Kultur

„Am Ende hat alles geklappt“

Martin Hoffmann zieht nach sieben Jahren als Intendant der Philharmoniker Bilanz. Ein Abschiedsinterview

Als der erfolgreiche Medienmanager und Formatentwickler Martin Hoffmann („Bauer sucht Frau“) 2010 die Intendanz der Berliner Philharmoniker übernahm, staunten viele über diesen Wechsel. Ein Lernender sei er gewesen, sagt er heute. An der Seite von Chefdirigent Simon Rattle hat er das Orchester begleitet. Ein Jahr vor Rattles Weggang verlässt Hoffmann jetzt die Philharmoniker. Das Waldbühnenkonzert am Sonnabend wird sein letzter öffentlicher Termin als Intendant sein.

Herr Hoffmann, haben Sie es bereits bereut, dass Sie demnächst aufhören?

Martin Hoffmann: Wieso sollte ich? Ich habe sieben Jahre lang eine schöne Zeit gehabt. Und in der Stiftung sagte man mir bei der Verabschiedung, meine Amtszeit sei die zweitlängste nach Wolfgang Stresemann, der herausragenden Persönlichkeit unter allen Intendanten. Zudem ist auch der Wechsel des Chefdirigenten von Simon Rattle zu Kirill Petrenko ein idealer Zeitpunkt, mit einem neuen Team die Zukunft zu gestalten.

Was haben Sie erreicht?

Wir haben die ökonomische Zukunft des Orchesters auf eine gute Basis gestellt. Ich denke etwa an den Hauptstadtfinanzierungsvertrag, womit sich der Bund an den Philharmonikern beteiligt. Das ist ein ganz wesentlicher Schritt für das Orchester. Und ich freue mich, dass es mir gelungen ist, Tarifverträge abzuschließen, die die herausragende Qualität des Orchesters und der Musiker anerkennen. Mir war es auch wichtig, das Orchester als Kulturbotschafter des Landes Berlin und Deutschlands weiter zu profilieren und das Haus mit neuen Formaten weiter zu öffnen.

Der Bund beteiligt sich jetzt mit 7,5 Millionen Euro, also einem Drittel des Etats, an der Förderung der Philharmoniker.

Ja, wobei wir dazusagen müssen, dass der Netto-Zuwachs sich auf drei Millionen Euro beläuft. Dafür sind wir alle sehr dankbar. Berlin kann im Gegenzug seinen Anteil verringern und für andere Aufgaben nutzen.

Ist es nicht merkwürdig, als Spitzenorchester plötzlich Diener zweier Herren zu sein?

Diese Beschreibung ist a priori falsch. Mit dieser Zwei-Säulen-Finanzierung kommt vielmehr die besondere künstlerische Wertschätzung des Landes und des Bundes für dieses Orchester zum Ausdruck. Es gab ja in der Vergangenheit schon verschiedentlich Diskussionen über eine Beteiligung des Bundes mit vielfältigen, auch verfassungsrechtlichen Fragestellungen. Für mich ist die jetzt gefundene Lösung der Königsweg. Wichtig ist natürlich, dass mit diesem Finanzierungsmodell keine inhaltliche Einflussnahme verbunden ist.

Was waren die schwersten Unterfangen Ihrer Amtszeit?

Der Einstieg. Im ersten Jahr musste ich die handelnden Persönlichkeiten und Strukturen im Haus kennen und verstehen lernen. Die Aufgabe war, gegenseitig Vertrauen und Verlässlichkeit aufzubauen.

Schütteln Sie heute mit dem Kopf, wenn sie auf die komplizierte, im Ablauf peinliche Nachfolgerwahl von Simon Rattle zurückblicken?

Ich betrachte das rein ergebnisorientiert. Das Orchester hat mit Kirill Petrenko eine ausgezeichnete Wahl getroffen und entschieden, wer der beste Dirigent ist, um die Qualität des Orchesters zu bewahren. Und das konnten Sie ja bereits bei seinem ersten Konzert nach seiner Wahl im März dieses Jahres erleben.

Sie sprachen von der gelungenen Öffnung der Philharmonie. Petrenko gilt nicht gerade als zugänglich. Wie soll die Offenheit gewahrt bleiben?

Natürlich wird Kirill Petrenko mit seinen künstlerischen Vorstellungen das Haus prägen. Ich kann aber nicht sehen, dass sich etwas am Selbstverständnis der Institution Berliner Philharmoniker verändern wird.

Andrea Zietzschmann wird mit Saisonbeginn Ihre Nachfolgerin. Wie werden die Philharmoniker mit einer Frau an der Spitze klarkommen?

Ich glaube nicht, dass das Haus in so antiquierten Vorstellungen denkt, zumal es mit Pamela Rosenberg bereits eine Intendantin gab. Und Frau Zietzsch­mann ist eine großartige Kollegin.

Was werden Sie künftig machen?

Jedenfalls nur etwas, was mir große Freude bereitet.

Dann ist das Konzert in der Waldbühne am Sonnabend Ihre letzte Amtshandlung?

Es beendet die laufende Konzertsaison, und hoffentlich regnet es nicht! Obwohl, ich weiß, dass das Berliner Publikum die besondere Atmosphäre dieses Konzertes bei jedem Wetter zu schätzen weiß. Meine Amtszeit endet dann offiziell am 31. August.

Haben Sie Angst, danach in ein Loch zu fallen, wenn es keinen Wagen mit Fahrer mehr gibt und Konzertgänger Wolfgang Schäuble Sie nicht mehr begrüßt?

Ich hoffe doch nicht, dass mich Herr Schäuble künftig ignoriert. Und den Fahrer habe ich übrigens schon vor einem Jahr aufgegeben und fahre jetzt selbst Smart.

Der sanfte Entzug also?

So habe ich das noch gar nicht gesehen, aber die Beschreibung gefällt mir.

Wann übergeben Sie an Ihre Nachfolgerin?

Das machen wir bereits in den letzten Wochen und vor allem sehr harmonisch. Und wir haben verabredet, dass Frau Zietzschmann zur Saisoneröffnung die Amtsgeschäfte übernimmt.

Haben Sie Ihr Tipps gegeben, wie man am besten mit den Philharmonikern umgeht?

Bevor ich anfing, sind eine Reihe von Leuten auf mich zugekommen, die mir erklärten, wie die Philharmoniker funktionieren und was es zu beachten gilt. Und das waren lange Sitzungen! Tatsächlich kann man sich auf diese Aufgabe nicht theoretisch vorbereiten, man muss es erleben. Und es hilft dabei zu wissen, was für großartige Musiker alle Philharmoniker sind.

Was ist an Projekten liegen geblieben?

Liegen geblieben ist der Anbau. Das war einfach nicht durchsetzbar. Ich wollte einen Neubau mit einem kleinen Konzertsaal und alle Mitarbeiter, die bisher an verschiedenen Standorten in Berlin arbeiten, unter einem Dach versammeln. Eine Finanzierung einzuwerben ist mir nicht gelungen. Dafür haben wir jetzt einen schönen Garten vor dem Osteingang der Philharmonie bekommen.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit dem Land Berlin in Bezug auf die Neubelebung des Kulturforums?

Sie meinen das Fest am Kulturforum, das wir erstmals 2014 veranstaltet haben. Das Land war hier nicht entscheidend involviert, gewünscht hätte ich mir nur, dass die erforderlichen Genehmigungen etwas zügiger erteilt worden wären. Am Ende hat das aber alles geklappt. Eine Enttäuschung war allerdings die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus den benachbarten Museen und Kultureinrichtungen. Hier hätte ich mir mehr Engagement gewünscht. Wir haben das Fest dann 2016 allein veranstaltet. In Zukunft soll es alle zwei Jahre stattfinden, das nächste Mal 2018.

Wie finden Sie das geplante Museum der Moderne?

Der Entwurf wird ja kontrovers diskutiert, ich halte die gefundene Lösung für gut. Ich war immer Anhänger einer eher zurückhaltenden äußeren Gestaltung, und insoweit fügt sich das neue Museum zwischen die architektonischen Solitäre Philharmonie und Neue Nationalgalerie gut ein.

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