Hauptrolle Berlin

Ein Platz, der erst zur Heimat und dann zum Film wurde

Matti Geschonneck zeigt im Zoo Palast noch einmal „Boxhagener Platz“. Und erklärt, warum man den Platz im Film gar nicht sehen kann.

Regisseur Matti Geschonneck (M.) mit Hauptdarsteller Samuel Schneider (r.) und Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast

Regisseur Matti Geschonneck (M.) mit Hauptdarsteller Samuel Schneider (r.) und Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast

Foto: Joerg Krauthoefer

Seinen Film „Boxhagener Platz“ hat Matti Geschonneck, als der 2010 herauskam, einen „Berliner Heimatfilm“ genannt. Aber Heimatfilm, da muss man an Silbersee, Schwarzwald, 50-erJahre-Kitsch denken, vor allem aber an Provinz. Schließt sich Berlin und Heimat nicht aus? Das wollen wir wissen, als der Regisseur seinen Film am Dienstagabend im Zoo Palast noch einmal in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ vorstellt. Aber da pariert Geschonneck ganz schlagfertig mit berlinischem Witz: Berlin sei ja oft genug auch Provinz, das schließe sich gar nicht aus.

Geschonneck, Jahrgang 1952, ist selbst am Boxhagener Platz aufgewachsen, das sei eben seine Heimat gewesen. Und über die hat er diesen Film nach dem gleichnamigen Roman von Torsten Schulz gedreht.

Auch dass sein Film zwar „Boxhagener Platz“ heißt, der Platz aber im Film gar nicht gezeigt wird, erklärt er salopp: Der Film spielt 1968, 40 Jahre später sah er aber ganz anders aus. Und es brauche auch nicht zwingend Berliner Kulissen, es müssten nur stimmige Berliner Figuren und Geschichten sein.

Ein Stück eigene Jugend

Geschonneck kommt nicht allein an diesem Abend. Er bringt auch Samuel Schneider mit, den Hauptdarsteller des Films. Der war damals 14, jetzt ist er 22. Er hat den Film lange nicht gesehen, das mache jetzt bestimmt etwas mit ihm, sich noch mal so jung zu sehen. Es macht auch was mit ihm, noch mal „neben Matti“ zu stehen.

Und jetzt erst versteht der Schauspieler, warum er so ganz anders spielen sollte, als er sich damals gab - und wie ja eigentlich auch die Romanfigur beschrieben war. Geschonneck hat damit eben auch ein Stück eigene Jugend beschrieben, der Holger des Films hat viel mehr mit dem Regisseur zu tun als mit Torsten Schulz, dessen Roman ja auch irgendwie biografisch war.

Als nächstes wird in der Filmreihe am 6. Februar „Nachtgestalten“ gezeigt, dann ist Regisseur Andreas Dresen zu Gast.

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