Kultur

Radu Lupu versenkt Beethovens Fünftes Klavierkonzert

Man gönnt Daniel Barenboim bei seinen Staatsopern-Festtagen die schwierigen, unpopulären Stücke von Schönberg und Alban Berg von Herzen – Werke, die man selten hören kann und noch seltener in der exquisiten Instrumentalbesetzung der Staatskapelle. Auch beim zweiten Festtage-Konzert in der Philharmonie, wo Arnold Schönbergs Orchesterstücke op. 16 aufgeführt werden, erklingt der komplexe Satz in voll­endeter Transparenz. Das einst Skandal auslösende Stück "Farben" ist bis in die kleinste Nebenstimme durchhörbar. Darin liegt die maximale Sinnlichkeit – wiewohl die Haydn-Variationen trotz der knapp bemessenen Probenzeit und einiger Ungenauigkeiten in der Balance stets von lebendigem, fast kammermusikalisch eigenständigen Zusammenspiel der Instrumentalgruppen geprägt sind.

Doch unter den Händen des Barenboim-Freundes und Klavier-Altstars Radu Lupu entbehren die heroischen Themen aus Beethovens Fünftem Klavierkonzert jeglicher Prägnanz. Im aufschleudernden Beginn des dritten Satzes fragt man sich gar, ob man das sattsam bekannte Stück noch identifizieren kann. Dass Daniel Barenboim, das soziale Genie, hier eine alte Freundschaft reaktiviert, mag sich menschlich lohnen – künstlerisch ist es jedoch ein Fehlgriff.

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