Film

George A. Romero, der Vater aller Untoten, ist tot

Er hat ganze Generationen von Kinogängern geschockt. Jetzt ist der Horrorfilmer mit 77 Jahren gestorben – und zwar ganz friedlich.

Eigentlich doch ein ganz netter Opa: George A. Romero, hier 2009 in Toronto, mit Fans in Zombiekostümen

Eigentlich doch ein ganz netter Opa: George A. Romero, hier 2009 in Toronto, mit Fans in Zombiekostümen

Foto: Darren Calabrese / dpa

Der Horrorfilm wird ja gern als etwas abseitiges Genre für Freaks belächelt. Und entsprechend in die Ätsch-Ecke gestellt. Dem entspricht, dass er lange nur als B-Movie kategorisiert wurde, als Werk also, das früher, als es noch Doppelvorstellungen gab, vor dem Hauptfilm lief. Aber da tut man diesem Genre unrecht.

Gerade weil es nur B-Movies waren, haben sich viele angehende Regisseure erst mal an ihnen ausprobiert. Spätere Filmemacher wie Quentin Tarantino sind davon nicht nur inspiriert, sondern regelrecht sozialisiert worden. Und dann war das B-Movie vor allem auch ein Experimentierfeld, um zu testen, wie weit man im Kino gehen kann. Wie weit man gegen herrschende Regeln verstoßen darf und gegen das, was man als guten Geschmack bezeichnet.

Zombies haben keine Lobby

George A. Romero gilt als Vater aller Zombies. Seine "Nacht der lebenden Toten" war 1968, vor fast einem halben Jahrhundert, der erste Film, der diese Form der Untoten auf die Leinwand brachte. Ein B-Movie, klar, ein Splatterfilm, auch das. Und man kann heute vermutlich gar nicht mehr ermessen, wie groß der Schock für das Publikum gewesen sein muss, als die schlurfenden, stöhnenden Kreaturen zum ersten Mal über ihre Opfer herfielen und sie zerfleischten.

Auch an Kunstblut wurde dabei nicht gespart, kübelweise kam es zum Einsatz. Trash pur, keine Frage. Aber Untote, das haben sie mit Aliens gemein, haben keine Lobby. Mit ihnen kann man alles anstellen. Und dabei auch einen Diskurs eröffnen über das Verhältnis zur Gewalt.

Sensationell erfolgreiches Debüt

"Die Nacht der lebenden Toten" war das Kinodebüt des damals gerade mal 29-Jährigen. Romero, in der New Yorker Bronx geboren, war von klein auf filmbegeistert und hatte schon mit 14 begonnen, Amateurfilme auf Super-8 zu drehen. Mit den "Lebenden Toten" wurde er schlagartig bekannt. Die Billigproduktion hatte gerade mal 114.000 Dollar gekostet, spielte aber über 30 Millionen ein.

Schon bald genoss Romero Kultstatus. Er blieb dem Horrorfilm treu, ließ auch immer wieder die Untoten los, in Werken wie "Zombie – The Dawn of the Dead" (1977), "Die Rückkehr der Untoten" (1990) oder "Diary of the Dead", sein letztes Regiewerk, das der Altmeister 2009 auf dem Filmfest von Venedig zeigte.

Sein Werk mag schmaler sein als das vieler Kollegen. Aber seine Wirkung war immens. Weil er in seinen Filmen eben immer auch ein düsteres Abbild des gegenwärtigen Amerika entwarf, "Dawn of the Dead" gar regelrecht als eine Art Endzeitvision für die westliche Zivilisationsgesellschaft konzipierte. Vor allem dieser Film löste eine wahre Horrorwelle aus und fand viele Nachahmer, die sich allerdings oft damit begnügten, Schund mit hässlichen Splatter-Effekten zu schaffen.

Ein friedliches Ende

Bei Romero war es immer mehr, Zivilisationskritik und auch Satire. Irgendwann gelang dem Zombie dann der Sprung in den Mainstream, wurde zum A-Movie und zum Serienstar im Fernsehen. Als schräge Metapher auf den degenerierten Menschen. All das ist Romeros Verdienst.

Nun ist der Filmemacher am Sonntag mit 77 Jahren gestorben. Und so ganz anders, als man das aus seinen Filmen kennt. In Toronto, seiner Wahlheimat, sei er friedlich im Kreis seiner Familie eingeschlafen, teilte sein Manager mit, nach "kurzem, aber aggressivem Kampf" gegen den Lungenkrebs. Im Sterbebett habe er noch die Musik seines Lieblingsfilms gehört. Und das war nicht etwa ein Gruselfilm, sondern "Der Sieger", eine 50er-Jahre-Romanze mit John Wayne und Maureen O'Hara. Das klingt wie ein letzter Romero-Gag.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.