Charlottenburg

Nach Wasserschaden: Deutsche Oper öffnet wieder

Glück im Unglück: Nach dem Wasserschaden kann die Deutsche Oper wieder öffnen – allerdings vorerst nur mit deutlichen Einschränkungen.

Gelbe Heizlüfter trocknen die Bühne der Deutschen Oper Berlin

Gelbe Heizlüfter trocknen die Bühne der Deutschen Oper Berlin

Foto: Gregor Fischer

Tage wie diese sind der Super-GAU für jede Bühne. Aber am Mittwochmittag, 12 Uhr, konnte die Deutsche Oper eine erste gute Nachricht vermelden. Der eiserne Vorhang ließ sich bewegen und konnte vorsichtig hochgezogen werden. Später gelang es dann auch noch, gewisse Züge – die man von Hand herabgelassen hatte, um die Schweinwerfer zu retten – wieder nach oben zu bewegen. Die Bühne war damit frei. Und gegen 17 Uhr konnte das Haus an der Bismarckstraße schließlich vermelden, dass ab dem heutigen Donnerstag die ersten Vorstellungen zumindest halbszenisch stattfinden werden.

Halbszenisch: Das bedeutet, die Künstler werden in Kostüm und Maske spielen, es werden auch einige Dekorationen auf der Bühne stehen. Aber die volle Bühnentechnik ist noch nicht einsatzbereit und die Bühnenbeleuchtung improvisiert. Wer die Vorstellung in dieser Form nicht erleben möchte, der bekommt natürlich sein Ticket rückerstattet. Aber, so tröstet sich Thomas Fehrle, der Geschäftsführende Direktor des Hauses, man biete damit zumindest „ein einmaliges Erlebnis, das man so auch nicht wieder bekommt“. Für jeden Zuschauer gibt es überdies ein Glas Sekt gratis. Das Haus kann damit zumindest ein wenig aufatmen. Und der Vorverkauf, der einstweilen bis Silvester ausgesetzt war, wurde wieder aufgenommen.

Einnahmeverluste, Sach- und Imageschaden

Wie berichtet fiel bei der Deutschen Oper Weihnachten ins Wasser. Und zwar buchstäblich. Vermutlich wegen eines technischen Defekts wurde an Heiligabend die Sprinkleranlage ausgelöst, Tausende Liter Wasser haben die 560 Quadratmeter große Bühne überflutet. Am ersten Weihnachtstag mussten daher zwei ausverkaufte Vorstellungen von „Der Nussknacker“ abgesagt werden, am zweiten Weihnachtstag „Der Barbier von Sevilla“, am Mittwoch sowohl die Matinee „Welcome to Town“ der Ballettschule des Staatsballetts als auch die Abendvorstellung der „Zauberflöte“.

Es gab aber auch Glück im Unglück. Da der eiserne Vorhang vorschriftsmäßig heruntergelassen war, ist kein Wasser in den Orchestergraben oder gar in den Zuschauersaal eingedrungen. Auch Dekorationen oder Bühnenbilder wurden nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Am Mittwoch ist Thomas Fehrle mit Fachleuten durch sein Haus gegangen und hat eine erste Bestandsaufnahme des Schadens vorgenommen. Das war über die Feiertage nur schwer möglich, denn da ging es erst mal um eins: trocknen und lüften, mit Ventilatoren, Entfeuchtern und Heizlüftern. Was die Sprinkleranlage ausgelöst hat, ist bislang noch völlig unklar. Erst mal wurde Anzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. Nun wird ermittelt, ob wegen eines technischen Defekts, aus Fahrlässigkeit oder gar aus Vorsatz.

Auch über die Höhe des Schadens, so Fehrle, könne man noch nichts sagen. Es geht ja auch um ganz unterschiedlichen Schaden. Da ist natürlich der Einnahmeverlust. Pro Vorstellung muss man mit gut 100.000 Euro rechnen. Glücklicherweise verfügt die Deutsche Oper aber – das hat nicht jedes Haus – über eine Betriebsausfallversicherung. Fehrle hat auch schon mit der Versicherungsmaklerin gesprochen und hofft, dass da kein allzu großer finanzieller Schaden hängen bleibt.

Erst in den letzten Jahren viel in die Beleuchtung investiert

Dann ist da noch der Sachschaden. Sachschäden seien zwar generell versichert. „Aber da lässt sich noch gar nicht absehen, was da alles zusammenkommt.“ Betroffen seien die Ober- und die Untermaschinerie, der Bühnenboden, die Kommunikations- und Datentechnik und die Beleuchtungstechnik. Allein 300 Scheinwerfer sind vollgelaufen, davon 150 Moving-Lights, die gut 12.000 Euro kosten. Das ist umso bitterer, weil man in diesen Bereich in den letzten Jahren kräftig investiert hat. Und beim Bühnenboden wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen, wie sehr das Holz aufquillt und ob man gar den kompletten Boden ersetzen muss.

Und dann ist da natürlich auch noch der Imageschaden. Fehrle tut es vor allem um die vielen Gäste leid, die sich zu Weihnachten hier schöne Stunden machen wollten. Einen Großteil des Publikums konnte man immerhin über die Medien, soziale Netzwerke und persönliche E-Mails erreichen. Aber 200 bis 300 Gäste pro Vorstellung kamen halt doch völlig unvorbereitet.

Viel Mitgefühl und Solidarität vom Publikum

Fehrle hat selbst im Foyer gestanden, um die Gäste aufzuklären, Intendant Dietmar Schwarz wollte es gestern Abend ebenfalls tun. Natürlich gab es viel Enttäuschung. Aber das Verständnis sei auch groß gewesen. Einige Gäste hätten sogar spontan gefragt, ob sie helfen könnten. Wie auch viele Mitarbeiter des Hauses, die gar keinen Dienst gehabt hatten, sofort gekommen sind, um mit anzupacken. Das sei, tröstet sich Fehrle, eine Besonderheit dieses Hauses: die hohe Solidarität. Von Mitarbeitern wie vom Publikum.

Dass nun zumindest halbszenisch gespielt wird, hat die Laune im Haus sprunghaft erhöht. Doch noch weiß niemand, wie lange die Oper improvisieren muss. In der Staatsoperette Dresden etwa wurde erst im Oktober die Bühne überflutet. Das Haus blieb über Wochen geschlossen. Zurzeit wird immerhin ein Notbetrieb auf der Vorbühne gefahren. Mit der Wiederaufnahme des regulären Spielbetriebes wird aber erst im Februar gerechnet.

Wer seine Tickets von der Deutschen Oper rückerstattet bekommen möchte, kann dies mittels eines Formulars auf der Website www.deutscheoperberlin.de tun. Informationen gibt es auch beim telefonischen Kartenservice unter 34 38 43 43.

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