Kultur

Burkhard Glaetzner und der gute Ton

Der vom Landesmusikrat gewählte Schirmherr für die Oboe will deren Klang zum Kulturgut machen

Der Landesmusikrat Berlin hat den Schirmherren für das Instrument des Jahres mit Bedacht gewählt. Burkhard Glaetzner könnte der Mann sein, der noch in fortgeschrittenem Alter und zwei Jahre nach seiner Emeritierung als Oboenprofessor der Universität der Künste das Image des Oboespielens schärft und verändert – weg vom i-Tüpfelchen auf dem spätromantisch rauschenden Orchesterklang, hin zu einer Kulturtechnik, die klanglich auf Herz und Verstand und somit auch gesellschaftlich wirkt.

Der mal zarte, mal schneidende Ton der Oboe: Glaetzner möchte ihn als Kulturgut begreifen, das alte und moderne Inhalte gleichermaßen umfasst. Dafür hat er bereits als Professor gekämpft. Ja, gekämpft. Denn nicht nur die Kollegen, sondern auch die jungen Studierenden sahen das nicht immer so. „Viele Oboisten aus Orchestern hatten – und haben – lediglich das Interesse, dass die Schüler im gleichen Stil spielen können wie sie selbst, um sie als Nachwuchs fürs Orchester heranzuziehen.“

„Die Oboe gibt den Ton an“ – mit dem griffigen Spruch spielt der Landesmusikrat natürlich auf den Kammerton an, den der Solo-Oboist eines Orchesters vor jedem Konzert allen Musikerkollegen gibt. Glaetzner ging es trotz seines frühen Leipziger Orchesterjobs immer schon auch um das kreative Oboespielen jenseits des Orchesterkollektivs: um neue Klangwelten, auch Spaltklänge auf dem zuweilen störrisch näselnden Instrument.

Die Oboe hat sich nur im Bewusstsein eines breiteren Publikums seit dem Barock kaum verändert – Glaetzner dagegen ist sich sehr wohl bewusst, welche baulichen Neuerungen er selbst veranlasst hat, um ungewohnte Klänge hervorzulocken.

Der 74-Jährige ist bei der Idee, für die Oboe zu werben, sicherlich ein Anwalt der Feinsinnigen, kein Populist. Man müsse realistisch bleiben, sagt Glaetz­ner: „Die Oboe zu einem Volksinstrument zu machen, halte ich für absurd.“ Ein selbstverständlicher Teil von Schul-Big-Bands werden Oboisten wohl nicht werden. Das steht jedoch nicht den zahlreichen Aktivitäten in Schulen und Musikschulen im Weg, die in diesem Jahr von den Landesmusikräten Berlin und Schleswig-Holstein durchgeführt werden – im Gegenteil. Am Ende kann der feine Ton, den Profis auf dem Instrument hervorzaubern, den Sinn für die Subtilitäten sehr alter und sehr neuer Musik jenseits des klassisch-romantischen Mainstreams fördern. Gerade in den zahlreichen Berliner Orchestern, das ist Glaetzner wichtig, gibt es Botschafter für das Instrument zur Genüge, die das Instrument in diesem Jahr Schülern vorstellen können.

Gegen einen falschen Kult um das Oboespielen indes ist Burkhard Glaetzner sehr empfindlich – Oboisten mögen die einzigen Musiker sein, die ihre Mundstücke in stundenlanger fitzeliger Kleinarbeit zurechtschnitzen. Glaetzner findet das ein bisschen albern. „Die Technik ist sehr weit. Die lässt man sich vom Fachmann bauen und kann man doch lieber eine Stunde länger üben.“