Ära nach Peymann

Was Moritz Rinke am Berliner Ensemble plant

Moritz Rinke soll Intendant Oliver Reese unterstützen. Er will aktuelle Texte auf die Bühne bringen, die der Autor auch wiedererkennt.

Dramatiker Moritz Rinke

Dramatiker Moritz Rinke

Foto: picture alliance / Erwin Elsner

Wenn er das Berliner Ensemble betritt, dann kitzele ihm noch der Zigarrenqualm von Bertolt Brecht in der Nase. Und überall sehe er dort kleine Männer mit Mütze vorbeihuschen, sagt er. All die Brechts und Heiner Müllers und Claus Peymanns – Moritz Rinke tritt in große Fußstapfen, das ist klar. Der Dramatiker und Schriftsteller wird in wenigen Monaten im Berliner Ensemble (BE) im künstlerischen Leitungsteam mitarbeiten, an der Seite des neuen Intendanten Oliver Reese, der bis dahin Claus Peymann abgelöst haben will. Welche Rolle Rinke dabei übernimmt und wie das Haus neu aufgestellt werden soll, erklärte er am Freitagabend im Gespräch über den Kunstproduktionsort Berlin im Garten des Georg Kolbe Museums.

"Es ist aufregend, was bei uns gerade passiert", sagt Rinke, während sich der Himmel verdunkelt, als wollte er das pointieren. Rinke, dessen Theaterstück "Wir lieben und wissen nichts" zu den am häufigsten gespielten der Republik gehört, will ab Spätsommer neue Autoren im Theater anleiten. Man wolle die BE-Tradition fortsetzen, eng mit Autoren zusammenzuarbeiten, auch wenn das gerade nicht Trend sei. Nein, die Texte würden gegenwärtig so verfremdet, dass der Autor sich seinem Stück auf der Bühne nähere wie einem wilden Tier. So soll das am BE nicht werden. Dort plane man eine "Revolution der neuen Rückbesinnung", sagt Rinke, Tannenzapfen prasseln dabei wie Wurfgeschosse aus den Bäumen. Erzählstark solle es zugehen, man suche Geschichten, Handlung, Zeitgenossenschaft. Und setze dabei auf Teamarbeit. Also auf etwas, für das Noch-Intendant Peymann nicht unbedingt bekannt sei.

Berlin, ist sich Moritz Rinke sicher, ist nicht für jeden Künstler ein geeigneter Produktionsort. Es gäbe so viel Programm, das könne einen leicht in die Verzettelung treiben, was Kolbe-Direktorin Julia Wallner bejaht. Deshalb hat Kolbe die Mauern um sein Haus hochgezogen und Rinke sich ein Schreibhaus auf Lanzarote gebaut. Dennoch glaubt Rinke, mache nicht die Stadt den Schreiber. "Ich hätte wohl auch in Bremen nicht anders geschrieben als in Berlin", sagt er. Ach Berlin, das sei ja auch nicht mehr das, was es mal war, findet auch Museums-Direktorin Julia Wallner. Wie mythisch sei es noch in den 90er-Jahren gewesen, als der Techno boomte und die kleinen Galerien.

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