Geburtstag eines Großen

Barenboim wird 75 - Sieben Weggefährten gratulieren

Der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim feiert 75. Geburtstag. Sieben Weggefährten gratulieren.

Daniel Barenboim, geboren am 15. November 1942 in Buenos Aires, ist künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden. Ihm zu Ehren gibt die Staatskapelle Berlin heute um 19.30 Uhr ein Geburtstagskonzert in der Philharmonie. Zubin Mehta dirigiert, Barenboim spielt am Klavier

Daniel Barenboim, geboren am 15. November 1942 in Buenos Aires, ist künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden. Ihm zu Ehren gibt die Staatskapelle Berlin heute um 19.30 Uhr ein Geburtstagskonzert in der Philharmonie. Zubin Mehta dirigiert, Barenboim spielt am Klavier

Foto: Warner

Zubin Mehta:

"Daniel Barenboim steht schon seit langer Zeit auf einem Riesenpodest und ist unvergleichbar, ob er Beethovens Hammerklaviersonate spielt oder die Siebte Sinfonie von Gustav Mahler mit seiner blendenden Staatskapelle dirigiert. Ich kenne meinen Freund seit 1956 und die vielen Stunden, die wir gemeinsam ganz öffentlich auf dem Podium oder ganz freundschaftlich unter uns mit unseren Familien verbringen, ist immer eine Freude. Ich wünsche ihm noch viele glückliche Stunden voller Musik, ob er Schubert spielt oder Bruckner dirigiert. Ich umarme ihn von ganzem Herzen."

Zubin Mehta ist vielfach ausgezeichneter Dirigent.

Peter Raue:

"Alle Menschen, so denke ich, die Musik lieben, alle Menschen, die einen Mann verehren können, der mit nicht nachlassendem Mut für ein Ende der bitteren Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästina kämpft, müssen in den Glückwunsch-Freudes-Hymnus einstimmen für Daniel Barenboim. Wie viele herrliche musikalische Begegnungen verdanken wir ihm, dem Dirigenten, dem Pianisten. Die ,Ring'-Abende in Bayreuth und Berlin! Von den vielen Piano-Abenden bleiben mir seine Schubert-Sonaten (die nachgelassene B-Dur!) unvergessen. Und am meisten vielleicht hat Barenboim mich berührt, als er anlässlich eines der traditionellen 1.-Mai-Konzerte der Berliner Philharmoniker in Athen 2004 unter dem Dirigentenstab von Sir Simon Rattle das hinreißende Erste Klavierkonzert von Johannes Brahms spielte: das erste Zusammenspiel dieser beiden wunderbaren Musiker. Man spürte, mit welcher Hingabe Simon Rattle dem großen Pianisten (und Pultkollegen) zugehört, wie Barenboim in seinem Klavierspiel den Dialog mit seinem Kollegen geführt hat, sichtlich bewegt. Ich will insbesondere dem Menschen Barenboim gratulieren, ihm danken: Mit dem West-Östlichen Divan lebt er vorbildhaft den Dialog im Nahen Osten. Die Kritik an seiner politischen Haltung und seinen Auftritten, sie kommt immer wieder aus Israel und Palästina, interessiert ihn nicht. Seiner nicht nachlassenden Energie ist es zu verdanken, dass Berlin endlich einen traumhaft schönen, magischen, intimen Kammermusiksaal hat – den Boulez-Saal! Es gibt so viele Gründe, warum Berlin dankbar für das Glück sein muss, dass er seit 25 Jahren als Chef der Staatsoper dem Haus sein internationales Gepräge gab. Möge seine Gabe, Menschen zu verbinden und zu verzaubern, ihm und uns noch viele Jahre erhalten bleiben."

Peter Raue ist Kultur-Anwalt und Sammler.

Michael Naumann:

"Daniel Barenboim ist ein Herr seiner Möglichkeiten, und die sind immens. Gibt es einen anderen Musiker – ob am Piano oder auf dem Pult des Dirigenten –, der von sich sagen kann, mehr als 2000 Partituren zu beherrschen? Und das heißt nicht, sie gleichsam auswendig zu können. Vielmehr versteht er es, seine Sicht der Kompositionen – ob Schubert-Sonate oder Wagner-Oper – dem Publikum darzulegen, nicht aber aufzudrängen und zugleich dem Auftrag des Komponisten zu folgen, dem Werk die Treue zu halten. Aber was bedeutet eigentlich ,beherrschen'? Große Dirigenten und Pianisten herrschen nicht, sie dienen der Musik – und die hat keinen Reisepass. Im Gegensatz zu ihm. Er hat vier. Er ist Argentinier, Israeli, Spanier, Palästinenser – doch seit zwei Jahrzehnten ist er vor allem Berliner, der globalisierte Künstler, könnte man sagen, wenn er sich nicht allen Etiketten elegant zu entziehen wüsste. Seit fünf Jahren darf ich ihn bei der Arbeit beobachten. Der Spiritus Rector seiner nach ihm und Edward Said benannten Hochschule ist ein Pädagoge, dem es gelingt, binnen eines Vormittags ein etwas schläfriges Orchester in ein dynamisches Ensemble zu verwandeln, das seiner Metamorphose mit wachsendem Enthusiasmus zuhört. Dass wir hier einem 75-Jährigen gratulieren, ist insofern komisch: Für diesen Anlass ist Daniel Barenboim nicht wirklich geeignet – sein Elan ist jugendlich, seine Energie schier unerschöpflich. Ich behaupte, seinen Stil auch ohne Blick auf die Schallplatten- oder CD-Hülle zu erkennen: Nie sentimentalisch, stets vorwärtsdrängend, durchsichtig und immer wieder der Idee der Kompositionen verpflichtet. Hier musiziert ein ernster Humanist, der mit der Barenboim-Said Akademie eine Hoffnung verwirklicht hat, die über die verfahrene Situation im Nahen Osten hinausweist in eine bessere, harmonische Zukunft. Die Studierenden, hochbegabte junge Israelis, Ägypter, Syrer, Libanesen, Jordanier oder Tunesier werden nach vier Jahren in Berlin in ihre Heimat zurückkehren – Repräsentanten einer musikalischen Botschaft, die Daniel Barenboims Handschrift trägt."

Michael Naumann ist Rektor der Barenboim-Said Akademie.

Rolando Villazón:

"Ich habe viele Freunde, aber nur eine Hand voll wirklich enger Freunde. Zu meinem Glück gehört der große Maestro Daniel Barenboim dazu. Wären Humor, Philosophie, musikalische Entdeckungen, Loyalität und Ehrlichkeit Blumen, dann wäre der Garten unserer Freundschaft voll mit ihnen. Dieser Garten ist in meiner Seele einer meiner liebsten Plätze. Es verblüfft mich immer wieder, wie Maestro Barenboim die rationale Distanz zur Musik aufbringen kann, um sie genau so zum Klang zu bringen, wie sie gemeint ist – wie ein Maler, der einen Berg ansieht und jede Linie, jeden Baum erspüren kann. Aber dieser analytische Abstand hindert ihn nicht daran, auch der Wanderer zu sein, der zwischen den Bäumen spaziert. Mit dem Verstand sieht er ihn von Weitem, das Gefühl erkundet ihn aus nächster Nähe. Das ist einzigartig, eine Balance von Ästhetik und Gefühl. Das ist nicht perfekt, denn das Perfekte gibt es nicht. Es ist in seiner sehr eigenen, großartigen Weise barenboimhaft. Und wie er es in der Kunst hält, so hält er es auch im Leben. An diesem Tag tanze, singe, springe und feiere ich, weil es der Geburtstag eines Titanen ist, meines Freundes und Lehrers, des Maestros der Maestros. ¡Feliz cumpleaños, Daniel Barenboim!"

Rolando Villazón ist ein vielfach ausgezeichneter Operntenor.

Dietmar Schwarz:

"Der 14. Dezember 1978 war ein Tag, der schicksalhaft für Berlin werden sollte. Denn an diesem Tag trat Daniel Barenboim erstmals als Operndirigent in dieser Stadt auf, die nunmehr seit einem Vierteljahrhundert seine künstlerische Heimat geworden ist. Anlass war die Premiere der ,Hochzeit des Figaro' an der Deutschen Oper in der Inszenierung von Götz Friedrich. Auch wenn der Name Daniel Barenboim heute mit der Staatsoper Berlin verbunden ist, sind wir stolz darauf, dass seine Prägung als Operndirigent zu einem nicht geringen Teil hier bei uns an der Bismarckstraße stattgefunden hat: Hier dirigierte er bis Mitte der 80er-Jahre Kernwerke des Musiktheaters und leitete unter anderem die Neuproduktionen von ,Tristan und Isolde', ,Aida' und ,Fidelio'. Vielleicht waren diese Erfahrungen auch nicht ganz unschuldig an seinem Entschluss, 1992 nach Berlin zurückzukehren. Abgeschreckt haben wir ihn zumindest nicht. Und wenn er bei den Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag an seine Anfänge in Berlin zurückdenken sollte: Die ,Figaro'-Produktion, ein Schmuckstück unseres Repertoires, steht im Dezember wieder auf dem Spielplan. Der Dirigent der Premiere ist natürlich herzlich willkommen! Herzlichen Glückwunsch, Maestro!"

Dietmar Schwarz ist Intendant der Deutschen Oper Berlin.

Barrie Kosky:

"An meinem zehnten Geburtstag haben mir meine Eltern in Australien eine Aufnahme von Haydns und Boccherinis ­Cellokonzerten geschenkt. Jacqueline du Pré spielte den Solopart und das Orchester wurde von einem sehr jungen Daniel Barenboim dirigiert. Diese Aufnahme wurde zu einer meiner liebsten und meistgespielten. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich 40 Jahre später nicht nur in derselben Stadt wie Daniel leben, sondern auch in derselben Operncommunity arbeiten würde. Er ist eine Ikone, ein Kosmopolit. Ein Ausnahmekünstler! Am meisten schätze ich seine Fähigkeit, sich immer noch dafür zu interessieren, was andere Menschen tun, sagen oder spielen. Zudem beginnt er, Qualitäten eines weisen, charmanten, schalkhaften und mysteriösen kabbalistischen Rabbiners anzunehmen. Ich wünsche Dir Masel tov zu Deinem 75. Geburtstag, lieber Daniel, und viele weitere kreative Jahre als mein Berliner Schtetl-Rabbiner!"

Barrie Kosky ist Intendant der Komischen Oper Berlin.

Michael Blumenthal:

"Lieber Daniel, herzliche Glückwünsche zu Deinem 75. Geburtstag. Ich freue mich immer, meinen jungen Freunden zu einem Geburtstag gratulieren zu können. Dich an diesem Tag zu ehren, ist mir jedoch eine ganz besondere Freude und Ehre. Du hast unermesslich viel für die Musikkultur dieser Stadt geleistet und uns damit alle sehr bereichert. Und 'Deine' Musikakademie ist nun noch als ein Kronjuwel Deines Schaffens dazugekommen. Ein Leben lang hast Du die ganze Welt mit Deiner Kunst beglückt. Auch als Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit hast Du Dich immer mit großem Mut eingesetzt. Dafür bewundere ich Dich und dafür bin ich Dir dankbar. Ich grüße Dich und Deine Familie und wünsche Dir – und mir – noch viele weitere Jahre, Deine große Kunst genießen zu können."

Werner Michael Blumenthal war bis 2014 Direktor des Jüdischen Museums Berlin.

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