einer übergroßen Leinwand vorbei. "Zwei der Besten, die es je taten. Zwei der Besten, die je gelebt haben" – Kool Savas und Sido machen gleich zu Beginn ihres ausverkauften Konzerts in der Max-Schmeling-Halle auf dicke Hose. Kurz darauf erklärt Sido: "Hier, in Berlin zu spielen, das ist für mich das höchste der Gefühle" – dieser Hang zur Nostalgie im Kontrast zum Proll, auf der einen Seite glückliche Familienväter, auf der anderen Seite Hip-Hop-"Legenden", wie sie sich selbst nennen, das zieht sich durchs Konzert.

Um ihren Worten mehr Ausdruck zu verleihen, spucken Feuerfontänen meterhohe Flammen in die Luft, die sekundenschnell die Luft erhitzen, dahinter thront eine dreistöckige Podest-Burg mit breitem DJ-Pult als Zinne.

Wenn Sido aka. Paul Hartmut Würdig (37) in seiner weißen Ganzkörperkluft dasteht, sein goldenes Mikro lässig im "Rhyme" wippt und er sich regelmäßig die rutschende Hose hochzieht, erinnert wenig an den progressiven Skandalrapper und seine subversive Aggro-Berlin-Zeit. Die charakteristische Totenkopfmaske ist weißer Kappe und Sonnenbrille gewichen, sein Bart ist grau-meliert, unter dem Pulli ist ein Bauchansatz erkennbar.

Kool Savas (42), der bürgerlich Savaş Yurderi heißt und von Sido liebevoll "Dickerchen" genannt wird, steht hingegen im schwarzen Tour-Hoodie auf der Bühne und verkündet: "Wir haben ausgemacht, jedes Mal, wenn ich was verzocke, müssen wir was trinken. Prost", stoßen sie an und teilen ihre Flasche mit Zuschauer Christoph, der ein T-Shirt hochhält, dass er Geburtstag hat. Statt anzustoßen ext er die Flasche hinunter.

Während Kool Savas mit seinen komplexen Raps und den Doubletime-Passagen auftrumpft, erkennt man Sidos Beiträge an den wuchtigen Hooklines, den breiten Beats, die einen scheinbar wie Wellen davontragen – dabei wirkt "Astronaut", Sidos Hit mit Andreas Bourani, fast schon schlagerhaft, fast schon wohltuend, nachdem die beiden von herumfliegenden "Fuffies im Club", schlechten Vorbildern oder männlichen Geschlechtsteilen, die gelutscht werden sollen, gerappt haben.

Sofern man die derben Texte unter dem Mitgegröhle versteht, sind sie in Teilen unangenehm. Nicht nur wegen der Obzönitäten und dem extremen Testosteron-Überschuss, vielmehr weil die so unverblümte Wut, die in den Sex- und Gewaltphantasien mit den "Bitches" liegt, im wohligen Miteinander völlig verpufft.

In der Zugabe zollen sich die beiden Rapper nochmal gegenseitig Tribut: Sido erscheint im roten Königsmantel, mit Krone auf dem Kopf und performt Savas "King of Rap", Savas steht widerum mit Maske und Sidos "Arschficksong" auf der Bühne. Mit "Masafaka" fassen sie den Abend noch einmal gut zusammen: "Sie reden über Hip-Hop, sie finden uns witzig. Doch wir stürmen in die Redaktion und schreien 'Fick dich!' Wenn wir alles kleinhauen, fragen sie 'Spinnt ihr?' Doch das ist Hip-Hop, Motherfucker, so sind wir!" Daran kann man wohl nichts ändern.

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