Kultur

Abgründe düsterer Machenschaften

Weniger Frotzelei aber wie immer brutal: Der Wiener „Tatort“ am Sonntagabend

Eine so spektakuläre wie mysteriöse Mordserie versetzt Österreichs Hauptstadt in Aufruhr. Leichen werden demonstrativ an öffentlichen Orten zur Schau gestellt. Für die Wiener „Tatort“-Ermittler werfen die Opfer gleich viele Fragen auf wie der fieberhaft gesuchte Profi-Täter. Für Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) beginnt in „Die Faust“ eine Suche in Abgründen verborgener Machenschaften.

Es ist offenbar eine Spezialität der Wiener „Tatorte“, dass die Mordopfer hier nicht einfach so herumliegen. Stattdessen bemühen sich die Österreicher oft, sie auf jede erdenkliche Weise brutal herzurichten. In letzter Zeit denkt man da vor allem an „Die Kunst des Krieges“ (2016), wo man das Opfer mit dem Kopf zuerst in eine Kommodenschublade gerammt hatte, beide Hände und Zunge abgetrennt. Ein Jahr zuvor hatte man es in „Sternschnuppe“ mit einem Musikmanager zu tun, der bei einem extremen Sexspiel stranguliert wurde. Da wundert es nicht, dass man jetzt in „Die Faust“ noch eine Schippe drauflegt.

Wer sich bei diesem Ermittlergespann auch auf das Frotzeln der beiden freut, der kommt diesmal eher weniger auf seine Kosten. Regisseur Christopher Schier macht von Anfang an klar, dass wir es hier mit einem düsteren Fall zu tun haben, was sich auch in den oft finsteren Bildern von Kameramann Thomas W. Kiennast niederschlägt.

Die Kommissare bewegen sich in dieser Dunkelheit, ohne zunächst einen Durchblick zu haben. Sehr schnell hat der Mörder drei Opfer geliefert, die alle aus osteuropäischen Ländern stammen, aber wie zufällig ausgewählt erscheinen.

Die Sachlage ändert sich erst grundlegend, als Eisner erkennt, dass man sich weniger mit dem Täter beschäftigen sollte, als mit der Identität der Toten. Und da endlich schälen sich Gemeinsamkeiten heraus, die mit den Revolutionen in Serbien, Georgien und Ukraine zu tun haben. Offenbar waren alle drei Opfer als junge Männer politisch aktiv und lebten seit geraumer Zeit und mit falschen Pässen in Wien.

Drehbuchautor Mischa Zickler war früher Unterhaltungschef bei Sat.1 und gönnt es sich nun, mal richtig zuschlagen zu können. Da kommen dann natürlich auch die Einflüsse der CIA zur Sprache, die sich den Enthusiasmus der Jugend damals zunutze machte, um so die Destabilisierung der einzelnen Regierungen zu befördern. Man merkt, dass der Autor seine Quellen gut studiert hat.

Doch bei der Kreation des Mörders gehen den Machern dann doch die Pferde durch. Mit einem weißen Wagen fährt der Killer vor, fein abgestimmt mit weißem Schutzanzug schreitet er sodann zur blutigen Tat. Da mag man sich noch so sehr angestrengt haben, um dem Zuschauer die politischen Hintergründe zu erläutern. Fazit: Ein düsteres Stück mit einem ernsten politischen Hintergrund.

Tatort: Die Faust heute, ARD, 20.15 Uhr

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