Kultur

Oliver Reese: "Theater darf kein Museum sein"

Oliver Reese, ab diesem Sommer neuer Intendant des Berliner Ensembles und damit Nachfolger von Claus Peymann, setzt auf die Akteure: "Im Mittelpunkt des Theaters steht der Schauspieler", sagte Reese im RBB-"Kulturradio". Mit diesem Konzept habe er schon in Frankfurt am Main das Publikum begeistert. Für ihn zähle in der Kunst Dynamik, sagte Reese weiter. "Es sind Gegensätze interessant, auf laut kommt leise, nach riesiger Bühne im Schauspiel Frankfurt" – die größte im deutschsprachigen Raum, größer auch als die des Burgtheaters in Wien – "kommt ein intimes, gleichwohl im Zuschauerraum ja gar nicht kleines Haus und ein herrliches Kammertheater, ein Sprechtheater, bei dem man nur zwei bis drei Schauspieler auf der Bühne braucht." Insofern freue er sich "auf einen totalen Wechsel im Ausdruck, und ich kann sagen, meine alte Liebe zu Stoffen, die man fürs Theater finden muss, die ist in den letzten Jahren immer stärker geworden". Und dann sagt er noch einen Satz, den man auch als kleine Spitze in Richtung Peymann interpretieren kann, der gern mal vom Berliner Ensemble als Museum sprach: "Ich finde, Theater darf ganz entschieden in so politisch aufgewühlten Zeiten, in denen wir leben, nicht mehr das Klassikermuseum sein, das es lange Jahre war!"

In Peymanns Zimmer wird Reese nicht ziehen. "Das Haus hat Platznot, das große Intendantenbüro bekommen die Assistenten, da sitzen demnächst sechs Leute drin, und ich nehme ein anderes Zimmer."

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