Kultur

Wie leicht man Misstrauen mit Geld ersticken kann

In „Bestechung“ lässt Bestsellerautor John Grisham Justiz gegen Justiz ermitteln

Seit fast drei Jahrzehnten veröffentlicht John Grisham mit schöner Regelmäßigkeit Romane, die ihre Spannung aus der Praxis des Justizbetriebs beziehen. Vielfach sind es Geschichten um Rechtsanwälte, die gegen erhebliche Widerstände die Interessen ihrer Klienten verteidigen. In seinem neuen Roman "Bestechung" ist dem ausgebildeten Juristen ein überraschender neuer Ansatz gelungen. Lacy Stoltz ist zwar Juristin, aber sie steht nicht im Gerichtssaal, sondern arbeitet für eine weitgehend unbekannte Behörde des Bundesstaates Florida, das Board on Judicial Conduct, das Beschwerden über das berufliche Verhalten von Richtern überprüft.

Lacy trifft mit ihrem Kollegen Hugo einen exotischen Mann, der eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Richter einlegen will. Das klingt erst einmal nicht spannend, ändert sich aber rasch. Der Mann lebt völlig unerreichbar und verfügt über brisante Informationen. Er ist der Verbindungsmann zu einem Verbindungsmann zu einem Insider aus dem Justizwesen. Und dieser will Beweise dafür haben, dass eine Richterin sich seit Jahren von den Betreibern eines Spielcasinos bestechen lässt und dafür wiederholt das Recht gebeugt hat.

Eine besondere Note bekommt die Geschichte dadurch, dass das profitable Casino auf dem Gebiet eines Indianerreservats liegt. Dort haben die US-Justizbehörden keine Befugnisse, sie dürfen nur mit Genehmigung des Stammes tätig werden. Das ist schwierig, denn der Stamm ist durch das Casino reich geworden. Und dann hat auch noch ein geheimnisumwitterter Gangsterboss seine Hände im Spiel. Die Beamten merken bald, dass sie es mit einem gefährlichen Gegner zu tun haben. Ein Mensch stirbt, einer wird schwer verletzt, ein dritter verschwindet.

Der 62-jährige Autor hat seine Figuren gewohnt realistisch gezeichnet, sodass sie sofort plastisch erscheinen und in ihrem Handeln glaubhaft sind. Dabei sind sie keine Polizisten mit Waffen, sondern Anwälte mit Vorladungen.

Mit Leichtigkeit schafft es Grisham in "Bestechung", aus einer komplizierten Ausgangssituation einen spannenden Justizthriller zu machen. Das Grundproblem lässt sich einfach zusammenfassen, genauso, wie es der Richterin in einer entspannten Minute durch den Kopf geht: "Es war erstaunlich, wie leicht sich Nähe schaffen und Misstrauen ersticken ließ, solange genug Geld im Spiel war."

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