Kultur

"Der größte Glücksfall meines Lebens"

Nach mehr als 25 Jahren gibt Gisela Höhne die Leitung des inklusiven Theaters RambaZamba an ihren Sohn ab.

Es wird wohl wieder ein gewohnt irrer Abend werden. Wenn Schauspielerinnen wie Lioba Breitsprecher und Juliana Götze in bauschig weißen Dada-Kostümen Texte von Kurt Schwitters und Ernst Jandl durchkneten und zerrupfen. Es werden wieder Zuschauer, die vielleicht zum ersten Mal das Theater RambaZamba besuchen, etwas erleben, das sie anderswo vermissen. Etwas Überbordendes, eine schöne, leise, tiefe Zumutung.

Das Besondere am Theater RambaZamba ist ja, dass es gar nichts Besonderes ist. Besonderheit schafft es, ganz normal, mit seinen künstlerischem Anspruch – und nicht aus dem Umstand heraus, dass hier Menschen mit Down-Syndrom professionell auf der Bühne agieren.

Nun ja, besonders ist vielleicht, dass dieses Theater eine Auslastung von 80 Prozent vorweisen kann. Schafft nicht jeder. Auf jeden Fall aber wird der heutige Abend für Gisela Höhne, die nicht nur "DADA-Diven" schrieb und inszenierte, sondern das Theater 1990 zusammen mit Klaus Erforth gründete, ein außergewöhnlicher sein. Heute Abend läuft "DADA-Diven" zum letzten Mal in dieser Saison und danach gibt es ein Abschiedsfest für geladene Gäste. Wobei: Gisela Höhne nennt es lieber "Danke-Fest". Denn im September wird sie die Gesamtleitung an ihren Sohn abgeben, den Musiker und Regisseur Jacob Höhne, der bereits seit Januar als künstlerischer Leiter fungiert.

Ein Kniefall von Regisseur Dimiter Gotscheff

Natürlich geht sie nicht ganz. Sie wird im Herbst in "Die Räuber" selbst auf der Bühne stehen und hin und wieder inszenieren wird sie auch. Die 68-Jährige klingt dabei, als rede sie von Urlaub, denn zuvor "war es schon etwas viel".

Ihr Sohn schüttelt am Telefon hörbar bewundernd den Kopf: Gisela sei bei ihren Regiearbeiten zu jeder – "wirklich zu jeder!" – Vorführung gekommen und habe dann mit dem Ensemble noch die Abendkritik gemacht. Woanders seien Regieassistenten dafür zuständig. Aber dieses ständige Feedback habe eben auch jene künstlerische Qualität hervorgebracht, die jenseits vom Label "inklusives Theater" einen internationalen Ruf genießt. Legendär ist der Kniefall von Dimiter Gotscheff nach dem Shakespeare-Abend "Love Love Lost" im RambaZamba. Der große Regisseur war platt.

Für ihre Arbeit erhielt Gisela Höhne unter anderem den Berliner Verdienstorden und den Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig. Wobei ihr der "Neuberinnen-Preis", wie sie ihn liebevoll nennt, besonders viel bedeutet, weil er eben "ein wirklicher Theaterpreis" sei. Unausgesprochen schwingt da mit: und keiner, der gute Taten würdigt.

Was wird sich ändern? "Wir werden vermehrt in die Stadt gehen, es gibt Koproduktionen mit großen Bühnen", sagt Jacob Höhne. Details will er bei der Pressekonferenz im Juli nennen. Es ist aber davon auszugehen, dass wieder einige große Namen zu Gast sein werden. Angela Winkler hat hier schon gespielt oder zuletzt Eva Mattes in "Der gute Mensch von Downtown". Für die Premiere von "Die Räuber" (Regie: Jacob Höhne) ist Bernd Freytag als Chorleiter angekündigt.

Mit gemischten Gefühlen geht Gisela Höhne jetzt in ihren, nun ja, Nicht-ganz-Ruhestand. "Das Theater RambaZamba war der größte Glücksfall meines Lebens, es lässt sich mit nichts anderem vergleichen."

RambaZamba, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg. "DADA-Diven": Heute, 19 Uhr. Karten: 18/ 10 Euro

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