Kultur

Macht der Bilder

Museumsreif: Die Schau „Foto.Kunst.Boulevard“ zeigt, wie stark die Fotografie geworden ist

Der Ex-Kanzler im Rollstuhl vor dem nächtlichen, menschenleeren Brandenburger Tor, unwirklich beleuchtet, der Himmel dramatisch und weit. Das Foto von Andreas Mühe erzählt weit mehr als nur von Helmut Kohl und deutsch-deutscher Geschichte, nämlich von Machtanspruch, Melancholie und Einsamkeit.

Mühes Arbeit entstand als Auftragsarbeit für die „Bild“-Zeitung wie nahezu alle 65 Fotografien, die nun mit der Schau „Foto.Kunst.Boulevard“ im Martin-Gropius-Bau ihre Museumsreife erhalten. Mühe ist bestens im Geschäft, vor einigen Monaten hatte er eine Ausstellung zusammen mit Markus Lüpertz. Auch der Malerfürst ist im Gropius-Bau in einem Atelier-Porträt von Meiko Herrmann verewigt. Die Kunst ist im Boulevard angekommen, keine Kunstberichterstattung funktioniert heute ohne Bild. Selbstvermarktung inklusive, die Grenzen fließen. Bilder sind Macht, Bilder machen Politik – Fotografie ist das stärkste Medium unserer Zeit.

Gezeigt wird eine Querschnitt an Fotos aus Politik, Gesellschaft, Kunst und Partyszene – in den letzten 15, 16 Jahren für die Boulevardzeitung entstanden. 27 Künstler von Michel Comte über Kiki Kausch bis zu Ellen von Unwerth und Frank Zauritz sind dabei, wobei qualitativ nicht alle in der gleichen Liga spielen.

Die Hängung ist spielerisch angelegt: Repräsentation wechselt mit Kuriosem oder Party-Stillleben von Ellen von Unwerth. Dokumentarisches steht neben Inszeniertem. Da wird regiert, dort wird exzentrisch gelacht. Initiiert wurde das Projekt vom ehemaligen Herausgeber und „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, und natürlich ist die Schau auch eine Hommage an ihn selbst. Viele der Interviews mit den hier Porträtierten wie Angela Merkel und Papst Benedikt XVI. führte er selbst. Donald Trump sitzt in seinem New York Büro in einem roten Lederstuhl, der wirkt wie ein Thron. Mr. President allerdings sitzt absprungbereit auf der Kante, reichlich gelangweilt schaut er in die Kamera. Papier-Chaos auf und unter dem Schreibtisch. Dagegen inszenierte sich Verteidigungsminister von Guttenberg 2010 deutlich machtbewusster, auf dem Rollfeld in Fliegeruniform – und startbereit.

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7. Mi.–Mo. 10 bis 19 Uhr. Bis 9. Juli