Kultur

Anti-Aging-Kur für das Bauhaus

Der Umzug des Bauhaus-Archivs beginnt. Am Wochenende ist die Dauerausstellung in dieser Form ein letztes Mal zu sehen

Die Neue Nationalgalerie bekommt mit dem Museum der Moderne eine Erweiterung, und auch das Bauhaus-Archiv erhält einen Neubau. Beide Ikonen – die eine von Mies van der Rohe, die andere von Walter Gropius – sind sanierungs­bedürftig und müssen sich einer Anti-Aging-Kur unterziehen. Schade nur, dass beide Gebäude ausgerechnet zum Bauhaus-Jubiläum 2019 nicht fertig sein werden.

Die Dauerausstellung des Bauhaus-Archivs ist in dieser Form nun letztmalig bis 27. Februar zu sehen. Danach erst wieder – in frischer Präsentation – im geplanten Neubau des Hauses. So lädt das Museum derzeit mit Sonderöffnungszeiten zu einem finalen Rundgang durch Schlüsselwerke der bedeutenden Lehranstalt für Gestaltung und Architektur im 20. Jahrhundert. Im Museum werden ab März noch zwei Sonderausstellungen gezeigt, ehe es in die heiße Vorbereitungsphase für den Umzug geht. Die Schau „Bauhaus in Bewegung“ nimmt symbolisch dieses Thema auf. Mit Jasper Morrison tritt ab 22. März ein Designer der Jetztzeit an, dessen Kochutensilien und Leuchten so manchen Haushalt verschönern. Während dieser Zeit werden die Exponate der Dauerausstellung bereits verpackt – ab Frühjahr 2018 wird das Haus endgültig schließen.

Kaum Platz für die Objekte, das ändert sich im Neubau

Wenn der Besucher sich im Bauhaus-Archiv umschaut, erkennt er schnell, wie nötig die Erweiterung tatsächlich ist. Für die historischen Objekte ist einfach nicht genügend Platz. Egal ob ­Marianne Brandts schönes Tee-und Kaffeeservice, Marcel Breuers legendärer Freischwinger oder die zahlreichen Fotografien zum geselligen und bunten Leben der Bauhäusler: So dicht gedrängt bleibt die Sammlung ausstellungstechnisch unter ihren Möglichkeiten, eine zeitgemäßere Präsentation ist überfällig. Allein mit der herausragenden Möbelkollektion – von der Küche bis zum Kinderzimmer – könnte man gut aufzeigen, wie modern die Bauhäusler in ihren schlichten Entwürfen sind und wie der angesagte skandinavische Designtrend die Klarheit von damals spielerisch aufnimmt.

Kurios ist, dass das Gebäude mit den markanten Scheddächern bereits zu klein war, als es 1979 eröffnete. Das liegt daran, dass Gropius’ Entwurf ursprünglich für Darmstadt geplant wurde und nicht vorrangig als Museum. Entsprechend wurden in Berlin die Oberlichter abgedunkelt, Ausstellungswände lassen die Architektur leider dahinter verschwinden.

Die denkmalgeschützte Sanierung wird das Original wieder freilegen. Diese Räumlichkeiten im Stammhaus sind später für Veranstaltungen, Schaudepot und Bibliothek vorgesehen.Der gesamte Ausstellungsbereich wandert in den Neubau, der vom Architekturbüro Volker Staab unterirdisch, vom Tageslicht abgeschirmt, entwickelt wurde. Von 700 auf 2300 Quadratmeter wird sich die Ausstellungsfläche verdreifachen. Direktorin Annemarie Jaeggi rechnet mit jährlich 175.000 Besuchern und einem stetigen Zuwachs, 80 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland. International ist das Bauhaus-Archiv offenbar anerkannter als in Berlin selbst.

Immerhin besitzt es weltweit die größte Kollektion der Designschule aus verschiedenen Bereichen. Nur ein Bruchteil dessen konnte gezeigt werden, das meiste schlummert im Depot: 10.000 Designobjekte und Möbel, 70.000 lichtempfindliche Fotografien und 10.000 Blätter, auch Architekturmodelle sind dabei. Briefwechsel und Manuskripte von 500 Lehrern und Studenten gehören ebenfalls dazu. Herzstück bleibt Walter Gropius’ Privatarchiv zur Geschichte des Bauhauses in der Weimarer und der Dessauer Zeit. Aus Platzgründen werden oft Fotografien gezeigt, freilich fehlt dann das Atmosphärische. Besucher wollen unbedingt die Originale sehen, beispielsweise Mies van der Rohes Barcelona-Sessel.

Ein leuchtendes Zeichen am Landwehrkanal

Bei der Neuaufstellung des Hauses bekommt der beliebte Museumsshop mit dem Café einen separierten Bau in Form eines schmalen Riegels, der sich zur Van-der-Heydt-Straße hin öffnet. Laufkundschaft ist willkommen, der Eintritt ist frei, das wird sich auszahlen. Volker Staab, der erfahrene Museumsbauer, möchte mit dem Ergänzungsbau am Landwehrkanal ein urbanes Zeichen setzen, ein 20 Meter hoher, transparenter, in der Nacht illuminierter Turm soll weithin leuchten und Besucher locken. Startschuss für den Neubau soll 2018 sein, die Finanzierung steht.

Die Summe von rund 56 Millionen Euro teilen sich Bund und Land. Und damit das Museum bis zur geplanten Wiedereröffnung 2021 nicht ganz von der Landkarte der Berliner Museen verschwindet, soll es – ähnlich wie das Interim für das Pergamonmuseum – ein temporäres Ausweichquartier erhalten. Nur wann und an welchem Standort, darüber ist momentan nichts zu erfahren. Es werde „gesucht und geprüft“, heißt es aus dem Büro des Kultursenators. Noch bestehe kein Zeitdruck.

Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstr. 14, Tiergarten. Verlängerte Sonderführungen bis 27. 2.,
10–19 Uhr. Kostenfreie Sonderführungen:
25 und 27.2., je 18 Uhr, So, 26.2., 14 Uhr.

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