Komödie am Kurfürstendamm

Premiere von "Aufguss": "Hugo macht Kaffee-Yoga"

Jeanette Biedermann und Hugo Egon Balder spielen zusammen in „Aufguss“. Premiere ist am Sonntagabend.

Jeanette Biedermann und Hugo Egon Balder vor dem Theater am Kurfürstendamm

Jeanette Biedermann und Hugo Egon Balder vor dem Theater am Kurfürstendamm

Foto: joerg Krauthoefer

Hugo Egon Balder (67) und Jeanette Biedermann (37) spielen zusammen in "Aufguss" in der Komödie am Kurfürstendamm, Premiere ist am Sonntag. In dem spritzigen Theaterstück in einer Sauna zeigen der Erfinder von "Tutti Frutti" und die erfolgreiche Sängerin und Schauspielerin ihr lustiges Talent. Ein Gespräch übers Schwitzen, Kaffee-Yoga und den Luxus der Wurschtigkeit.

Ihr Theaterstück "Aufguss" spielt in einer Sauna. Ist das auch Ihr persönlicher Ruheort?

Hugo Egon Balder : Nein.

Jeanette Biedermann: Ich liebe Sauna, gehe regelmäßig hin, aber Hugo nicht.

Herr Balder, was haben Sie gegen Sauna?

Balder: Ist mir zu heiß und zu feucht. Ich war einmal drinnen, nie wieder.

Frau Biedermann, was mögen Sie gar nicht in der Sauna?

Biedermann: Wenn Leute Geräusche machen. "Puh", "Ah", oder ständig den Schweiß über ihre Arme wischen, dass es nur so quatscht. Da könnte ich direkt flüchten.

Und wie mögen Sie Ihren Aufguss?

Biedermann: Ganz oben, möglichst heiß und dann ins eiskalte Tauchbecken. So entspannt man am besten.

Herr Balder, wie entspannen Sie sich?

Biedermann: Kaffee-Yoga.

Balder: Das stimmt (lacht). Das mache ich jeden Morgen: 40 Tassen Kaffee und dann zwei Stunden die Wand angucken. Danach ist einem alles egal.

Nur dem Herzen ist das nicht egal. Das muss doch dann rasen?

Balder: Die ersten beiden Tassen sind normaler Kaffee, die restlichen entkoffeiniert.

Biedermann: Das ist aus ihm geworden.

Sie witzeln so herrlich miteinander rum. Was schätzen Sie am meisten an Herrn Balder?

Balder: O nein, nicht wieder das Geschleime.

Biedermann: Halt dir bitte die Ohren zu. (Balder dreht sich weg.) Ich schätze an ihm, dass er total hilfsbereit ist, ein ehrlicher Mensch, geradeheraus, der sagt, was er denkt, und er ist lustig. (Balder schnarcht.) Er nimmt alles leicht, und in der Arbeit ist er ein super Profi. (Balder schnarcht lauter.) Jetzt hör auf zu schnarchen!

Und Sie, Herr Balder? Ihre Lobhudelei über Frau Biedermann bitte.

Balder: Was soll ich da sagen, die Jeanette ist einfach ein Profi. Die spielt ja nicht erst seit zwei Tagen, hat "Jedermann" gemacht und im Fernsehen war sie auch. Und sie ist sehr vielseitig, was ich richtig gut finde. Das Schöne bei aller Professionalität ist aber, dass wir so viel Spaß miteinander haben.

Und so stehen Sie nun zusammen abends im Bademantel auf der Bühne. Entschuldigen Sie die indiskrete Frage: Aber tragen Sie etwas darunter?

Biedermann: Ich schon, aber Hugo nicht. Das wäre auch zu schade, denn der Blick lohnt sich. Vor allem weil er nie darauf achtet, wie er dasitzt. Für die Damen in der ersten Reihe gibt es also viel zu entdecken.

Balder: Glauben Sie bitte kein Wort (lacht).

Ihre Figuren brauchen im Stück Diplomatie und Diskretion. Sind Ihnen diese beiden Eigenschaften ebenfalls zu eigen?

Biedermann: Ich bin schon diplomatisch, und diskret bin ich sowieso. Ich finde nichts schlimmer, als eine Quatschtante oder unsensibel zu sein und die Fresse nicht halten zu können.

Balder: Diskret bin ich, weil ich mich nicht für Dinge interessiere, die andere Leute sagen oder denken, es sei denn, es betrifft mich. Sonst ist mir das völlig wurscht. Diplomatisch bin ich nicht. Noch nie gewesen.

Ist das inspirierend oder störend, Frau Biedermann?

Biedermann: Auf jeden Fall inspirierend. Weil man als Künstler von Applaus lebt und oft Gefahr läuft, gefallen zu wollen. Da bin ich bei Hugo. Mir ist das inzwischen scheißegal, sonst verliert man sich als Original. Das liebe ich an Hugo: Er ist ein Original, ohne sich zu verstellen.

Balder: Wenn man versucht, es allen recht zu machen, verstellt man sich. Wir können doch alle Fehler haben, das ist doch kein Problem?

In Ihrem Theaterstück "Aufguss" geht es auch um Überredungskünste. Ist das auch eine Ihrer Top-Eigenschaften?

Balder: Nein.

Biedermann: Doch. Du überredest mich ständig, noch ein Glas Wein zu trinken.

Balder: Nein, ich überrede sie nicht. Ich freue mich nur, wenn wir abends zusammensitzen und sie wie immer mit einem Glas Rhabarbersaftschorle – mit wenig Rhabarber – anfängt (Biedermann lacht) und ich mir überhaupt keine Sorge machen muss.

Warum?

Balder: Ich weiß nämlich, dass sich dieses Glas spätestens nach einer halben Stunde wie durch ein Wunder in einen Rotwein verwandelt.

Biedermann: Wie von selbst.

Balder: Und wenn das dritte Glas Rotwein-Rhabarbersaftschorle dasteht, weiß ich auch, dass es nicht mehr lange dauert und der Platz neben mir leer ist.

Weil Frau Biedermann dann auf dem Tisch tanzt?

Balder: Nein, weil sie einfach geht, wenn es ihr reicht.

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