Humboldt-Box

Fotografin Gabriele Oestreich streichelt Promis mit Licht

Vor der Kamera von Fotografin Gabriele Oestreich alias Gabo zeigen Prominente ihr wahres Gesicht. Ein Gespräch.

Schauspieler Peter Ustinov und Moderatorin Verona Pooth

Schauspieler Peter Ustinov und Moderatorin Verona Pooth

Foto: GABO / BM

Gabriele Oestreich hat darum gebeten, das Interview am Telefon zu führen. Vor der Vernissage zu ihrer Ausstellung „Fame presented by Lumas“ an diesem Sonnabend hat die Fotografin, die unter dem Künstlernamen Gabo bekannt ist, eine Sommergrippe erwischt. Seit den 80er-Jahren hat sich die 56-Jährige mit Porträts von Schauspielern, Musikern und Politikern einen Namen gemacht. Parallel zur Art Week ist in der Humboldt-Box am Schlossplatz nun eine Auswahl ihrer Bilder zu sehen.

Sie bleiben Berlin bis zur Vernissage fern? Ihre Vorwahl verrät, dass Sie nicht in der Stadt sind.

Gabo : Ich wohne schon eine Weile im Norden Berlins. Auf dem Land, mit einem Wald hinter dem Haus. Man kann sagen, ich habe hier meinen Ponyhof und lebe ein buntes Pippi-Langstrumpf-Leben. Die Nähe zur Stadt war mir allerdings immer wichtig. So habe ich immer einen Fuß in der Society, aber nur, wenn ich es gerade ertrage.

Sie haben im Laufe Ihrer Karriere Politiker wie Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Helmut Schmidt fotografiert. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie derzeit die Porträts auf den Wahlplakaten anschauen?

Ich denke, sind die doof, warum haben sie dafür nicht mich gebucht? (lacht) Die Fotos sind leider oft schlecht ausgeleuchtet oder übermäßig retuschiert. Ich finde, man kann mit einem guten Foto einen Kanzler machen! Allein mit dem richtigen Licht kann man beeinflussen, ob jemand sympathisch oder unsympathisch rüberkommt. Denken Sie nur an das bekannte Bild von Che Guevara, das ist eine Ikone, das wird für immer in uns bleiben. Ein gutes Porträt lohnt sich immer.

Glaubt man Ihrer Theorie, müsste also Christian Lindner das Rennen machen. Er hat sich für seine Plakate von Ihrem Kollegen Olaf Heine in Szene setzen lassen.

Ach ja? Ich muss gestehen, dass ich die Bilder gar nicht kenne, ich werde das gleich googeln. Bei mir sind die Wahlplakate alle übersprayt mit Gepöbel und Hitler-Schnurrbärten. Aber er ist damit natürlich gut beraten. Ich hatte im Vorfeld Vorgespräche mit den Grünen, aber es ist aus verschiedenen Gründen nicht dazu gekommen.

Sie fotografieren neben Politikern auch Schauspieler, Sportler und Musiker. Was ist dabei für Sie der größte Unterschied?

Viele Politiker haben Angst, zu viel von sich preiszugeben, sich angreifbar zu machen. Deshalb bekommt man von ihnen oft nur ein einstudiertes Gesicht. Das finde ich sehr schade, denn ich möchte doch die Persönlichkeit sehen. Gerhard Schröder habe ich beispielsweise mit einer Großbildkamera fotografiert, das war noch, bevor er Kanzler wurde. Durch die Größe sind diese Bilder super ehrlich, man geht sehr nah an den Porträtierten heran. Ich frage mich vor einem Shooting immer: Wo hat jemand seine Falten sitzen? Was erzählen sie mir? Bei Gerhard Schröder ist mir aufgefallen, dass einer seiner Mundwinkel eher nach oben, der andere nach unten zeigt.

Und die anderen?

Schauspieler sind toll zu fotografieren, weil sie auf Knopfdruck Emotionen abrufen können, die ich auf dem Bild sehen möchte. Sportler sind es häufig nicht gewohnt zu posieren, das erfordert mehr Einfühlungsvermögen. Und Musiker sind eben Rock ’n’ Roll, da sprechen die Gesichter für sich.

Wie sorgen Sie dafür, dass ein Mensch sich vor Ihrer Kamera wohlfühlt?

Mit guter Musik und einer tollen Location. Und ich versuche, die Menschen sie selbst sein zu lassen. Ich möchte sie nicht so fotografieren, wie die Öffentlichkeit sie sieht, ein Klischee zu bedienen, sondern mit einem ganz frischen Blick an die Person heranzugehen. Deshalb lese ich vorher auch möglichst wenig über jemanden. Ich möchte meinem Gegenüber gerecht werden, mit Licht verzaubern. Ich „liebe“ Menschen, so lange ich sie fotografiere.

Haben Sie schon mal ein Shooting abgebrochen, weil die Chemie nicht gestimmt hat?

Ganz am Anfang meiner Karriere. Das war ein Schauspieler, ich möchte aber nicht sagen, wer es war. Wir waren uns beide einfach unsympathisch, das machte keinen Sinn. Eric Clapton hatte bei unserem Shooting auch ganz furchtbare Laune und keine Lust. Aber auch so ein Gesicht will einmal raus. Die Fotos sind am Ende sehr spannend geworden.

Sie fotografieren Prominente auch für den „Playboy“. Was sind die besonderen Herausforderungen eines Aktshootings?

Man muss dafür sorgen, dass die Porträtierten ihre Hemmungen verlieren. Meist sind es Frauen und wir haben alle unsere Makel. So werden wir zu Schwestern, und ich verrate sie nie. Ich streichle sie mit schönem Licht und setze auf Sinnlichkeit.

Campino wird bei der Vernissage die Eröffnungsrede halten. Warum er?

Er ist ein Teil meiner Familie, ich könnte mir keinen besseren für diese Aufgabe vorstellen. Er war fast sieben Jahre mein Lebenspartner. Er gehört einfach zu meinem Leben dazu, nicht nur, weil ich die Toten Hosen so häufig fotografiert habe.