Berlin feiert Marilyn Manson im Velodrom

Peter E. Müller
Marilyn Manson bei seinem Auftritt am 16. November 2017 iun Hamburg

Marilyn Manson bei seinem Auftritt am 16. November 2017 iun Hamburg

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Der US-Horror-Rocker tritt mit brachialem Sound im Rollstuhl auf - begleitet von zwei Krankenpflegern.

Berlin. Der Fürst der postmodernen Finsternis hält Hof – und das Velodrom ist am Sonnabend bis auf den letzten Platz ausverkauft, als US-Horror-Rocker Marilyn Manson grell geschminkt und in einer bizarren Rollstuhlkonstruktion die Bühne entert.

Nachdem „The End“ von den Doors vom Band den Abend eingeleitet hat, eröffnen Manson und seine vier Musiker um 21.15 Uhr mit „Revelation #12“, dem Eröffnungssong der gerade erschienenen neuen Platte „Heaven Upside Down“, eine Inszenierung voller Schmerz, Aggressivität und Düsternis. Die Bühne wirkt fast ein bisschen verloren in der großen Ufo-Halle.

Manson schreit und singt und kreischt zu Beginn aus gutem Grund im Sitzen: Ende September hatte sich der 48 Jahre alte Rockmusiker bei einem Konzert in New York das Bein gebrochen. Er hat seine Liveshow dementsprechend angepasst, rollt über die Bühne oder krallt sich an das Mikrofonstativ, als wäre es eine Krücke. Zwei Krankenpfleger in Chirurgenkluft und Mundschutz legen ihm eine Beinschiene an und stehen ihm stets zur Seite.

Gleißend weiße Lichtfinger krallen sich ins blutrote Bühnenlicht. Der Sound ist brachial und bestens. Jede Menge überraschend gelungene neue Songs gehören zum Tour-Programm wie „Kill4’Me“oder „Say10“.

Aber natürlich gibt’s auch Hits von „The Dope Show“ über „Sweet Dreams“ bis „Beautiful People“. Vor der Bühne wogt ein zuckendes Menschenmeer, das sich hörig den kantigen Stakkato-Riffs hingibt. Berlin feiert lautstark die Rückkehr eines fast schon verschollen geglaubten Pop-Povokateurs - auch wenn die Show mit gut 65 Minuten Dauer etwas kurz ist. Aber es gibt ja noch die Zugaben.