Konzert

a-ha auf leiser Unplugged-Tournee durch Deutschland

Morten Harket, Magne Furuholmen und Pal Waaktaar-Savoy führen ihre Songs akustisch auf.

a-ha gehen auf Unplugged-Tour

a-ha gehen auf Unplugged-Tour

Foto: Just Loomis / Universal Music

Morten Harket (58), Magne Furuholmen (55), Pal Waaktaar-Savoy (56) haben im Laufe ihrer 35-jährigen Karriere immer mal wieder die eine oder andere Nummer elektrisch unverstärkt gespielt, eine komplette Unplugged-Tournee gab es aber noch nicht. Bis jetzt. Basierend auf ihrem im Sommer eingespielten MTV-Unplugged-Album "Summer Solstice" führt das Trio seine Songs wie "Take On Me", "The Living Daylights" oder "Hunting High And Low" in abendfüllender Länge akustisch auf. Wir trafen uns mit Morten Harket im Berliner "Regent"-Hotel.

Mr. Harket, wird Ihr Live-Programm in etwa so aussehen wie die Unplugged-Show auf der norwegischen Insel Giske?

Morten Harket: Ja. Die Konzerte werden eher leise sein, wir konzentrieren uns ganz auf die Lieder. Besonders freue ich mich darauf, dass wir drei tolle junge Musiker mehr auf der Bühne haben als sonst. Sie spielen Violine, Cello und Viola.

Das Album heißt "Summer Solstice", also "Sommersonnenwende". Ist Mittsommer eine besondere Nacht für alle Norweger?

Oh ja. Der längste Tag des Jahres hat eine sehr herausgehobene Bedeutung für uns. Mittsommer ist ein großes und wichtiges Fest in ganz Skandinavien. Es wird die ganze Nacht nicht dunkel, und da Giske nördlicher liegt als meine Heimatstadt Oslo, ist der Effekt dort sogar noch stärker ausgeprägt.

War immer klar, dass Sie das Unplugged-Konzert an Mittsommer aufzeichnen?

Nein, wir hatten es nicht von Anfang an darauf angelegt. Das ergab sich während der Vorbereitung, die sehr lang und intensiv war. Die beiden Konzertabende waren wirklich magisch, auch weil das Publikum mit einer besonders hohen Erwartungshaltung kam.

Hat Sie das unter Druck gesetzt?

Nein, ich bin eigentlich nie nervös auf der Bühne. Die Leute kamen teilweise von sehr weit her, denen wollten wir etwas bieten und sie auf keinen Fall hängen lassen. Ich hatte mich gerade erst von einer kleinen Infektion an den Atemwegen erholt, für mich bestand der Druck eher darin, dass ich etwas Angst um meine Stimme hatte.

Ihre Stimme ist bei den akustischen Versionen besonders wichtig, und auf "Summer Solstice" scheint sie besonders hell. Sind Sie zufrieden mit Ihrer Leistung?

Ich habe mir den Auftritt bislang nicht angeschaut und will das auch nicht. Mir macht es keine Freude, mir selbst bei der Arbeit zuzugucken.

Wie spontan kam Ihnen eigentlich die Idee eines Unplugged-Konzerts – und damit verbunden einer Unplugged-Tournee?

Überhaupt nicht spontan. Die Anfrage von MTV lag seit vielen Jahren bei uns auf dem Tisch. Wir hatten vorher schon einige Versuche unternommen, aber aus diversen Gründen klappte das nie. Diesmal wollten wir alle drei unbedingt, dass es passiert. Wir haben uns also echt reingehängt. Denn wir fürchteten: Wenn es wieder nichts wird, dann wird es womöglich nie passieren.

Werden Sie sich bald wieder trennen?

Nein, aber wir nehmen in unserer Band nichts als gegeben hin. Es gibt bei a-ha keine Selbstverständlichkeiten und keine langfristigen Pläne. Wir wissen, dass wir 2018 auf Tournee sind, aber danach? Kann sein, dass wir die Band wieder auf Eis legen und uns um unsere vielen individuellen Interessen kümmern. Kann auch sein, dass wir weitermachen wollen. Klar ist nur: Wir wollten alle drei dieses Unplugged-Projekt verwirklichen.

Sie hatten mit Lars Horntveth erstmals einen Produzenten von außerhalb. Was war seine Aufgabe?

Uns zu quälen (lacht). Er konfrontierte uns mit Ideen, Songs auf eine Weise zu zerschneiden, die uns fremd vorkam. Wir mussten uns wehren, so kamen wir auf Ideen, die unsere Musik aufregend neu machte, ohne das Wasserzeichen von a-ha über Bord zu werfen.

Sie haben die Songs also sozusagen bis auf die Knochen ausgezogen.

Das haben wir. Teilweise haben wir ihnen auch noch das Fleisch von den Knochen gezogen. So kam die ursprüngliche Form wieder hervor. Wir schreiben unsere Lieder ja entweder an der Gitarre oder am Piano, dort haben wir sie wieder hingeführt. Einige Arrangements sind so stark, dass sie untrennbar mit der Identität der Songs verknüpft sind, die wollten wir dann nicht zerschneiden. Bei anderen sind wir radikaler vorgegangen.

Bei welchen Stücken besonders?

"Take On Me" ist gewissermaßen unser Meisterstück. Wir haben den Song entkernt, das typische Keyboard-Riff entfernt und den spirituellen Aspekt freigelegt. Nun ist er nicht mehr unter Schichten von Sounds begraben, sondern steht da ganz pur. "Take On Me" ist von so vielen Musikern gecovert worden, jetzt haben wir ihn selbst gecovert – radikaler als alle anderen.

Ist "Take On Me" Ihr Lieblingssong?

Nein, die sind mir alle lieb und wertvoll. Ich bin ja auch nicht, nur weil ich zum globalen Popstar wurde, das Lieblingskind meiner Eltern. Meine Geschwister und ich, wir sind alle toll.

"This Is Our Home" ist ein neues Lied. Was bedeutet für Sie "Heimat" denn?

Magne hat den Song geschrieben, er ist seine Antwort auf das, was in der Welt passiert. Ich verstehe seinen Blickwinkel und teile ihn weitgehend.

Sind harte Zeiten gut für die Kunst?

Ja, im Grunde schon. Man ist eher geneigt, sich extremen Situationen zu stellen, die Konfrontation zu suchen. Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, Antworten zu finden, sondern die wichtigen Fragen zu stellen.

Welche sind das?

Ob wir es schaffen, nicht länger der Gegner, sondern Teil unseres Planeten zu sein. Wir werden es als Spezies nicht mehr lange machen, wenn wir uns nicht darauf besinnen, die Natur zu achten. Die Natur ist größer als wir. Die Natur wird nicht verlieren. Wenn es ihr irgendwann reicht, dann schüttelt sie kurz ihr Fell, und wir fallen runter.

Das sind düstere Ansichten.

Wir Norweger sind Melancholiker. Sehr optimistisch bin ich nicht.

Das neue Album: a-ha: Summer Solstice - Unpluggend. (We Love Music/Universal). Berlin-Konzert: 29. 1., Mercedes-Benz Arena

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