Belforter Straße

b.a.t.-Studiotheater ohne Wolf Biermann wiedereröffnet

Das b.a.t.-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ feiert Wiedereröffnung. Wolf Biermann erschien nicht.

Sein Stuhl blieb frei: Wolf Biermann kam trotz Einladung nicht ins b.a.t. Studiotheater

Sein Stuhl blieb frei: Wolf Biermann kam trotz Einladung nicht ins b.a.t. Studiotheater

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Einer fehlte an diesem Abend: Wolf Biermann, prominenter Mitgründer des Theaters. Noch bis kurz vor Wiedereröffnung der Studiobühne der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" schwebte die Frage im Raum, ob er seine Einladung zum Fest annimmt. "Auf unsere Schreiben bekamen wir keine Antwort mehr", sagte Kai Schlegel, Kanzler der Hochschule für Schauspielkunst. "Sein Stuhl blieb frei." Die Eröffnungsfeier sei aber in erster Linie als Feier geplant gewesen "für all diejenigen, die an den Arbeiten an der Bühne beteiligt waren".

Es war eine verspätete Einladung. Ursprünglich stand Biermann nicht auf der Liste. Die Feier sei laut Schulleitung ursprünglich als interne Veranstaltung geplant gewesen. "An Biermann haben wir nicht gedacht – genauso wenig wie an die anderen Gründer“, sagte Schulleiter Wolfgang Engler. Das führte allerdings zu Protesten. Künstler warfen Engler vor, er habe Biermann bewusst aus politischen Gründen ausgeschlossen. Biermann bezeichnete 2014 die SED-Nachfolgepartei Die Linke im Bundestag als "Drachenbrut". Auf die nachgereichte Einladung kam keine Reaktion.

Zur Wiedereröffnung gab es trotzdem langanhaltenden Applaus aus dem Publikum: Nach anderthalb Jahren Bauarbeiten zieht das Theater ab Juni zurück von Weißensee in die Belforter Straße. Kai Schlegel zeigte sich zufrieden mit der Zusammenarbeit, auch mit Augenzwinkern: „Nach den letzten Erfahrungen in der Hauptstadt finde ich es sensationell, dass wir das fristgerecht geschafft haben“, sagte Schlegel. Insgesamt dauerte die Umsetzung des Bauprojektes etwa 14 Monate, verlief damit zügig. Und das trotz diverser Schwierigkeiten, die der Altbau mit sich brachte: Das Dach, noch in den 50er-Jahren errichtet, erwies sich als einsturzgefährdet. An den Seitenflügeln wuchs Hausschwamm. "Es wurden teilweise Wände eingerissen, Treppen mussten herausgenommen werden", sagte Schlegel. Zur Eröffnung am Mittwochabend zeigten Schauspielschüler des dritten Jahrgangs bezeichnenderweise einen Ausschnitt aus Homers „Odyssee“.

Die Ziegelmauern aber um die Bühne blieben erhalten. Dafür löste Architekt Roland Duda die strenge strukturelle Untergliederung von Bühne und Zuschauerraum auf. Der Eingangsbereich ist nun doppelt so hoch wie zuvor. „So konnten wir mehr Luft schaffen, dem Theater mehr noch einen Werkstattcharakter verleihen“, sagte Duda. Die Kosten der Bauarbeiten beliefen sich insgesamt auf rund 4,3 Millionen Euro. Davon bezog das Projekt etwa 1,7 Millionen Euro aus dem Berliner Investitionspaket für den Hochschulbau. Den Rest sparte die Hochschule für Schauspielkunst, teilweise aus Drittmitteln.

Erste Premieren im Juni

Wolf Biermann und Regisseurin Brigitte Soubeyran gründeten das b.a.t-Theater in den frühen 60er-Jahren, lange bevor sich die Straßen von Prenzlauer Berg zum Szeneviertel entwickelten. In den Räumlichkeiten des ehemaligen Hinterhofkinos Roxy, zwischen Ziegelwänden und Industriegemäuer, probten junge Künstler teilweise kritische Stücke wie Biermanns „Berliner Brautgang“, das vom Mauerbau handelt. Kurz nach Eröffnung wurde das Theater deshalb schon wieder geschlossen. Das Stück “Berliner Brautgang” erlebte nicht einmal mehr seine Uraufführung auf der Bühne. 1974 folgte die Wiedereröffnung als Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Seitdem gilt das Theater als Wiege von Schauspiel- und Regietalenten wie Nina Hoss, Julia Jentsch oder Thomas Ostermeier.

Zwei erste Inszenierungen im frisch sanierten Theater sind ab dem 9. Juni zu sehen: eine Bühnenversion von Franz Kafkas Roman „Das Schloss“ und das Stück „Die Prüfung und Einschätzung revolutionärer Fähigkeiten durch ein entsprechendes Assessment-Center entlang des Spannungsverhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft auf Grundlage von ausgewiesenem Textmaterial“. Die Premieren sind bereits aufverkauft.

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