Kultur

"Der Plattenspieler war mein Klavier-Lehrer"

Götz Alsmann als Talkshow-Gast bei Daniel Hope

Er ist Multiinstrumentalist und Doktor der Musikwissenschaft, liebt die Musik der 30er- bis 60er-Jahre und veröffentlicht demnächst ein Album italienischer Schlager mit deutschen Texten. Mittlerweile ist Götz Alsmann zu einer Ikone der musikalischen Nostalgiekultur in Deutschland geworden. Da wundert es nicht, dass der Werner-Otto-Saal im Konzerthaus am Gendarmenmarkt proppenvoll war, als der Geiger Daniel Hope den Künstler als dritten Gast in seiner Talkshow "Hope@9pm" empfing.

Zur Musik kam Götz Alsmann bereits im katholischen Kindergarten. Dort gab es eine Ordensschwester, die auf dem Klavier kindgerechte Reißer wie "Heinzelmännchens Wachtparade" zum Besten gab. Das Instrument faszinierte den kleinen Götz ungemein, doch "in unseren Kreisen nahm man keinen Klavierunterricht." So bekam Götz zunächst eine Blockflöte, und als die Eltern sahen, dass bei ihrem Sprössling die Begeisterung für Musik anhielt, wurde für 50 D-Mark ein gebrauchtes Klavier angeschafft. In der Nachbarschaft der Alsmanns gab es einen älteren Herrn, der früher als Stummfilmpianist gearbeitet hatte. Er wurde Götz' erster Klavierlehrer. Dass dieser sehr kreativ mit dem Notentexten umging zeigte sich, als Götz Alsmann später zu einem "normalen" Klavierlehrer wechselte, mit dem er nicht zurecht kam: "Danach war der Plattenspieler mein Lehrer", erklärt Alsmann schmunzelnd. Natürlich bevorzugt der Nostalgiker Alsmann auch LPs gegenüber CDs: "Es ist doch etwas Anderes, eine Platte zu hören als eine Scheibe in einen Toaster zu stecken."

Ein Hauch von Broadway im Konzerthaus

Zum Abschluss stellt Daniel Hope seinem Gast noch Fragen aus Marcel Prousts berühmtem Bogen. Auf die Frage nach dem Lieblingsgeräusch nennt er "das Geräusch das entsteht, wenn jemand in einen Apfel beißt", nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Udo Jürgens genau dieses Geräusch hasste.

Natürlich kam auch die Musik an dem Abend nicht zu kurz. Daniel Hope, Jacques Ammon und Götz Alsmann boten Stücke von Kurt Weill, Darius Milhaud und George Gershwin dar, dabei zeigte der klassisch ausgebildete Ammon ein beachtliches Jazz-Feeling, und auch Daniel Hope überzeugte mit Caféhaus-Geigerqualitäten. Götz Alsmann erfüllte Musikwünsche aus dem Publikum und präsentierte sich mit lässigem Swing am Flügel und als Sänger. Ergänzt wurden die drei Musiker von der ukrainischen Klassik-Saxofonistin Asya Fateyeva, die mit rundem Ton und geschmeidiger Phrasierung glänzte. Alles in allem ein gelungener Abend, der einen Hauch von Broadway ins Berliner Konzerthaus zauberte.

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