Kultur

"Die schöne heile Kunstwelt gibt es nicht"

Kunst und Geld – eine Ausstellung im Haus am Lützowplatz stellt Fragen zum Wert der Kunst

Auf zwei Podesten stehen die Modelle eines schnittigen Schnellbootes und einer Megayacht der italienischen Luxusfirma Riva. In dem Firmenvideo dahinter preist ein professioneller Verkäufer die beiden Schiffe an. 500.000 Euro soll das Speed-Boot kosten, 65 Millionen Euro die Megayacht. Zahlt man für Ersteres 625.000 Euro, würde es "Christian" getauft und wäre ein echtes Werk von Christian Jankowski, Jahrgang 1968. Für die Megayacht müssten 75 Millionen Euro berappt werden, damit sie den Namen "Jankowski" erhält und ebenfalls zum Kunstwerk avanciert.

Mit dieser Arbeit, die 2011 erstmals auf der Londoner Kunstmesse Frieze aufgeführt wurde, macht Jankowski mit schelmischem Augenzwinkern eines deutlich: Hier geht es um das ganz große Geld. Und um Kunst natürlich.

Darum geht es auch im Haus am Lützowplatz, wo Jankowskis Arbeit nun zu sehen ist, als das teuerste Kunstwerk in der Ausstellung "Transaktion". Diese setzt sich mit der unheiligen Allianz zwischen Kunst und Geld auseinander. Mit viel Ironie werfen die dort versammelten Arbeiten ein Licht auf die zumeist nach außen hin unsichtbaren Mechanismen des Kunstmarktes, die bestimmen, welche Künstler reüssieren, welche Karrieren Erfolg haben. Für Kurator Marc Wellmann, der auch Leiter des Hauses ist, war die Ausstellung eine Herzensangelegenheit: "Wer die Kunst unschuldig betrachtet, belügt sich selbst", sagt er. "Die schöne heile Kunstwelt gibt es nicht. Man sollte sich immer bewusst machen, dass handfeste Marktinteressen dahinterstehen."

Gleich neben Christian Jankowski hängt eine gerahmte Lebensmittelquittung zu 9 DM und ein paar Pfennigen aus dem Jahr 1992 von Thorsten Goldberg, der diese Readymades zum Preis auf dem Beleg vor Jahren verkauft und damit seine Lebenserhaltung finanziert hat. Sein Kunstwerk verweist auf die nackte Existenz des Künstlers, die als Voraussetzung für seine Arbeit erst einmal gesichert sein will.

Präsenz ist im Kunstmarkt alles und oft müssen die Künstler dafür bezahlen. Der Kanadier Joshua Schwebel hat über eine Ausschreibung dem Künstler Jonas St. Michael für seine Porträtaufnahmen von indonesischen Bettlern und Tagelöhnern einen Raum für die Zeit der Ausstellungsdauer vermietet. Dazu wiederum berechtigt ihn ein Vertrag mit dem Haus am Lützowplatz.

Auf dem globalen Markt ist so etwas gängige Praxis und mancher Teilnehmer einer begehrten Biennale muss dafür viel Geld berappen. Das verdeutlicht: Hinter erfolgreicher Kunst stehen zumeist subtile kapitalistische Mechanismen. "Das System hat sich in den letzten Jahrzehnten etabliert, daran wird sich so bald auch nichts ändern", schätzt Marc Wellmann die Zukunft des Kunstbetriebes ein. "Umso wichtiger ist es, die Mechanismen zu kennen."

Ganz wunderbar ist auch das Video der Finnin Pilvi Takala, Jahrgang 1981, die 2008 für vier Wochen als Praktikantin in einer Firma tätig war. In Absprache mit der Geschäftsleitung tat sie während der gesamten Zeit nichts. Einen Tag etwa vertrödelte sie im Aufzug. Wurde sie von Mitarbeitern gefragt, was sie tue, sagte sie nur "Brainwork", also nachdenken. Das löste Irritation und wütende Briefe an die Geschäftsleitung aus, die nun Teil des Werkes sind. Wie wertvoll ist Gedankenarbeit, ist die Frage dahinter. Die Ausstellung zeigt also viele Aspekte des Verhältnisses von Kunst und Geld und umkreist humorvoll die kapitalistischen Auswüchse des Kunstmarkts.

Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, Di.–Sbd. 11–18 Uhr, bis 20. August

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