Kultur

Verliebt in einen Roboter

Deutsche Erstaufführung im Schlosspark Theater: In Folke Brabands Stück „Fehler im System“ steckt jeder irgendwie im falschen Leben

Dieser Oliver ist nicht von schlechten Programmierern: Hübsch, smart und schlau. Außerdem kann er putzen und ein erstklassiges Boeuf Stroganoff kochen. Er hat, was Frauen wollen. Sogar einen Knopf zum An- und Abschalten. Man kann ihn sich im Internet bestellen. Emma hat das getan und plötzlich steht er bei ihr in der Wohnung: Oliver 4.0, der perfekte Haushaltsroboter, der zufällig aussieht und heißt wie ihr gerade entsorgter Ex.

Im Kino gehören künstliche Intelligenzen regelmäßig zum Cast, im Grunde schon in Fritz Langs „Metropolis“, später in Steven Spielbergs „A.I.“ und vor drei Jahren verliebte sich Joaquin Phoenix im Film „Her“ von Spike Jonze sehr überzeugend in die Stimme des Betriebssystems seines Computers. Regisseur und Autor Folke Braband holt die humanoiden Roboter jetzt auch ins Theater. Dafür hat er die Komödie „Fehler im System“ geschrieben. Bei der Deutschen Erstaufführung am Schlosspark Theater, unter anderem mit Jürgen Tarrach und Jasmin Wagner, führte Braband auch selbst Regie.

Es geht um eine Roboter-Romanze und auch um die Frage, ob wir die Technik überhaupt noch unter Kontrolle haben. Hier steckt jeder irgendwie im falschen Leben. Oliver 4.0 (Tommaso ­Cacciapuoti), der aufgrund eines Systemfehlers lieber ein Mensch sein will. Emma (Jasmin Wagner), die lieber dem programmierten Oliver ihr Herz schenkt als dem echten. Und Emmas Vater (Jürgen Tarrach), der sich jetzt Lea nennt und lieber eine Frau sein möchte. Nicht zu vergessen der durchgeknallte Roboter-Jäger Chris (Guido Hammesfahr), der mit seiner Ghostbusters-Ausrüstung ständig versucht, jemanden zu rebooten und dabei versehentlich erst den echten Oliver und dann Lea abschleppt. Das ist natürlich ein wahnwitziger Plot, der tatsächlich insgesamt etwas zu viel will und deshalb am Ende oft an der Oberfläche bleibt.

Dass das Ganze sich trotzdem zu einem über weite Strecken sehr unterhaltsamen Abend fügt, liegt an den großartigen Darstellern, die aus dem Text vor allem in der ersten Hälfte des Abends erstklassig komödiantische Funken schlagen. Besonders Jürgen Tarrach als Emmas Vater Lea mitten in der Geschlechtsumwandlung kostet das aus. Er trägt Lippenstift, Nagellack und ein wallendes Gewand. Auch Jasmin Wagners Emma überzeugt. In ihrer staunenden, aber gelassen Verwirrung, die sich im Laufe des Abends in fast so etwas wie Glück verwandelt. Angefangen hatte Jasmin Wagner ihre Karriere als Sängerin Blümchen und war erfolgreich mit Songs wie „Ist deine Liebe echt?“. Eine Frage, die grundsätzlich berechtigt ist, besonders aber, wenn man gerade eine romantische Nacht mit einem humanoiden Roboter verbracht hat.

Tommaso Cacciapuoti spielt diesen Oliver 4.0 mit einer so sympathischen Mischung aus Robotik und Menschlichkeit, dass man gar nicht anders kann als seinem Charme sofort zu erliegen. Seine Database ist allerdings fehleranfällig, was für herrlich komische Momente sorgt, weil zum Beispiel offenbar jemand versäumt hat, ihm die gängigsten menschlichen Schimpfwörter einzuprogrammieren. Für all das hat Tom Presting ein schlichtes Bühnenbild gebaut, das nicht in die allzu ferne Zukunft verweist, sondern in eine sehr nahe. Vielleicht wird ja die perfekte Liebe irgendwann nur eine Frage des perfekten Quellcodes sein. Das Gute bei Robotern ist ja: Neustart ist immer eine Option.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz, Tel. 789 56 67 100, nächste Termine: 6.3., 18 Uhr, 23.–25.3., 20 Uhr, 26.3., 18 Uhr, 27.3., 20 Uhr