Filmfestival

Ein heißes Schauspielerpaar ist dem Glück auf der Spur

Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat stellen ihr Regiedebüt „Hey Bunny“ vor: auf dem Achtung Berlin Festival, das am Mittwoch beginnt.

Selbstironie ist ihre Stärke: Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat spielen die Hauptrollen in ihrem Film

Selbstironie ist ihre Stärke: Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat spielen die Hauptrollen in ihrem Film

Foto: Reto Klar

Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat sind ein heißes Paar. Nein, natürlich nicht, lacht die 37-Jährige: „Wir sind schon 16 Jahre zusammen, bei uns fliegen nicht dauernd die Fetzen.“ Und der 42-Jährige ergänzt: „Wir sind auch nicht Brangelina.“ Aber die Filmproduktionsfirma, die sie gegründet haben, haben sie trotzdem „Hot Couple“ getauft. Sie seien eben „ironie-affin“, so Frau Wilson. Und wenn sie die Firma lange genug führen, scherzt Herr Metschurat, könnten sie die ja eines Tages in „Odd Couple“ umbenennen.

Die Berliner Schauspieler, die seit fast 20 Jahren im Filmgeschäft sind, haben sich damit einen großen Traum erfüllt: selber mal einen eigenen Film zu drehen. Auch wenn der Firmenname und der Titel ihres Regiedebüts erst mal an etwas Pornographisches denken lassen: „Hey Bunny“ ist ein schöner schräger Film, der erst beim 13. Achtung Berlin Festival, das am Mittwoch beginnt, gezeigt wird. Und am 27. April dann ins Kino kommt. Auch ins Eiszeit, ihrem Hauskino in ihrem Kreuzberger Kiez, wo auch große Teile des Films gedreht wurden. Es liegt nahe, dass wir uns dann auch im Eiszeit treffen.

Frisch, frech und ohne jede Filmförderung

Sie sind ein bisschen nervös. Der ältere Sohn ist gerade im Hort von der Rutsche gefallen. Und gleich kann der Glaser kommen, der ein zersprungenes Fenster austauschen muss. Aber die befürchteten Notanrufe bleiben aus. Das Paar kann in Ruhe erzählen. Und es macht Spaß, die beiden zu erleben, wie sie übereinander frotzeln. Wie sie die Sätze des anderen fortführen. Oder auch mal unterbrechen, aber sich dann gleich dafür entschuldigen.

Ihr Film entstand ohne jede Förderung. Und atmet vielleicht gerade deshalb eine Frische und Frechheit, die im deutschen Kino so oft fehlt. Sie hätten anfangs schon Förderanträge gestellt, die Gremien haben auch Interesse signalisiert. Aber da hätte die Entwicklung zu lange gedauert. Und Kida Ramadan, ein befreundeter Kollege, der auch mitspielt, meinte irgendwann: „Ihr müsst das jetzt drehen, sonst ist die Kohlensäure raus.“ Ein schönes Bild.

Barnaby Metschurat hat das Drehbuch geschrieben und wollte auch Regie führen. Aber bald merkte er: Das schafft er nicht allein. Da lag es nahe, Lavinia Wilson zu fragen. Die hat schon die Produktion übernommen. Beide spielen auch die Hauptrollen. Und wer gerade nicht vor der Kamera stand, der stand halt dahinter.

Ein Film zum Selbstausbeutertarif: Lauter Freunde machten unentgeltlich mit, Schauspielkollegen wie Sabin Tambrea oder Marie Gruber, aber auch Techniker. Und dann musste vor allem die eigene Familie ran: Metschurats Schwester kochte für die Crew, Wilsons Vater war der Fahrer, die Mutter kümmerte sich um die Enkel. Und alle spielten auch in kleinen Rollen mit.

Ein richtiges Family & Friends-Projekt

Gedreht wurde immer dann, wenn gerade Geld da war. So zogen sich die Dreharbeiten über zwei Jahre hin. Wobei Lavinia Wilson zeitweise nur oberhalb abgelichtet werden konnte, weil sie erst mit ihrem ersten und dann mit ihrem zweiten Sohn schwanger war. Da spielte der erste bereits in einer Szene mit. „Hey Bunny“ ist in gewisser Weise das dritte Baby des Paars. Man kann auch nicht behaupten, dass die Familie dabei zu kurz gekommen wäre. Es ist vielmehr ein richtiges Family & Friends-Projekt.

Ungewöhnliche Produktionswege, das sieht man häufig bei dem Achtung Berlin Festival, das lauter Filme aus und über Berlin und Brandenburg zeigt. Axel Ranisch hat hier mal mit „Dicke Mädchen“ für Furore gesorgt, die exakt 517,23 Euro gekostet haben, viele Beiträge entstehen über Crowd­funding. Junge Filmemacher vertrauen immer weniger dem üblichen Fördergang und setzen auf alternative Finanzierungswege.

Das schlägt sich auch im diesjährigen Programm nieder. 80 Filme werden gezeigt, allein in den jeweiligen Wettbewerben zehn Spielfilme, elf Dokumentationen, zwölf mittellange und 23 Kurzfilme. Und tatsächlich scheint die Themenvielfalt weit größer und die Umsetzung lebendiger, wenn die Filmemacher sich ohne Förderbedenken austoben können.

Das bestätigen auch Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat. „Der Film ist geworden, wie er ist, weil er aus uns herauskam, mit den Fragen, die uns umtreiben, und dem Humor, den wir so haben.“ Sie wollten etwas schaffen, was es im amerikanischen Indenpendent Film schon länger gibt, im deutschen Kino aber gerade erst aufkommt.

Ein Film, der nicht alle Erwartungshaltungen erfüllen muss. Der nicht monothematisch ist. Sondern in alle möglichen Richtungen geht. Kann sein, dass man dem Film zuweilen die mangelnde Erfahrung ansehen könne, gibt Barnaby Metschurat zu. Aber dafür lebe er von seiner besonderen Energie.

Versuchskaninchen, die aus dem Labor verschwinden

„Hey Bunny“ handelt – schon das eine ur-komische Idee– von einem Institut für Glücksforschung, in dem eine Pille fürs Glück entwickelt werden soll. Wobei aber das Computersystem gehackt wird und Versuchskaninchen aus dem Labor gestohlen werden. So dass man den Forschungsergebnissen hinterherjagen muss.

Und das „heiße Paar“, die Frage muss jetzt schon sein, hat es sein Glück gefunden? Lavinia Wilson, die Philosophie studiert hat, kann da gleich mit Aristoteles kontern: Ihm zufolge sei Glück, etwas zu machen, was einem entspricht. Das haben sie mit ihrem Film mustergültig realisiert.

13. Achtung Berlin Filmfestival 19.-26. April in neun Kinos der Stadt.
Das vollständige Programm unter https://achtungberlin.de

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