Kultur in Berlin

25,7 Millionen Euro mehr für Berliner Kultur

Der Bund will sich künftig finanziell stärker bei den Philharmonikern und der Opernstiftung engagieren.

Eines der besten Orchester der Welt: Die Berliner Philharmoniker sollen in Zukunft auch vom Bund finanziell unterstützt werden

Eines der besten Orchester der Welt: Die Berliner Philharmoniker sollen in Zukunft auch vom Bund finanziell unterstützt werden

Foto: Kai Bienert / MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

Im Hauptstadtfinanzierungsvertrag ist auch geregelt, welche Kultureinrichtungen der Bund im Land Berlin fördert. Der alte Vertrag läuft jetzt nach zehn Jahren zum Jahresende aus, die neue Vereinbarung soll im Mai verkündet werden.

Die Kulturaufteilung war bereits mit der alten Landesregierung ausverhandelt worden. Der alte und neue Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der neue Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sind sich offenbar schnell einig geworden, bei dem Papier zu bleiben. Demnach will der Bund künftig 25,7 Millionen Euro mehr nach Berlin fließen lassen.

Der Hauptstadtvertrag ist ein Teil der vielfältigen Bundes­finanzierungen in der Hauptstadt, wozu auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit der Museumsinsel oder die Berliner Festspiele mit Berlinale, Jüdischem Museum oder Akademie der Künste gehören. Insgesamt beträgt das Volumen mehr als 600 Millionen Euro. Im Vergleich: Berlin zahlt gut 508 Millionen für seine Kultureinrichtungen.

Eine lange unbeantwortete Frage blieb, ob die Berliner Philharmoniker diesmal in die Bundesobhut wechseln. Die Übernahme hatte bereits der erste Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) vorangetrieben. Er war seinerzeit am Widerstand der Landespolitiker gescheitert, die das Weltklasseorchester behalten wollten. Diesmal, so ist zu hören, hätten sich die Berliner darauf eingelassen. Aber Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Einspruch erhoben. Kultur sei Ländersache, Einzelinstitutionen will der Bund nicht mehr zusätzlich in seine Förderung aufnehmen. Beim ersten Vertrag klang das noch anders, seinerzeit wollte der Bund vor allem national bedeutsame „Leuchttürme“, die über die Landesgrenzen hinausstrahlen, übernehmen und beiläufig auch vor dem Dahinsiechen in Berlin retten.

Und so wird das Vorantreiben von Mischfinanzierungen wohl das Bemerkenswerteste am neuen Kulturvertrag sein. Die Berliner Philharmoniker sollen, wie es aus Politikerkreisen heißt, künftig mit gut sieben Millionen kofinanziert werden. Die Philharmoniker teilten auf Anfrage dazu mit, man werde die Zahlen erst kommentieren, wenn sie öffentlich verkündet sind. Aus Kulturkreisen ist zu hören, dass der Philharmoniker-Etat damit von derzeit knapp 17 auf 20 Millionen Euro angehoben wird. Der Bund zahlt also knapp ein Drittel. Die Differenz führt zu einer weiteren Entlastung des Kulturetats des Landes. Das ist auch die Zielrichtung der Hauptstadtförderung.

Mehr Geld für freie Gruppen und das Humboldt Forum

Im Falle der Opernstiftung hingegen geht es um eine bessere Gesamtausstattung, eine finanzielle Aufstockung. Zur Stiftung „Oper in Berlin“ gehören die Staatsoper, die Deutsche Oper, die Komische Oper und das Staatsballett. Die Stiftung wird vom Land mit knapp 142 Millionen Euro finanziert. Sie soll künftig aus dem Hauptstadtvertrag zehn Millionen Euro zusätzlich erhalten. Bislang hat lediglich Daniel Barenboim für seine Staatskapelle 1,8 Millionen Euro vom Bund zusätzlich erhalten. Die „Kanzlerzusage“ datiert aus dem Jahr 2000. Der Stardirigent äußerte damals immer wieder öffentlich Kritik, dass die künstlerische Qualität seiner Staatsoper bei all den verordneten Sparmaßnahmen des Landes verloren gehen könnte. Also sprang der Bund ein.

Wie die zehn Millionen Euro künftig in der Opernstiftung aufgeteilt werden, bleibt dem Stiftungsrat überlassen. Auf Anfrage will sich in der Stiftung im Moment keiner dazu äußern. Es gilt aber als gesetzt, dass die Deutsche Oper einiges davon abgekommen wird. Generalmusikdirektor Donald Runnicles und Intendant Dietmar Schwarz machen seit Jahren auf die strukturelle Unterfinanzierung des größten Berliner Opernhauses aufmerksam. Im Falle der Staatsoper ist zu hören, dass Finanzminister Schäuble, der als Klassikliebhaber bekannt ist, eher an einer Übernahme der frisch sanierten Staatsoper Unter den Linden – die der Bund mit 200 Millionen Euro mitfinanziert hat – interessiert gewesen sei. Barenboim hatte auch dafür plädiert. Das ist vom Tisch. Der Bund beteiligt sich bereits an seiner Barenboim-Said Akademie, die im Herbst im früheren Kulissenlager der Staatsoper eröffnet wurde. Monika Grütters hat immer wieder betont, dass der Bund 20 Millionen Euro für den Umbau beigesteuert hat und sich an den laufenden Kosten maßgeblich beteiligt.

Der Bund ist künftig in Berlin dort anzutreffen, wo die Musik spielt. Bislang war er vor allem als anteilig zahlender Gesellschafter der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH ins Konzertleben eingebunden. Das Deutsche Symphonie-Orchester war schon eine Art Bundesorchester. Im neuen Hauptstadtvertrag ist außerdem vorgesehen, sich stärker beim Humboldt Forum zu engagieren und den Hauptstadtkulturfonds von zehn auf 15 Millionen Euro zu erhöhen. Das kommt auch den freien Gruppen der Stadt zugute.

Der Berliner Senat wollte sich am Freitag zu den Zahlen nicht äußern, weil in der kommenden Woche noch der Kulturaussschuss und der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses zu dem Thema tagen. Außerdem sei der Vertrag noch nicht unterschrieben. In Kreisen der Bundesregierung widersprach man den Zahlen nicht.