Kultur

Junge Musiker zu Gast am Gendarmenmarkt

Young Euro Classic Festival startet morgen im Konzerthaus

„So viel Experimentierfreude und Abenteuerlust hatten wir selten bei Young Euro Classic“, freut sich Festivalleiterin Gabriele Minz. Von Donnerstag an bis zum 3. September beleben Jugendorchester aus aller Welt das Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Und tatsächlich, ein Blick ins Programm verrät, dass es diesmal besonders bunt zugeht. Da gibt es am kommenden Sonntag den multimedialen Abend „Märchen und Helden“, zu dem das Bundesjugendorchester einen Cartoonisten mitbringt, der live zur Musik seine Ideen aufs Papier wirft. Einen Tag später unternimmt Hugo Ticciati, der Bruder des neuen Chefdirigenten des Deutschen Symphonie-Orchesters, eine musikalische Reise vom Baltikum bis nach Indien, von der Ostsee zum Himalaya, wo Okzident und Orient zusammenwachsen sollen. Die Special Night „Solo für Himmelsstürmer“ am 22. August bildet einen großen Improvisationsraum, der anatolische Weisen mit Franz Schubert vereint.

Von „Aufbruchsstimmung“ ist bei der Pressekonferenz am Dienstag die Rede. „Junge Musiker suchen nach ihrem eigenen Profil und setzen dabei neue Impulse. Sie mischen das gesamte Musikleben auf“, meint Dieter Rexroth, der künstlerische Leiter von Young Euro Classic. „Wir haben natürlich auch Dirigenten mit großartigen Ideen wie Andrey Boreyko, Ingo Metzmacher und Christoph Eschenbach.“ Nicht nur die spannende Programmdramaturgie, auch der gesellschaftspolitische Anspruch ist in diesem Jahr stark vertreten. Die morgige Festival-Ouvertüre feiert die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China mit einem Kammermusikprojekt. Chor und Orchester der Elisabeth University of Music in Hiroshima erinnern am 26. August an die Schrecken der Atombombenabwürfe. Die Nationale Jugendphilharmonie der Türkei lädt am 28. August vor ihrem Konzert zum „Demokratie-Labor“ ein, bei dem es um „Musikalische und kulturelle Identität in streitbaren Zeiten“ geht. „Wo finden wir eine gemeinsame Sprache und geheime Verwandtschaften?“ fragt sich die deutsch-türkische Komponistin Sinem Altan, die zwischen beiden Welten pendelt. „Es gibt Sorgen, aber auch Mut und neue Wege in den Köpfen der jungen Menschen.“ Manchmal spielt die große Politik dem Festival in die Hände. Schon im Vorfeld von Barack Obamas Besuch in Kuba entstand die Idee des Cuban-European Youth Orchestra, das den Orchesterreigen am 3. September beschließt.

Traditionsreiche, vom musikalischen Standard schon professionelle Ensembles wie das Schleswig-Holstein Festival Orchester und das Gustav Mahler Jugendorchester treffen auf nationale Jugendorchester aus Moldau, Portugal und Frankreich. Zum ersten Mal ist das Asian Youth Orchestra mit dem Geiger Vadim Repin als Solisten geladen. Insgesamt kommen 1300 Musiker im Alter zwischen 14 und 28 Jahren nach Berlin.

An den grundsätzlichen Strukturen von Young Euro Classic hat sich nichts geändert. Der Auftritt des Bundesjugendballetts und Nils Landgrens Projekt „Klassik meets Jazz“ sind lieb gewonnene Nebengleise. Prominente Paten unterstützen „ihre“ Orchester. Jedes Ensemble wird gebeten, nicht nur klassisch-romantisches Repertoire, sondern auch Neue Musik aus dem Heimatland mitzubringen. Die Anzahl der Ur- und Erstaufführungen ist in den 18 Festivaljahren auf stattliche 218 angewachsen. Um den jedes Jahr ausgelobten Europäischen Komponistenpreis bewerben sich diesmal Komponisten aus der Türkei, China, Portugal, Deutschland und Spanien.