Kultur

"Das Land ist geteilt"

Randy Newman gehört zu den bedeutendsten Songschreibern. Nun legte er sein neues Album „Dark Matter“ vor

Ein Treffen mit Randy Newman bedeutet selbstverständlich ein Gespräch über US-Präsident Donald Trump und die Veränderungen, die in Nordamerika vor sich gehen. Aber auch um andere Präsidenten wie Wladimir Putin und John F. Kennedy und um Darwins Evolutionslehre ging es in dem Interview mit dem Sänger, Pianisten und Oscar-Gewinner, der seit 50 Jahren zu den bedeutendsten Songschreibern und kritischen Geistern der Popwelt gehört. Nun legte er sein neues Album "Dark Matter" vor.

Was bedeutet es für Künstler, wenn jemand wie Donald Trump Präsident wird? Kann man die Vorlagen, die Trump gibt, verwerten?

Randy Newman: Es herrscht gerade ein unglaublicher satirischer Boom. Aber nur eine Hälfte der Amerikaner findet das spaßig. Das Land ist geteilt. Selbst Freundschaften werden schwieriger. Die USA waren schon immer zwischen Liberalen und Konservativen geteilt, aber jetzt ist diese Kluft offensichtlich.

Der Schlüsselsong auf Ihrem neuen Album heißt "Great Debate". Da steckt viel über Trump drin, aber er wird nicht erwähnt.

Es geht um den Konflikt zwischen Glauben und Wissenschaft, den es schon vor Trump gab. Es gibt Leute in Nordamerika, die glauben nicht an Wissenschaft, nicht an die Evolution und auch nicht an den Klimawandel. Auch Trump glaubt nicht an die globale Erwärmung. Der Song erzählt von einer Debatte zwischen diesen beiden Seiten. Der Erzähler gibt vor, neutral zu sein, doch er steht auf der Seite der religiösen Eiferer. Am Ende gewinnt die Seite, die sich auf Gott und Jesus beruft, mit 3:0.

Es soll US-Bundesstaaten geben, in denen in der Schule Darwins Evolutionstheorie nicht gelehrt wird ...

Ja, man kann es kaum glauben. In Staaten wie Kansas werden beide Anschauungen unterrichtet, also Darwin und die Lehre vom "Intelligent Design". Sie besagt, dass die Evolutionslehre lückenhaft sei, an vielen Stellen müsse höhere Intelligenz in die Evolution eingegriffen haben. Was lächerlich ist.

Ist die Kluft zwischen gebildeten und ungebildeten Menschen in den vergangenen Jahren in den USA größer geworden?

Ja. Oder es ist offensichtlicher geworden. Nicht alle Leute, die Trump gewählt haben, gehen in die Kirche. Viele von ihnen sitzen sechs bis sieben Stunden vor der Glotze und schauen Nachrichten. Die rechten Medien haben ihnen plötzlich eine Stimme gegeben. Die anderen Sender berichten, was passiert ist, aber Fox interpretiert die News. Wer Nachrichten aus dieser Quelle bezieht, fängt irgendwann an, sie zu glauben.

Die sogenannten Fake News?

Ja. Fake News sind Lügen. Und davon gibt es bei Fox eine Menge. Die Trump-Anhänger glauben, was sie glauben und wir glauben, was wir glauben. Darüber wird nicht mehr diskutiert, und das ist verhängnisvoll. Ich bin sicher, dass die andere Seite falschliegt, aber sie ist sich genauso sicher. Da entsteht die Kluft.

Als Sie den aktuellen Song "Putin" geschrieben haben, wussten Sie da bereits von den Anschuldigungen gegen Trump in Bezug auf mögliche Verstrickungen mit Russland?

Nein. Ich habe den Song schon vor einigen Jahren geschrieben. Inspiriert haben mich damals Bilder, auf denen Präsident Putin mit freiem Oberkörper zu sehen ist. Es hat mich verblüfft, warum er das macht. Er ist sonst so kon­trolliert. Vielleicht wollte er sich fühlen wie Tom Cruise und Frauen beeindrucken.

Erwarten Sie eine Reaktion aus Russland?

Das Stück wurde dort veröffentlicht. Die Leute in Russland mochten den Song und das Video dazu. Keine Ahnung, ob sie die Satire, die da drinsteckt, mitbekommen haben. Es ist viel darüber auf Russisch geschrieben worden, ich warte auf die Übersetzungen.

Präsidenten scheinen Sie besonders zu interessieren. Auf "Dark Matter" gibt es auch ein Lied über John F. und seinen Bruder Robert Kennedy. Was hat Sie dazu inspiriert?

Es ging weniger um die Kennedys als vielmehr darum, dass ein älterer Bruder seinen jüngeren aufzieht.

Der kontert das aber mit der Bemerkung über die kubanische Sängerin Celia Cruz. Hatte JFK eine Affäre mit ihr?

Nein. (lacht) Das habe ich erfunden. Aber als die Rede auf Kuba kommt, ist Roberts erster Gedanke eine schöne Frau.

Ein weiterer Schlüsselsong auf "Dark Matter" heißt "It's A Jungle Out There". Haben Sie manchmal das Gefühl, in einem Dschungel zu leben?

Ich habe den Song für die Krimi-­Serie "Monk" geschrieben und für eine Figur, die voller Ängste steckt. Wenn man nicht gerade in einem Viertel mit viel Kriminalität wohnt, ist das Leben in Kalifornien nicht sehr gefährlich. Trump hat einen guten Job gemacht, indem er Leute verängstigt hat. Grenzbeamte zum Beispiel sind oft unfreundlich, weil sie nervös und unsicher gemacht worden sind. Diese Rhetorik erinnert mich an frühe Reden von Adolf Hitler. Er entwarf ein Feind­bild und benutzte dafür die Juden, bei Trump müssen dafür Einwanderer herhalten. Ich glaube, dass Trumps Berater Steve Bannon viele dieser Reden gelesen hat. Die Nazis haben Zeitungen benutzt, um Lügen zu verbreiten. Bannon macht das ebenfalls vorsätzlich.

Konzert: 16. Februar im Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Mitte

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