Kultur

Liebe und Metal: Life Of Agony in Huxley’s Neuer Welt

| Lesedauer: 2 Minuten
Annika Weiß

Zig tätowierte Rockerarme strecken sich in die Höhe. Joey, der Gitarrist der Metal-Band Life of Agony, hat das Publikum aufgefordert, die Hände zu heben. Und die Zuschauer kommen der Bitte gerne nach. Ihr aktuelles Album „A Place Where There’s No More Pain“ ist im April erschienen. Die Pause zwischen diesem und ihrem vorherigen Album, das die Band 2005 auf den Markt gebracht hat, ist also ziemlich lang gewesen. Fans mussten häufig zittern. Denn mehrmals trennten die Bandmitglieder sich, um Solowege zu gehen. Doch auch nach der Wiedervereinigung 2014 blieb es still um die Band. Umso größer ist die Freude an diesem Abend, dass Life Of Agony doch endlich wieder zusammen auftreten, in Huxley’s Neuer Welt.

Statt oberflächlicher Popstücke gibt es an diesem Abend melancholische und düstere Songs. So fragt sich Frontsängerin Mina Caputo in „A Place Where There’s No More Pain“, wie viel Schmerz sie aushalten kann, bevor die zerbricht. Caputo weiß, wovon sie da singt. Die als Kieth Caputo geborene Sängerin bekannte sich erst 2011 dazu, transsexuell zu sein. Jahrelang fühlte sie sich gefangen im falschen Körper. In einem Musikgenre, in dem Männlichkeit und Härte so gern zur Schau gestellt werden wie im Metal- und Hardrockgenre, ist ihr Outing besonders mutig. Doch im Gegensatz zu ihren schwermütigen Texten flirtet Caputo fröhlich mit dem grölenden Publikum. Sätze wie „Berlin, du bist so schön“ oder „diese Liebe hier, danke“ ruft sie häufig. Dabei stellt sie sich auf den Verstärker am Bühnenrand, um den Zuschauern noch näher zu kommen. Die recken Ellenbogen und Fäuste in die Luft, schwingen die Köpfe, und tanzen. So sehr, dass der Boden vibriert. Und man hofft, dass er diese stapfenden Menschen trägt. Aber zum Glück hält die Statik.

( Annika Weiß )