Gendarmenmarkt

Bei Classic Open Air gibt es diesmal einen Geheimtipp

Das Open Air auf dem Gendarmenmarkt startet am 20. Juli seine fünf Sommerkonzerte. Es gibt viel Vertrautes und einen Geheimtipp.

Mario Hempel Pavel Kolgatin , Golo Berg, Angelika Milster und Gerhard Kämpfe

Mario Hempel Pavel Kolgatin , Golo Berg, Angelika Milster und Gerhard Kämpfe

Foto: Glanze/Berliner Morgenpost

Es ist beim Classic Open Air wie in jedem Jahr: Man schaut auf das mehrtägige Programm und die Künstlernamen und fragt sich, was wohl das Attraktivste ist, um einen Abend auf dem Gendarmenmarkt zu verbringen. Ansprechende Namen gibt es für fünf Festivaltage dieses Mal genügend.

Die große Senta Berger führt durch die "First Night" am 20. Juli. In ihrem Programm finden sich René Kollo, Angelika Milster, Katharine Mehrling und The Dark Tenors. Die frühere Belcanto-Ikone Lucia Aliberti macht einen romantischen Abend und der polyglotte Trompeter Till Brönner am 24. Juli den Festival-Rausschmeißer. Überraschenderweise gibt es in diesem Sommer so etwas wie einen Geheimtipp: "Vier Pianisten – Ein Konzert" ist der Abend am Sonntag schlicht betitelt.

Vier Hamburger Pianisten machen zusammen eine Show

Der Hamburger Pianist Sebastian Knauer sitzt am Donnerstag bei der Pressekonferenz mit auf dem Podium im Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt. Während Festivalchef Gerhard Kämpfe am liebsten die nach Berlin drängende Weltklasse anpreist, gibt sich Knauer zurückhaltender und berichtet gleich vom größten und reizvollsten Konflikt des Programmes. Knauer als Pianist des klassischen Repertoires ist es gewohnt, nach Noten zu spielen.

Er braucht den festen künstlerischen Halt. Die anderen drei hingegen sind Spezialisten im Improvisieren. Und so begann auch die Zusammenarbeit der vier Hamburger. Man telefonierte regelmäßig miteinander, erzählt Knauer, und fragte sich, wie es denn so gehe. Dann wurde Knauer langsam unruhig und fragte nach dem Programmablauf. Aber die Improvisationskünstler winkten cool ab. "Ich hatte nie Scheu, auch verrückte Sachen zu probieren", sagt Knauer.

"Ich fange mit jeder Aufgabe bei null an"

Und so spielt er gemeinsam mit Joja Wendt, dem Tastenflitzer, wie Kämpfe sagt, dem Boogie-Woogie-Mann Axel Zwingenberger und dem Jazzer Martin Tingvall. In Hamburg ist das Programm bereits unter Jubel gelaufen. "Es steckt ein bisschen Choreografie darin", sagt Knauer. Als Klassiker scheut er sich vor dem Begriff Show. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Spaß macht", fügt er noch hinzu.

In Plauderstimmung präsentiert sich Sängerin Angelika Milster am Donnerstag an der Seite von Gerhard Kämpfe. Natürlich hat der Festivalchef sie überredet, etwas aus dem Musical "Cats" zu singen. Was sie ja eigentlich nicht mehr wolle, sagt sie: "Das Lied verfolgt mich." Aber als Grizabella war die Milster einst berühmt geworden. In Berlin ist sie derzeit im Schlosspark Theater als Doris Day zu sehen. Die Sängerin stöhnt über den vielen Text, den sie immer zu lernen habe. Aber das gehört für sie zum Job. Und dabei zeigt sie sich bescheiden. "Ich fange mit jeder Aufgabe bei null an", sagt sie.

Bei einer ihrer fröhlichen Erzählungen zuckt Kämpfe kurz zusammen. "Warum singst du im Osten", ist sie gefragt worden: "Bist du auf dem absteigenden Ast?" Aber da ging es nicht um Berlin-Mitte, sondern um ihr Engagement in Altenburg, wo sie im September die Hauptrolle im Musical "Sunset Boulevard" singt. Sie berichtet stolz davon.

Musical, Filmmusik und Klassik gehören zusammen

Ob sie Sängerin oder Schauspielerin sei, sagt Angelika Milster, werde sie oft gefragt. Aber nur in Deutschland, wo alles in Schubladen gesteckt wird. Gerhard Kämpfe nutzt die Gelegenheit der "First Night", in der Filmmusik und Musicalsongs erklingen, um seinen erweiterten Klassikbegriff zu erläutern. "Ich wage immer zu behaupten, dass sich die Entwicklung der Klassik im Musical und in der Filmmusik fortsetzt."

Das sei Musik, wenn man sie höre, so Kämpfe, "sieht man sofort die Bilder vor sich". Auch im 20. Festivaljahr wird konsequent der spartenübergreifende Markenname Classic statt Klassik verwendet. Wobei auf den zweiten Blick viel Klassik im Open-Air-Programm steckt – deutlich mehr als in manch anderen Festivaljahren.

Der Potsdamer Dirigent Golo Berg sitzt stellvertretend für den dritten Abend "Opera Italiana" auf dem Podium. Er sagt wenig. Programme mit italienischen Opernarien sind Selbstläufer, wie Gerhard Kämpfe erklärt. Er verweist noch darauf, dass es Lichtspiele und Feuerwerk gibt. In der kommenden Woche beginnen die Aufbauarbeiten auf dem Gendarmenmarkt.

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