Kultur

Karussell der gierigen Erbschleicher

Lustvoll albern: „Mosca und Volpone“ mit Dieter Hallervorden im Schlosspark Theater

Vorhang auf, schmissiger Jaques-Offenbach-Sound rauscht los, und das komplette Ensemble stürzt auf die Bühne. Schleppt einen Thespiskarren herein wie einst das fahrende Spielvolk. Und steht stramm vor Dieter Hallervorden zum Appell. Das freut den stolzen Prinzipal, der seine Truppe präsentiert, Witze reißt, dem Saal verkündet, was nun folgt. Schon toll, dieser launige Einstieg in ein, um es gleich zu sagen, hinreißend lustvolles, eloquent geistreiches, auch mal ungeniert albernes Spiel mit Ben Jonsons rüder Gangster-Satire "Volpone" von 1605. Einer zünftig elisabethanischen Commedia mit klarer Moralansage und zynisch pessimistischer Grundhaltung.

Doch halt! Der Prinzipal entschied sich für die Bearbeitung des grausamen englischen Lügenspiels durch Stefan Zweig. Der verfeinerte Jonsons grob gossige Sprache, hellte den Pessimismus auf, schwächte das Zynische, Rüde, Grausame. Und verpasste seiner veredelten Neufassung von 1926 den Titel: "Mosca und Volpone. Eine lieblose Komödie".

Damit ist klar: Knecht Mosca ist hier der Star, nicht mehr sein Herr, der steinreiche, kinderlose venezianische Kaufmann Volpone, ein ältlicher Junggeselle, der aus aasiger Lust seinem Diener befiehlt, eine Schar gieriger Mitbürger zu foppen, indem er jedem testamentarisch sein Erbe verspricht und sich todkrank stellt. Außerdem steckt im Untertitel der vornehme Verweis aufs Komödiantische, Poetische. Also etwas weg von Jonsons elisabethanischem Krachbums.

Regisseur Thomas Schendel inszenierte mit elegant leichter Hand ganz im Geist des großen Autors aus Österreich und schmeckte die Chose musikalisch noch ab mit schwungvollem Klassik-Sound. So kam das Karussell egomanischer Erbschleicher gehörig ins Kreiseln mit Oliver Nitsche, Thomas Schendel, Jonathan Kutzner, Karsten Kramer, Anja Gräfenstein, Franziska Troegner, Georg Tryphon. Diese irren, dämlichen, grotesk verlogenen Typen kämpfen gegenseitig mit harten Bandagen; sind sich nur einig beim kollektiven Veitstanz ums goldene Kalb: dem Reichtum verheißenden Fake-Testament Volpones.

Dieter Hallervorden als Mosca tänzelt lässig und frech dazwischen als kecker Luftikus. Ein kreativ durchtriebener, gewitzter, freilich immer wieder katzbuckelnder, aber auch skrupulöser Intrigen-Meister wider Willen im Auftrag seines Chefs. Bosheit ist ihm kein Lebenselixier! Im Gegensatz zu Mario Ramos als herrischem Volpone, dem Ekelpaket auf dem stinkenden Misthaufen übelster Niedertracht. Er wird uns zur Abschreckung, als Spiegel, aber auch zum Amüsement vor die Nase gesetzt.

Zu guter Letzt glühen bunte Lichterketten. Und auf Moscas erbaulicher Schlussrede über Gerechtigkeit keimt bei allen die Hoffnung auf ein womöglich doch liebevolles Leben. Das dankbare Publikum ist begeistert.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz. Tickets: 789-5667-100. Nächste Termine: 11.–14. Januar 2018, 13.–18. Februar 2018

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