Tempodrom

„La La Land - live in Concert“ - Melodien, die bleiben

Das Tschechische Nationale Symphonieorchester spielt den Soundtrack zum Film "La La Land", der auf der Leinwand läuft.

"La La Land", interpretiert vom Tschechischen Nationalen Symphonieorchester

"La La Land", interpretiert vom Tschechischen Nationalen Symphonieorchester

Foto: BM

„La La Land“ mit Emma Stone (29) und Ryan Gosling (37) – es gibt wohl kaum jemanden, der im vergangenen Jahr an diesem Film vorbeigekommen ist. Sei es durch den Circus-Halli-Galli-Streich bei der Goldenen Kamera, bei dem ein falscher Ryan Gosling den Preis entgegennahm, die 14 Oscar-Nominierungen oder die sieben Golden Globes, mit denen das Filmmusical ausgezeichnet wurde. Da scheinbar alles zu Gold wird, wo La La Land draufsteht, macht es wohl Sinn, den Erfolg auszukosten und eine Konzerttour mit musikalischer Untermalung des Films zu veranstalten, wurde doch auch die Komposition von Justin Hurwitz mit einem Oscar prämiert. Denn davon lebt die Liebesgeschichte.

„City of Stars“, „Another Day of Sun“ – das sind Melodien, die einem im Ohr bleiben, die man auch auf dem Heimweg noch summt. Das Tschechische Nationale Symphonieorchester, ergänzt um Bassgitarre, akustische Gitarre, Schlagzeug, Harfe und Klavier, untermalt am Montagabend die Geschichte um den Jazz-Musiker Sebastian (Ryan Gosling) und die junge Schauspielerin Mia (Emma Stone).

Rund hundert Musiker spielen beinahe ohne Pause den Soundtrack zum Film, der auf Großleinwand läuft – punktgenau und imposant. So genau, dass man manchmal vergisst, dass auf der Bühne des Tempodroms ein Orchester sitzt. Einzig in dem Moment, als Mia keine Lust hat auszugehen und von ihren von ihren Mitbewohnerinnen überredet wird mitzukommen, schwillt die Dynamik so sehr an, dass man kaum noch ein Wort versteht. Das ist aber gar nicht schlimm, verstärkt es doch die Emotionen und kommt es in diesem Moment nicht auf den genauen Wortlaut an.

„Man kann den Film auf der Leinwand verfolgen oder aber den Musikern zusehen“, sagte Komponist Hurwitz vorab. Er hat einige Jahre an der Komposition der Filmmusik gearbeitet. Regisseur Damien Chazelle und der Komponist kennen sich bereits aus dem Studium in Harvard, wo sie gemeinsam in einer Band spielten und sich später auch ein Zimmer teilten. Angeregt durch ihre gemeinsame Liebe für das französische Filmmusical „Die Regenschirme von Cherbourg“ unterbrachen die beiden ihr Studium und drehten 2009 ihr erstes gemeinsames Projekt, das Jazz-Filmmusical „Guy and Madeline on a Park Bench“. Chazelle übernahm das Drehbuch und Regie, Hurwitz die Filmmusik, wie auch bei „La La Land“. Bereits für dieses Projekt erhielten sie zu ihrer eigenen Überraschung mehrere Filmpreise und eine Einladung zum Tribeca Film Festival.

Die Genauigkeit, mit der die Solisten an Klavier und Trompete einsetzen, ist beeindruckend. Erst bei genauem Hinschauen fällt auf: Dirigent Krystof Marek hat einen kleinen Bildschirm über seinem Notenpult, auf dem der Film läuft. Immer auf den ersten Schlag wird ein ovaler, weißer Kreis eingeblendet, ein visuelles Metronom. Zusätzlich haben die Stimmführer Kopfhörer, um die Original-Filmmusik mitzuhören. Zu den Stimmen von Emma Stone, Ryan Gosling und John Legend geht der Chor manchmal ein wenig unter, zumal man ihn auf dem Parkett sitzend kaum sehen kann. Ähnlich ergeht es einem leider mit dem Klavier. Es ist das Instrument, was eigentlich im Zentrum des Films steht, aber leider so sehr im Hintergrund steht, dass man es – zumindest von der rechten Seite aus gar nicht sehen kann. Das ist höchst bedauerlich. Bereits in der Pause verlässt ein Teil des Publikums den Saal, ein Paar hätte sich eine aufregendere Inszenierung gewünscht, ein anderes hatte mit einem Musical gerechnet.

Im zweiten Teil wird weiter gesungen, getanzt, gezweifelt. Insbesondere das Schlagzeug erregt die Aufmerksamkeit, ist es beinahe im Dauereinsatz und geprägt von mitreißenden Rhythmen. Durch die musikalische Untermalung gewinnt der Film zusätzlich an Stimmung. Dennoch lassen sich Ryan Gosling und Emma Stone nicht die Show stehlen, einzig zum Abspann gehört die Aufmerksamkeit ganz den Musikern des Symphonieorchesters.