Kultur

Der sinnlichste Film des Festivals

Call Me By Your Name Der vielleicht sinnlichste Film dieser Berlinale spielt 1983 in Norditalien. Der 17-jährige Elio (Timothée Chamalet) verbringt die Sommermonate mit seinen Bildungsbürger-Eltern in einer alten Landvilla, langweilt sich ein wenig auf dem riesigen Anwesen und flirtet mit der süßen Marzia. Das ändert sich schnell, als der neue Assistent seines Vaters (Michael Stuhlbarg) anreist, um ihn bei der Arbeit als Archäologieprofessor und Kunsthistoriker zu unterstützen. Der Amerikaner Oliver (Armie Hammer, der auch schon im Giacometti-Film „Final Portrait“ das Modell spielte), ein selbstbewusster 24-Jähriger, erinnert selbst ein wenig an die antiken Statuen, die Professor Perlman studiert. Und er ist ein heller Kopf, der nicht nur den Eltern gefällt, sondern auch den Mädchen im Dorf. Und bald auch Elio, der durch Oliver langsam seine Sexualität entdeckt. Doch im Italien Mitte der 80er-Jahre darf ihre Liebe nicht ausgesprochen werden. Dafür sprechen ihre Blicke und Gesten Bände.

Der Italiener Luca Guadagnino adaptierte André Acimans 2007 erschienenen Roman „Nenn mich bei deinem Namen“ und verwandelt ihn mit Co-Autor James Ivory („Maurice“) in eine Sommerromanze, die in jedem Moment den richtigen Ton trifft. Er hat ein au-ßergewöhnliches Gespür dafür, zu observieren, was wir alle vom Leben wollen. Allein die Szene, in der Elios Vater Montaigne zitiert, um mit seinem Sohn über dessen besondere Freundschaft zu Oliver zu sprechen, ist ein solch authentischer und berührender Moment, dass er bald ähnlich zum Kanon des queeren Kinos werden dürfte wie vor gut zehn Jahren „Brokeback Mountain“.

„Call Me By Your Name“ hätte dem Wettbewerb gut gestanden, konnte dort aber nicht laufen, weil er bereits im Januar in Sundance Premiere hatte. Es wäre jedoch mehr als verwunderlich, wenn er heute Abend nicht zumindest mit einem Teddy, dem schwul-lesbischen Filmpreis des Festivals, ausgezeichnet würde.

Termine Cubix 9, heute, 17 Uhr;
Cubix 9; 19.2., 21.30 Uhr, Zoo Palast 1

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